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Dienstag, 21.02.2017

Ringsum Stille

Screenings zur Feststellung von Hörschäden bei Kindern sind wichtig, da die Sprachentwicklung eng mit dem Gehör verbunden ist.

Von Jutta Bec

Hörscreenings sind völlig schmerzfrei und belasten das Baby absolut nicht.
Hörscreenings sind völlig schmerzfrei und belasten das Baby absolut nicht.

© Foto: ©Peter Himsel/Deutsche Kinderhilfe

Timmy ist ein ganz Süßer. Das Baby lächelt, sobald sich jemand über den Kinderwagen beugt. Doch ganz so heil ist die Welt von Timmy und seinen Eltern nicht: Beim Hörscreening kurz nach der Geburt wurde festgestellt, dass bei ihm mit den Ohren etwas nicht stimmt.

„Es ist ganz wichtig, eine Hörstörung frühzeitig zu diagnostizieren“, sagt Dr. Jörg Jagemann, Beratungsarzt der AOK PLUS, „denn die Sprachentwicklung ist unmittelbar ans Gehör gebunden.“ Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen deshalb die Kosten für ein Hörscreening aller Neugeborenen. Es wird zwischen dem dritten und zehnten Tag nach der Geburt durchgeführt und ist Teil der U2-Vorsorgeuntersuchung.

Zwei schmerzfreie Messverfahren

Es gibt zwei Untersuchungsmethoden. „Beide sind völlig schmerzfrei, dauern nur ein paar Minuten und belasten das Baby überhaupt nicht“, versichert Jagemann. Bei der Automatisierten Hirnstammaudiometrie (AABR) werden auf Stirn, Nacken und Wangenknochen kleine Elektroden aufgeklebt. Dann wird ein Sondenton abgegeben und die Reaktion des Gehirns auf diesen Ton gemessen. Ebenso kann die Messung über in einem Screeninggerät integrierte Elektroden erfolgen. Ist die Reaktion messbar, sind Mittelohr, Hörschnecke, Hörnerv und der untere Teil der Hörbahn funktionsfähig.

Das zweite Messverfahren (Otoakustische Emission/OAE) basiert darauf, dass das Innenohr nicht nur Schall empfangen, sondern auch aussenden kann. In den äußeren Gehörgang wird deshalb eine kleine Sonde eingeführt und dem Ohr ein Sondenton angeboten. Registriert das Ohr diesen Ton und sendet als Antwort einen zweiten Ton, funktionieren Mittelohr und Hörschnecke.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Ist das Ergebnis des Hörscreenings unauffällig, kann eine Hörstörung weitgehend ausgeschlossen werden. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet aber noch nicht, dass das Kind schlecht hört. Deshalb werden die Babys nachuntersucht. Nur etwa eins von 30 bis 40 Kindern, die beim Screening auffällig sind, haben dann tatsächlich eine Hörstörung.

Zwei bis drei von 1 000 Kindern sind von einer angeborenen Hörstörung betroffen. Erkältungen, akute Mittelohrentzündungen oder eine vergrößerte Rachenmandel können aber auch später noch Hörstörungen verursachen. Deshalb sollten die Eltern immer mal wieder die Hörfähigkeit ihres Kindes prüfen, rät Jagemann. Reagiert es bei plötzlichen lauten Geräuschen? Dreht es – etwa ab dem sechsten Monat – den Kopf, wenn Mama oder Papa etwas sagen?

Circa 16 Millionen Schwerhörige gibt es in Deutschland. Bei den unter 20-Jährigen sind ein Prozent davon betroffen, bei den 50- bis 59-Jährigen bereits 25 Prozent und bei den über 70-Jährigen mehr als die Hälfte. In den meisten Fällen wird Schwerhörigkeit also im Laufe des Lebens erworben und ist damit vor allem eine Alterserscheinung. Sie kann aber auch Folge einer Erkrankung oder einer starken Lärmbelastung sein. Lärmschwerhörigkeit ist in Deutschland die häufigste Berufskrankheit.

Wer Grillen nicht mehr zirpen hört, Gesprächen nur noch schlecht folgen kann und Radio oder Fernseher immer lauter stellt, sollte sich bewusst werden: Die Hörfähigkeit hat stark nachgelassen. Zeit für ein Hörgerät ...