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Samstag, 19.03.2016

Rettungsversuch mit Panzern

Noch wird Salz aus dem liegengebliebenen Schiff gesaugt. Am Montag beginnt eine heikle Mission an der Albertbrücke.

Von Sandro Rahrisch und Felix Keßler

7 Der Frachter am Freitag

Riesige Salzberge werden am Freitag auf Container geladen, für den Transport breitgeschaufelt und anschließend in den Alberthafen gebracht.
Riesige Salzberge werden am Freitag auf Container geladen, für den Transport breitgeschaufelt und anschließend in den Alberthafen gebracht.

© Sven Ellger

Dresden. Zum ersten Mal, seitdem das Frachtschiff „Albis“ gegen die Albertbrücke getrieben ist, schöpft das Bergungsteam am Freitagmorgen so etwas wie Hoffnung. Der leistungsstarke Sauger hat es geschafft, rund 80 Tonnen Salz aus dem Frachtraum zu holen. Mehr als 700 Tonnen liegen zu diesem Zeitpunkt zwar noch vor ihm. Doch der Versuch, das Schiff zu entladen, war schon einmal gescheitert, weil die Kristalle an der feuchten Nachtluft verklumpten und schließlich kaum ein Körnchen Salz mehr durch die Schläuche rieselte.

Der Frachter am Freitag

Das Dresdner Schifffahrtsamt versucht alles, um den Frachter leichter zu machen. Das ist nötig, damit das Schiff überhaupt geborgen werden kann. Denn erst, wenn der Rumpf nicht mehr so tief in der Elbe steckt, drückt weniger Wasser gegen das Schiff und es kann endlich von den Sandsteinpfeilern weggezogen werden. Der zweite Anlauf, er klappt so gut, dass am Freitagmorgen ein weiterer Saugbagger an der Uferkante parkt und seinen Rüssel in den Frachtraum steckt. Mit doppelter Kraft ist das Schiff am Mittag bereits um 120 Tonnen leichter. Pro Tagen sollen beide zusammen um die 200 Tonnen schaffen.

Wie lange es dauert, bis alles Salz verschwunden ist, darauf will sich Karsten Wild vom Schifffahrtsamt aber nicht festlegen. Auf jeden Fall soll die Aktion am Samstag noch einmal immens beschleunigt werden. Am Vormittag wird ein Schwimmbagger aus dem tschechischen Melnik in Dresden eintreffen. Dieser schaufelt die Ladung der „Albis“ auf zwei ebenfalls herbeigerufene Frachtschiffe. Die Verstärkung war ursprünglich für Freitagabend erwartet worden. Wegen Verzögerungen wie dieser plant das Krisenteam etwas großzügiger und will erst am Montag einen neuen Schleppversuch starten.

An Land werden nach SZ-Informationen zwei Bergepanzer postiert. Offiziell ist von Kettenfahrzeugen die Rede. Auf der Elbe ziehen Schlepper das havarierte Schiff. Weil die Stahlseile dabei unter hoher Spannung stehen, werden umfangreiche Sperrungen im Bereich der Albertbrücke und der beiden Elbufer notwendig, erklärt Karsten Wild die schwierige Mission. Auf diesen Plan haben sich die Feuerwehr, das Schifffahrtsamt und die tschechische Reederei EVD verständigt. Statiker haben zuvor berechnet, ob der Frachter dieser Belastung standhält. Bereits am Dienstag waren zwei Befreiungsversuche gescheitert, damals allerdings noch mit vollem Frachtraum.

Wild spricht von der schwersten Schiffshavarie auf dem sächsischen Abschnitt der Elbe seit 1978. Damals hatte sich ebenfalls ein Güterschiff quergelegt, allerdings gegen die Marienbrücke. Die Bergung jetzt sei sehr schwierig. Denn die „Albis“ versperrt die Brückenbögen so, dass deutsche Schlepper nicht herankommen und Technik aus dem Nachbarland angefordert werden muss.

Zunehmend Probleme bereitet die Havarie dem Alberthafen. „Die Schiffe aus Tschechien kommen nicht durch, dementsprechend leer ist es bei uns“, sagt Betriebsleiter Frank Thiele. Bei ihm wird das abgesaugte Salz zwischengelagert. Thiele befürchtet nun, dass die Sperrung noch andauern könnte, wenn die „Albis“ längst geborgen ist. Denn durch die Umströmungen des Schiffsrumpfes könnte auch das Flussbett verändert worden sein.

Die Sächsische Dampfschifffahrt, die wegen der Trockenheit im letzten Sommer schon nicht ablegen konnte, nimmt es etwas gelassener. Noch gelte der Winterfahrplan und die Schiffe seien nur am Wochenende unterwegs, sagt Sprecher Robert Rausch. „Ansonsten würde uns das deutlich härter treffen.“ Statt elbaufwärts in Pillnitz wird jetzt flussabwärts in Radebeul angelegt. Und die Stadtrundfahrt macht einfach vor der Albertbrücke kehrt. Bislang habe nur eine Reisegruppe wegen der Havarie abgesagt, so Rausch. Große wirtschaftliche Einbußen werden nicht befürchtet. Viel eher fühle man mit dem jungen Kapitän. Immerhin: Die mobile Einsatzleitzentrale, die sich in den vergangenen Tagen am Kollwitz-Ufer niedergelassen hatte, wird am Sonnabend Platz für die Trödler des Elbeflohmarktes machen und ein paar Meter weiter parken.

Donnerstag: Neuer Sauger, neuer Versuch

So berichtet sz-online dazu: Vor Samstag ist Dresden das Salz-Schiff nicht los

Mittwoch: Vorbereitung des ersten Bergungsversuchs

So berichtet sz-online dazu: Bergung des Frachters wird zur Plage

Montag und Dienstag: Frachter steht quer vor der Brücke

So berichtet sz-online dazu: Frachter hängt quer vor der Alberbrücke

Leser-Kommentare

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Insgesamt 7 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Thomas Gröger

    Was das wieder kostet! ??

  2. Grünpiss

    Mit Panzern auf die geschützten Elbwiesen?? Das geht garnicht!! Was, wenn die da die Larven des Wachtelkönigs überrollen? Haben die dafür eigendlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung bestanden??

  3. mino

    geld und nerven? Blöde Frage

  4. @2.

    Grüne Liga - bitte SOFORT klagen!!

  5. Aleister Crowley

    #1: Das dürfte die Haftpflichtversicherung des Schiffseigners bezahlen.

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