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Montag, 24.10.2011

Riesaer fürchten illegale Tierfänger

In Weida gibt es Gerüchte über verschwundene Katzen und Warnungen an die Bevölkerung. Rathaus und Polizei wissen nichts davon.

Von Thomas Riemer

Tierschützer in Riesa machen derzeit gegen angebliche illegale Tierfänger in der Stadt mobil. In Weida, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, sollen in den letzten Tagen mehrere Katzen spurlos verschwunden sein. In der Bäckerei Schneider am Humboldtring gehört das Thema längst zum Ladengespräch. Dort haben die Betreiber deshalb vorsorglich ein Plakat an die Scheibe der Ladentür geklebt.

„Aufgrund des Verschwindens mehrerer Katzen in den vergangenen Wochen ist davon auszugehen, dass sich Tierfänger von Zeit zu Zeit in dieser Gegend aufhalten“, heißt es darauf. Und die Bewohner tuscheln, dass wohl vor ein paar Tagen im Raum Leipzig eine Jacke aus Katzenfell für 500 Euro zum Kauf angeboten wurde, obwohl es seit 2009 verboten sei, Katzenfelle zu verarbeiten.

Katzen werden in Fallen gelockt

Auch Gunter Spies hat von den Befürchtungen gehört – und geht deshalb abends oft etwas später noch einmal auf die Straße „und schaut auch mal nach links und rechts“. Ziel seiner „Extrarunden“ sind zum Beispiel Sammelbehälter in den Wohngebieten. Dort schaue er nach, „ob nicht dahinter eine Plaste- oder Metallbox mit Lockstoff steht“. Denn das Prozedere der Tierfänger sei oft relativ simpel. „Die Behälter werden abends aufgestellt, innen ist der Lockstoff. Die Katzen klettern rein und kommen nicht mehr raus. Noch bevor es hell ist, werden die Behälter wieder eingesammelt“, vermutet Spies. Er selbst ist sowohl Hunde- als auch Katzenbesitzer und geht mittlerweile mit beiden Tieren spazieren, um wirklich auf der sicheren Seite für seine Vierbeiner zu sein.

Denn er mag sich nicht vorstellen, was mit den gefangenen Tieren passieren könnte. Fellverarbeitung sei die eine Seite, aber auch mögliche Tierversuche – etwa zur Erprobung von bislang nicht zugelassenen Medikamenten –schließt Spies nicht aus.

Tierschutzorganisationen verbreiten deshalb auf ihren regelmäßigen Warntouren ganz spezielle Hinweise. Bewohner sollten Kombis, Kasten- und Lieferwagen mit Kennzeichen, die nicht aus der Region stammen, besondere Aufmerksamkeit schenken. Vor allem, wenn deren Seiten- und Heckscheiben durch Folien oder Vorhänge undurchsichtig gemacht wurden. Bevorzugte Orte des Auslegens der „Köder“ seien Park- und Spielplätze, aber zum Beispiel auch Friedhöfe. Futterreste, kleine Futterschalen oder auch getränkte Papiertücher könnten Zeichen sein, dass die Fänger auf Achse seien. Bei Bedarf solle man dann die Polizei informieren.

Den Beamten sind derzeit keine Anzeigen wegen verschwundener Tiere aus Riesa bekannt, sagt Wolfgang Kießling, Sprecher der Polizeidirektion Oberes Elbtal-Osterzgebirge. Mit solchen Warnungen, wie im geschilderten Fall, hätten die Behörden seiner Meinung nach etwa drei bis vier Mal im Jahr zu tun – konkrete Meldungen über Tierdiebstahl aber gebe es nicht.

Auch das Riesaer Rathaus hebt die Hände. „Es gibt in der Stadtverwaltung Riesa keine aktuellen Hinweise auf illegale Tierfänger. Auch Diebstahlmeldungen sind nicht bekannt“, so Rathaussprecher Uwe Päsler auf Anfrage der SZ. Gleiches gelte für Warnhinweise. Deshalb gebe es bislang auch keinerlei Reaktionen der Stadt. Im Bedarfsfall würde man sicherlich die Medien dazu nutzen, so Päsler.

Das Unterbinden oder gar Verbieten von Sammelaktionen ist freilich eine zweischneidige Sache. „Sammelaktionen müssen der Stadt grundsätzlich nicht mitgeteilt werden, da sie nicht genehmigungspflichtig sind“, heißt es in der Rathausinformation. Das gelte im Übrigen auch für Plakatierungen, sofern sie nicht den öffentlichen Verkehrsraum betreffen, zum Beispiel Straßenlaternen. Anderenfalls werde das Ordnungsamt den Sachverhalt prüfen.

Anzeige wird empfohlen

Gunter Spies wünscht sich daher – wie wohl viele andere Tierfreunde auch – einen wachen Blick und gegebenenfalls auch Zivilcourage der Bürger, wenn sie Verdacht schöpfen oder tatsächlich Tiere spurlos verschwinden. Für letzteren Fall ist die Empfehlung der Tierschützer eindeutig: Dann sollte unbedingt Anzeige bei der Polizei erstattet werden.