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Dienstag, 31.01.2017

Robotron-Kantine müsste für Blüherpark weichen

Die Grünanlage mit dem Hygiene-Museum soll erweitert werden und den Großen Garten mit dem Zentrum verbinden.

Von Lars Kühl

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Noch prägt die alte Robotron-Kantine das Gebiet südlich der Skaterbahn. Geht es nach dem Amt für Stadtgrün, wird die Fläche neben dem Hygiene-Museum (dahinter) zum Park umgestaltet. Das Grünband soll vom Großen Garten direkt ins Stadtzentrum führen.
Noch prägt die alte Robotron-Kantine das Gebiet südlich der Skaterbahn. Geht es nach dem Amt für Stadtgrün, wird die Fläche neben dem Hygiene-Museum (dahinter) zum Park umgestaltet. Das Grünband soll vom Großen Garten direkt ins Stadtzentrum führen.

© René Meinig

  • Noch prägt die alte Robotron-Kantine das Gebiet südlich der Skaterbahn. Geht es nach dem Amt für Stadtgrün, wird die Fläche neben dem Hygiene-Museum (dahinter) zum Park umgestaltet. Das Grünband soll vom Großen Garten direkt ins Stadtzentrum führen.
    Noch prägt die alte Robotron-Kantine das Gebiet südlich der Skaterbahn. Geht es nach dem Amt für Stadtgrün, wird die Fläche neben dem Hygiene-Museum (dahinter) zum Park umgestaltet. Das Grünband soll vom Großen Garten direkt ins Stadtzentrum führen.
  • Das Gebiet der heutigen Lingnerstadt war früher dicht bebaut. Auf der Luftaufnahme von 1929 lässt sich gut erkennen, wie begrünt das Areal um das Deutsche Hygiene-Museum früher war.
    Das Gebiet der heutigen Lingnerstadt war früher dicht bebaut. Auf der Luftaufnahme von 1929 lässt sich gut erkennen, wie begrünt das Areal um das Deutsche Hygiene-Museum früher war.

Ein grünes Band soll künftig vom Großen Garten bis zum Rathaus in die Altstadt führen. Der Blüherpark zwischen DDV-Stadion, Bürgerwiese und Zinzendorfstraße soll dafür bis zur Lingnerallee erweitert werden. Das Deutsche Hygiene-Museum wäre wieder komplett in die Anlage eingebettet – so wie früher. Diesen Plan verfolgt das Amt für Stadtgrün. Fest steht damit auch, dass darin kein Platz für die Robotron-Kantine aus der DDR-Zeit wäre.

Der Konflikt: Die Robotron-Gaststätte erhalten oder Park vergrößern

Die Entwürfe für die Vergrößerung des Parkes hat Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) am Montag zusammen mit Ines Pochert, der Leiterin für Planung beim Amt für Stadtgrün, vorgestellt. In einer Zeit, da das Netzwerk Ostmodern, unterstützt von Lokalpolitikern, um den Erhalt der Flachbau-Gaststätte mit den kunstvoll gestalteten Innenwänden ringt. Eine Entscheidung im Stadtrat, inwieweit das Bauwerk schützenswert ist, steht noch aus. Die Abrissgenehmigung hat der Investor Immovation, der daneben ein Wohngebiet in der Lingnerstadt bauen will, bereits in der Tasche. Noch sind aber keine Bagger da. Die Fläche würde die Stadt bekommen, im Gegenzug gibt sie Areale ab, auf denen die neuen Häuser hochgezogen werden. Jähnigen zeigt Verständnis für die Kämpfer für die DDR-Architektur. „Wir haben einen Zielkonflikt“, räumt sie ein, will sich aber mit den Ostmodernisten treffen, um Standpunkte auszutauschen.

Das Vorhaben: Park soll bis zur Skaterbahn hin ausgebaut werden

Momentan geht Planerin Pochert davon aus, dass eine Umgestaltung der entsiegelten Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 1,5 Hektar 2019 beginnt. Dafür werden rund 360 000 Euro veranschlagt. Während im südlichen Teil seit Beginn der Wiederherstellung des Parkes vor gut zehn Jahren viele historische Bezüge und Wegeführungen aufgenommen wurden, favorisiert Pochert im Norden zur Lingnerallee hin eher eine moderne Ausrichtung. Es soll viele, geschwungene Wege geben und eine Anbindung zum Hygiene-Museum. Auch ein kleiner Teich ist vorgesehen.

Das erhaltene Torhaus, einst mit seinem Pendant Eingang zum Park, soll stehen bleiben. Wenn Geld vorhanden ist, soll es später saniert und möglichst zu einem WC ausgebaut werden. Pochert kann sich sogar vorstellen, dass das andere Torhaus wieder errichtet wird, wenn sich ein Investor dafür findet. Beispielsweise sei die Nutzung als Café denkbar.

Die Anbindung: Vorm Rathaus soll das Grünband auf Promenadenring treffen

Die schrittweise Parkerweiterung ist „ein großes, spannendes Projekt“, sagt Jähnigen. Dazu würde auch die Anbindung an den Promenadenring gehören. Der soll später rund um die historische Innenstadt auf dem Verlauf der alten Festung aus dem 16. Jahrhundert als begrünte Flaniermeile verlaufen. Über den Georgplatz könnten die Ausläufer des Blüherparkes auf den Rathausvorplatz treffen.

Die Geschichte: Vom französischen über englischen Garten zum Volkspark

Die Erweiterung der Grünanlage hält Jähnigen für wichtig, weil die Lingnerstadt durch das neue Wohnviertel dicht bebaut wird. Das war das Gebiet bis zu seiner großflächigen Zerstörung bei den Luftangriffen im Februar 1945. Allerdings mehr an der Westseite, an der heute in voller Breite mit der St. Petersburger Straße eine der wichtigsten Trassen Dresdens verläuft. Ein Blick zurück zeigt auch, wie groß der Blüherpark einst war. Im ausgehenden 17. Jahrhundert wurde er aus zwei zusammengelegten Gärten von Johann Friedrich Karcher, der später auch den Großen Garten schuf, gestaltet. Mehrfach gab es Besitzwechsel und Umbauten. Berühmt war das Palais des Chevalier de Saxe für den Prinzen Johann Georg, einem unehelichen Sohn August des Starken. Die Grundmauern des spätbarocken-frühklassizistischen Baus, der bisweilen auch Palais der Sekundogenitur genannt wurde und bis 1918 offizieller Hauptwohnsitz des jeweils zweitgeborenen Wettinerprinzen blieb, sind noch heute zu sehen. Sie wurden bei der bisherigen Parksanierung mit herausgearbeitet.

Der einst nach französischem Vorbild angelegte Lustpark wurde zwischen 1782 und 1783 zu Dresdens erstem englischen Landschaftsgarten. Die Stadt kaufte 1926 neun Hektar Restfläche von den Wettinern. Ein Drittel davon wurde als Baugrund für das Hygiene-Museum bereitgestellt – genau in der Verlängerungsachse zur Hauptallee des Großen Gartens in Richtung Zentrum. Ein planerischer Aspekt, der jetzt wieder aufgegriffen wird. Es dauerte bis 1931, bis die zum Volkspark umgestaltete Anlage ihren heutigen Namen erhielt – benannt nach Oberbürgermeister Bernhard Blüher. Zu DDR-Zeiten gab es große Einschnitte, unter anderem wurden die jetzige Schule für Erziehungshilfe „Erich Kästner“ sowie die Traglufttrainingshalle für Dynamo Dresden gebaut. Letztere wurde wieder abgerissen. Dort toben heute Kinder auf einem Spielplatz. Der Blüherpark bekommt sein Gesicht zurück.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 9 Kommentare

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  1. Stammtischbro

    Ich bin sehr dafür, dass man historisch Wichtiges und Nachhaltiges erhält. In diesem Fall handelt es sich aber um einen 0-8-15 DDR-Zweckbau, der schon bei seiner Errichtung ein Schandfleck und als Zwischenlösung zu verstehen war. Ich hoffe nur, dass sich nicht auch noch Initiativen bilden, die die 90-ziger Jahre Abschreibungsarchitektur in Dresden erhalten wollen. Gutes und Erhaltenswertes gibt es nur wenig und so ist hier der Erweiterung des Blüherparks unbedingt Vorrang zu geben.

  2. Hortkind

    Nun, dann schnell abreißen und Fakten schaffen, wenn die Genehmigung schon da ist, sonst machst der RGR-Stadtrat wieder nur Unsinn.

  3. Volker W.

    Warum nur bis zur Skaterbahn? Der Park muss keine Rücksicht auf die Achterbahn nehmen. Wie das "grüne Band" bis zum Rathaus gelangen soll, keine Ahnung. Petersburger Str. Georgplatz etc. sind nicht für grün geeignet.

  4. tom

    Hallo Volker W. Wieso nur bis zum Rathaus, warum nicht gleich bis zum Zwinger oder dem Altmarkt verlängern. Oh weh das steht ja das Rathaus. Naja könnte man ja auch abreisen. Ach nein da hat ja die Umweltbürgermeisterin ihr Büro.

  5. Palle23

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum es so nötig ist, den Blüherpark zu erweitern, wo doch direkt daneben schon der riesige Große Garten ist. Aber gut, das ist allemal schöner als dieses hässliche Kantinengebäude.

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