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Freitag, 04.03.2016

Robotron-Gaststätte als Kultur-Kantine

Der Flachbau wird kaum noch genutzt. Pläne sehen den Abriss vor. Dagegen regt sich jetzt Widerstand. Es gibt neue Ideen.

Von Lars Kühl

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Die alte Betriebsgaststätte erweckt den Eindruck, als ob sie zurzeit im Winterschlaf ist. Enthusiasten wollen, dass das Gebäude bleibt und genutzt wird.
Die alte Betriebsgaststätte erweckt den Eindruck, als ob sie zurzeit im Winterschlaf ist. Enthusiasten wollen, dass das Gebäude bleibt und genutzt wird.

© robert michael

Ihr Mittagessen haben hier schon lange keine Werktätigen mehr in sich hineingeschaufelt. Auch die Zeiten, als Nachtschwärmer im „Mellys“ rhythmisch zu Discoklängen zuckten, liegen schon wieder zehn Jahre zurück. Es ist ruhig geworden im Flachbau neben dem Skater-Park auf dem ehemaligen Gelände des DDR-Elektrotechnik- und Computer-Kombinates Robotron. Lediglich die Semperoper rückt ab und zu fürs Proben an. Doch ganz so unbeachtet fristet die alte Speisekantine ihr Dasein doch nicht. Es gibt Leute in Dresden, die haben Großes mit ihr vor.

Früher haben 800 Menschen in der Betriebskantine Platz gefunden, selbst nach der Wende hielt sich das Speiseangebot zunächst. Dann begann das Wechselspiel in der Nutzung. Konstant blieb dagegen die Ausgestaltung. Noch heute sind beispielsweise die Betonformsteine an der Wand, hat Marco Dziallas vom Netzwerk „ostmodern“ festgestellt. Er und seine Mitstreiter wollen, dass diese „Kunst am Bau“ erhalten bleibt. Zuletzt hatten sie am benachbarten Robotron-Gebäude, das gerade abgerissen wird, für die haushohen Mosaike aus Bleiglas gekämpft. Mit Erfolg, denn der Investor, die Unternehmensgruppe Immovation aus Kassel, will nun versuchen, zwei Fenster auszubauen und zu sichern. Allerdings muss sich zeigen, ob dies möglich ist.

Gelingt es, sollen diese Artefakte jüngerer Stadtgeschichte – das Robotron-Gelände hinter der St. Petersburger Straße wurde hauptsächlich zwischen 1969 und 1972 bebaut – eigentlich im städtischen Lapidarium gezeigt werden. „Ostmodern“ bringt jetzt einen anderen Vorschlag: Die Betriebsgaststätte soll zur Kultur-Kantine werden. Dort könnten die geretteten Teile wie die Bleigläser, aber auch Verblendungen aus Meißner Keramik und andere Verzierungen aus der damaligen Zeit später zu sehen sein. Wechselnde Ausstellungen, wie beispielsweise von zeitgenössischen Fotografien, ergänzen das Angebot genauso wie Dauerschauen zur Nachkriegsmoderne in Dresden und zur Geschichte von Robotron, schlägt Dziallas vor. Die Terrasse um drei Seiten der DDR-Gaststätte könnte als Café genutzt werden. Das Gebäude wäre noch intakt. Es müsste zwar Geld in eine Modernisierung gesteckt werden, aber als eigenes Architekturzeugnis würde es im Original erhalten bleiben. Erste Gespräche mit dem Stadtplanungsamt wurden auch schon geführt.

Die Behörde sieht eigentlich vor, die Speisegaststätte abzureißen und als Grünfläche dem benachbarten Blüherpark zuzuschlagen. Immovation als Eigentümer des Grundstückes will das Areal auch nicht mit in seinen Wohnpark einbeziehen. Sollte der Flachbau stehen bleiben, müsste entsprechend umgeplant werden.

Stadtratsmitglied Thomas Löser und baupolitischer Sprecher der Grünen unterstützt die Pläne des Netzwerkes. „Wir müssen eine Diskussion anschieben, und nicht erst in zehn Jahren, wenn es zu spät ist.“ Er will ausloten, ob es die Bereitschaft gibt, die Robotron-Gaststätte als Kultur-Kantine in die neue Lingnerstadt zu integrieren.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 21 Kommentare

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  1. Demokrat

    Mein Gott was es alles so gibt neben Kulkes Truppe nun auch noch Netzwerk ostmodern - Die letzten Jahre haben doch wohl gezeigt das keiner aus der Gastronomiebranche an dem Objekt interessiert war.Der Artikel zeigt ja richtig auf,nach 1989 gab es Nachtschwärmer /Disco ect. Dann aber kam das Aus - es gibt heute genügend gastronomische u.kulturelle Angebote.Was Architektur aus der DDR betrifft so wurde ja nicht alles abgerissen. Aber jede Epoche hat seine Zeit. Auch die Idee Dauerschauen zur Nachkriegsmoderne - da steht die Frage wozu gibt es das Stadtmuseum auch da gibt es schon Probleme mit den Besucherzahlen u. es wird gefördert.Vorschlag das Netzwerk ostmodern könnte ja das Grundstück mit Objekt kaufen u.dann aufhübschen u. wirtschaftlich betreiben.Auf solche Risiken aber wollen sich solche Organisationen nie einlassen.Analog stehet es ja auch mit den sogenannten Kreativen - sie sind nicht in der Lage sich selbst über ihre Kunstprodukte zu finanzieren.Sie hoffen auf Steuergelder ?

  2. Anne Wursttheke

    Mein lieber Herr Gesangsverein, was manche Leute für Unsummen an Wörtern ausgeben, um pseudodemokratische Statements zu hinterlassen - der Herr Erstkommentator macht seinem Namen alle Unehre. Tss. Pff. --- ich finde die Aktion bemerkenswert, nicht zuletzt haben derartige Engagements dazu geführt, dass die Aluwaben zumindest in ihrer Form auf der Prager Straße erhalten blieben. Und: ein Teil des Steuergeldes, was ich jährlich abdrücke darf sehr gern für derartige Projekte verwendetMein lieber Herr Gesangsverein, was manche Leute für Unsummen an Wörtern ausgeben, um pseudodemokratische Statements zu hinterlassen - der Herr Erstkommentator macht seinem Namen alle Unehre. Tss. Pff. --- ich finde die Aktion bemerkenswert, nicht zuletzt haben derartige Engagements dazu geführt, dass die Aluwaben zumindest in ihrer Form der Prager Straße erhalten blieben. Und: ein Teil des Steuergeldes, was ich jährlich abdrücke darf sehr gern für derartige Projekte verwendet werden! werden!

  3. Stefan

    Nicht schon wieder diese rostmodernen Zeitgenossen, denen ein ästhetisches und harmonisches Stadtbild ein Graus zu sein scheint. Mir fällt ja manches erhaltenswerte DDR-Erbe ein, aber warum müssen es immer hässliche, graue, brutalistische Betonplatten sein? Diesen Flachbau braucht offenbar sonst niemand, außer diesen Stadtbildzerstörern. Dann lieber eine Grünfläche.

  4. Demokrat

    Werte Anne - erklären Sie mir einmal was daran undemokratisch ist ökonomisch zu denken. Bezüglich der Steuergelder auch das von Ihnen gibt es wohl wichtigeres wie zb.Sanierung von Schulen Strassen ecte ect. Was die Nutzung u.Erhaltung der Waben auf der Pragerstr.betrifft dagegen ist ja nichts einzuwenden . Aber wie mein Beitrag ja aussagte hat sich ja bisher kein Unternehmer/Gastronom ect für das Objekt interessiert ,warum wohl ,der Standort ist uninteressant und der Kauf oder Miete des Objektes muß ja anschließend durch Nutzung die Ausgaben u.Gewinn einspielen so funktioniert nun einmal Marktwirtschaft.Ich habe ja den Vorschlag gemacht das Netzwerk Ostmodern kann ja das Objekt kaufen also bitte den Ball etwas flach halten.Sie tun ja so als hätte Dresden nicht genug gefördertes Kulturangebot

  5. Ein Dresdner

    Komisch, dass es immer die gleichen Leute sind, die ohne einen Knopf in der Tasche, immer von anderen etwas fordern. Marco Dziallas vom Netzwerk „ostmodern“ z.B. ist aktives Mitglied der Linken und die wollen natürlich möglichst viel der Architektur Ihres (völlig zu Recht) untergegangenen Arbeiter- und Bauernstaates erhalten. Hoffentlich kommt möglichst schnell der Abrissbagger und läßt diese hässliche Bauten verschwinden, damit dort schnell etwas neues und er heutigen Zeit entsprechendes gebaut werden kann.

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