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Montag, 12.02.2018

Rietschens Feuerwehrchef schlägt Alarm

Es fehlen Einsatzkräfte. Das Problem ist nicht neu. Doch auch eine Briefaktion der Gemeinde brachte gar nichts.

Von Carla Mattern

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Der amtierende Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Rietschen, Bernd Weise, steht im Umkleideraum des Gerätehauses. Hier warten mehrere Umkleidespinde auf neue Nutzer. Sie werden dringend benötigt, um Einsatzbereitschaft vor allem tagsüber abzusichern.
Der amtierende Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Rietschen, Bernd Weise, steht im Umkleideraum des Gerätehauses. Hier warten mehrere Umkleidespinde auf neue Nutzer. Sie werden dringend benötigt, um Einsatzbereitschaft vor allem tagsüber abzusichern.

© Jens Trenkler

  • Der amtierende Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Rietschen, Bernd Weise, steht im Umkleideraum des Gerätehauses. Hier warten mehrere Umkleidespinde auf neue Nutzer. Sie werden dringend benötigt, um Einsatzbereitschaft vor allem tagsüber abzusichern.
    Der amtierende Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Rietschen, Bernd Weise, steht im Umkleideraum des Gerätehauses. Hier warten mehrere Umkleidespinde auf neue Nutzer. Sie werden dringend benötigt, um Einsatzbereitschaft vor allem tagsüber abzusichern.
  • Blick auf den sanierungsbedürftigen Giebel des Rietschener Gerätehauses.
    Blick auf den sanierungsbedürftigen Giebel des Rietschener Gerätehauses.

Rietschen. Bernd Weise ist noch gar nicht offiziell wieder in Amt und Würden, da schlägt er schon Alarm. Der 60-Jährige war bereits zehn Jahre Wehrleiter in Rietschen, musste dann aber krankheitsbedingt aufhören. Für zwei Jahre übernahm Gisbert Gahner das verantwortungsvolle Amt. Jetzt standen zur Jahreshauptversammlung bei der Rietschener Ortswehr wieder Neuwahlen auf der Tagesordnung. Vorab hatte sich jedoch niemand als Bewerber für das Amt gefunden. In diesem Fall darf jeder wahlberechtigte Feuerwehrmann beziehungsweise jede Feuerwehrfrau den Namen einer aus ihrer Sicht geeigneten Person auf die Liste schreiben. „Mein Name stand am häufigsten auf der Liste“, berichtete jetzt Bernd Weise den Gemeinderäten – und dass er das Amt antreten wolle.

Obwohl die offizielle Bestätigung und Ernennung für Bernd Weise als Wehrleiter durch den Gemeinderat noch aussteht, sprach er jetzt vor den Gemeinderäten in der Februarsitzung Probleme an, die für die ehrenamtlichen Retter von der Ortswehr Rietschen wie für die Gemeinde Rietschen und ihre Einwohner drückend sind.

Die Zahlen, die Bernd Weise nennt, erschrecken. Als der Rietschener im Jahr 2000 zum Wehrleiter gewählt wurde, gehörten zur Ortswehr Rietschen 44 Kameraden, 29 davon zur aktiven Abteilung. 2018 zählt die Rietschener Wehr 29 Kameraden plus einen Feuerwehrmann auf Probe. Nur noch 16 davon sind aktiv, zwei davon aber zurzeit langzeitkrank. Von den 14 Kameraden, die bei einer Alarmierung also tatsächlich ausrücken können, sind nur wenige über 30, die meisten sind bereits über 50 Jahre alt. „Es ist damit eigentlich schon nicht mehr machbar, unsere drei Fahrzeuge zu besetzen, das Hilfelöschfahrzeug, den Tanker und den Einsatzleitwagen“, sagt Bernd Weise.

Wilfried Reckusch bestätigt die Zahlen und Aussagen von Bernd Weise. Als Gemeindewehrleiter ist er für alle fünf Ortswehren in Rietschen zuständig, für die Rietschener, die Daubitzer und die Teichaer Wehr sowie die Wehren in Neuliebel und Hammerstadt. „Allein Rietschen braucht noch zwölf Kameraden“, sagt Wilfried Reckusch. Die Einsatzbereitschaft vor allem tagsüber ist oft nicht gegeben. Die Gründe, warum so viel weniger Feuerwehrleute bereitstehen, sind vielfältig, wie etwa Wegzug oder gesundheitliche Probleme.

Doch eine Briefaktion der Gemeinde Rietschen brachte nicht einen Neuzugang. „Das ist vollständig ins Leere gegangen“, sagt Bürgermeister Ralf Brehmer. Rietschen müsse intensiv daran arbeiten, neues Personal zu bekommen. Jeder Neue und jede Neue, die sich im Einwohnermeldeamt als Rietschener anmeldet, soll direkt auf eine Mitarbeit in der Feuerwehr angesprochen werden, nennt der Bürgermeister eine Möglichkeit, zusätzliche Feuerwehrleute zu gewinnen.

Ob das viel nützt? Insider haben ihre Zweifel. Auch Plakataktionen vom Freistaat haben nicht die Wirkung erzielt und den Feuerwehren den Zulauf gebracht wie vorab erwartet. Doch es geht bei den Feuerwehren eben nicht um ausreichend Ersatzspieler wie in einem x-beliebigen Sportverein. Es geht um eine Kernaufgabe der Kommune – für die Sicherheit ihrer Einwohner zu sorgen. Gemeindewehrleiter Wilfried Reckusch fragt sich deshalb, wie Werbung für die Feuerwehr aufgebaut sein muss. Dass es ein generelles Problem und kein für Rietschen spezifisches ist, das weiß er nur zu gut. „Was schafft die Kommune für Anreize, um Bürger zu begeistern, bei der Feuerwehr mitzumachen?“ fragt Wilfried Reckusch. Deshalb ist er der Meinung, dass die Gemeinde mehr aus dem machen muss, was da oder möglich ist. Beispielsweise zahle Rietschen schon seit Jahren für neue Feuerwehrleute auf Gemeindekosten den Lkw-Führerschein. Aber nur mit Geld sei Feuerwehrarbeit auch nicht festzumachen, sagt der Gemeindewehrleiter. Die Ausbildung müsse beispielsweise interessant gestaltet werden.

Aber auch die Bedingungen in den Gerätehäusern müssen stimmen, fordert Bernd Weise. Der Giebel am Gerätehaus müsse saniert werden, die Kameraden würden auch mithelfen, bietet er an. Auch der große Raum im Gerätehaus müsse renoviert werden.

Das Thema Tagesbereitschaft wird auch auf der Hauptversammlungen aller Ortswehren in Rietschen eine Rolle spielen. Vielleicht ist eine gemeinsame Tageseinsatzbereitschaftsgruppe aus allen Wehren ein Lösungsansatz. Die gerade neu gewählte Daubitzer Wehrleiterin Jeannette Hänchen und Feuerwehrmann Arne Püschel aus Teicha haben jedenfalls bereits Einsatzuniformen auch im Rietschener Gerätehaus hängen.