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Revolte der Tabakhändler

In drei Jahren soll das Päckchen Zigaretten in Frankreich zehn Euro kosten. Die Verkäufer fürchten um ihre Existenz – und kritisieren den Anstieg der Parallelmärkte.

07.10.2017
Von Birgit Holzer, SZ-Korrespondentin in Paris

er Tabakhändler
Die Zigarette war häufiges Accessoire im Film – wie hier bei Alain Delon als Inspektor Roger Borniche in der „Flic Story“ von 1975.

Vornehm zwischen die Finger geklemmt, als Accessoire lässiger Eleganz, diskret qualmend: In keinem alten französischen Film darf sie fehlen – die Zigarette. Von Jeanne Moreau über Catherine Deneuve bis Alain Delon, sie alle rauchten in früheren Streifen nonchalant, ganz selbstverständlich. Auch in heutigen Zeiten der Nichtraucherzonen zeigen die Scharen der Qualmer vor Pariser Cafés, dass die Franzosen der Zigarette noch nicht abgeschworen haben, deren Hersteller mitunter lockende Werbesprüche benutzen, die immer noch in den Köpfen der Menschen hängen geblieben sind, à la: „Liberté toujours“ – „Für immer Freiheit“.

Die französische Regierung hingegen möchte die Tabaksucht bekämpfen und setzt am Preis an: In den nächsten Jahren, hat Gesundheitsministerin Agnès Buzyn angekündigt, wird dieser schrittweise erhöht, sodass er bis 2020 zehn Euro pro Schachtel betragen soll und damit noch deutlicher über dem europäischen Durchschnitt liegen wird als ohnehin schon. Der Mindestpreis steigt Anfang November in einem ersten von sechs Erhöhungsschritten von 6,61 Euro pro Päckchen auf 7,33 Euro. Der allmähliche Anstieg „erlaubt den Leuten, sich vorzubereiten, Mittel zu finden, um mit dem Rauchen aufzuhören“, erklärte Buzyn optimistisch.

Doch die Entscheidung der Regierung, die einem Wahlkampfversprechen von Präsident Emmanuel Macron folgt, bringt nicht nur die Freunde der Glimmstängel auf, sondern auch jene, die von ihrem Verkauf leben. In Frankreich sind es die Tabakhändler, die in kleinen Läden neben Zeitungen und Zeitschriften, Lotto-Spielen und Losen auch Zigaretten anbieten – und nun eine weitere Verschlechterung ihrer ohnehin schon schwierigen (Über-)Lebensbedingungen befürchten. Jedes Jahr, so klagen sie, müssten bereits 500 bis 1 000 der landesweit rund 24 860 Kioske schließen.

Nachdem die nationale Vereinigung der Tabakhändler in dieser Woche mit einem Autokorso teilweise die Zufahrt zu Paris aus dem Südosten sowie der Stadtautobahn blockiert hatte, fuhren ihre Mitglieder zum Gesundheitsministerium im Stadtzentrum, um auf ihre existenzbedrohende Situation hinzuweisen. Bei der Maßnahme handle es sich um einen „Schock, der eine Explosion des Parallelmarktes um 35 Prozent des Konsums nach sich ziehen wird“, warnte Pascal Montredon, Präsident der Vereinigung. Die Entscheidung sei ohne Abstimmung mit der Branche gefallen, die längst unter illegaler Konkurrenz aus anderen Ländern, vor allem Belgien und Andorra, leide. Diese mache bereits 27,1 Prozent des Zigarettenhandels in Frankreich aus. 5 000 Tabakläden im ganzen Land seien von der Schließung bedroht, wenn mehr als ein Drittel aller Päckchen an den Grenzen, im Internet oder auf der Straße gekauft würden, sagte Montredon.

Seine Branche schlage Gesundheitsministerin Buzyn eine Aufschiebung des Preisanstieges vor und im Gegenzug Aufklärungskampagnen, vor allem fordere sie aber einen effizienten Kampf gegen den Parallelmarkt an den Grenzen und an Orten, wo Schwarzhandel betrieben wird.