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Freitag, 25.11.2016 02:00 Uhr

Retter sind auch nachts im Einsatz

Um 2 Uhr morgens erscheint die Ruhe trügerisch in der Rettungswache Bautzen. Der Alarm lässt nicht lange auf sich warten. Über den Meldeempfänger ruft die Zentrale Rettungsleitstelle zum Einsatz. Die Mitarbeiter steigen in den Rettungswagen und fahren los. Den genauen Einsatzort erfahren sie unterwegs. Ebenso, was sie dort erwartet. „Das kann ein Verkehrsunfall oder ein Herzinfarkt sein. Am Wochenende werden die Mitarbeiter nachts auch zu Schlägereien oder alkoholisierten Patienten gerufen“, erklärt Tino Eichelberger, der Leiter des Rettungsdienstes beim DRK-Kreisverband in Bautzen. Tagsüber kann ein Arbeitsunfall Grund für einen Einsatz sein oder wenn jemand beim Einkaufen umgefallen ist. Anhand der Indikation hat die Rettungsleitstelle bereits einen Notarzt hingeschickt. Ein Katalog legt in Sachsen fest, in welchen Fällen das erforderlich ist. Mitunter stellt sich erst beim Eintreffen der Retter heraus, dass es besser wäre, einen Notarzt zu rufen, dann wird dieser vom Teamführer angefordert.

Etwa ein Drittel der Einsätze erfolgt nachts. Da ist zwar kaum Verkehr, aber die Dunkelheit hat ihre Tücken. Wegen Baustellen gesperrte Straßen sind ein großes Problem. Zudem ist in vielen Orten nachts die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet. Das erschwert die Orientierung ebenso wie fehlende Straßenschilder oder Hausnummern und unbeschriftete Klingelschilder. Mitunter hat der Anrufer bei der Rettungsleitstelle zu ungenaue Ortsangaben gemacht. All das verzögert das Eintreffen der Rettungskräfte und ist besonders ärgerlich, wenn wie im Falle eines Herzinfarkts jede Minute zählt. Tino Eichelberger empfiehlt deshalb Angehörigen, die nachts den Rettungsdienst rufen, sich am besten an der Straße bemerkbar zu machen.

Fehlalarme, wie sie gelegentlich Feuerwehren beklagen, gibt es beim Rettungsdienst im Landkreis glücklicherweise kaum. Allerdings stellt sich bei manchem Einsatz vor Ort heraus, dass die Verschlechterung des Gesundheitszustandes eines Patienten nicht so drastisch ist wie zunächst angenommen. Die Zahl der Einsätze steigt, bei denen der Notarzt gerufen wird, obwohl der Hausbesuchsdienst zuständig wäre. Es sei vor allem den immer weniger werdenden Ärzten auf dem Lande geschuldet, benennt Tino Eichelberger als eine Ursache dafür. Das sollte aber niemanden davon abhalten, bei Verdacht auf einen Notfall den Notarzt zu rufen. Eben weil bei Schlaganfall oder Herzinfarkt die schnelle Hilfe über das Leben und gesundheitliche Folgeschäden für den Patienten entscheidet.

Wenn nötig werden die Patienten oder Verletzten in die Krankenhäuser der Oberlausitz-Kliniken gebracht, unter Umständen kann aber auch ein Transport in eine Klinik nach Dresden erforderlich sein. Wenn der Rettungswagen zurück auf den Hof der Wache rollt, ist die Arbeit noch nicht getan. „Das Fahrzeug muss gereinigt und desinfiziert, Medikamente und Verbrauchsmaterialein aufgefüllt werden“, erklärt Tino Eichelberger. Und dann wartet auch noch Büroarbeit. Für die Abrechnung sind die Daten des Einsatzes in den Computer einzugeben. Trotz ihrer professionellen Distanz geht nicht jeder Einsatz spurlos an den Rettungskräften vorüber. Schwerstverletzte Unfallopfer oder wenn Kleinkinder betroffen sind, das belastet sie emotional.

Im Auftrag des Landkreises Bautzen betreibt der DRK-Kreisverband die Rettungswachen in Bautzen, Bischofswerda, Kirschau, Neukirch, Königswartha und Weißenberg sowie zwei in Kamenz und eine in Königsbrück. Rechnet man alle zusammen stehen in den Nachtstunden in den Rettungswachen des DRK zwölf Rettungswagen mit insgesamt 24 Mann Besatzung bereit. Dazu die Fahrzeuge für die Notärzte. Tagsüber sind es noch einige mehr. Derzeit sind fünf Azubis in Bautzen und drei in Bischofswerda dabei. Bewerbungen gebe es einige, aber nicht jeder sei für die Ausbildung und den anschließenden Job tatsächlich geeignet, sagt der Leiter des Rettungsdienstes.

Jeweils in Zwölf-Stunden-Schichten sind die Rettungsassistenten, Sanitäter und seit 2014 auch Notfallsanitäter im Dienst. Tagsüber gibt es zwischen den Einsätzen auch etliches anderes zu tun, werden beispielsweise Verfallsdaten kontrolliert oder die Fahrzeuge routinemäßig anhand von Checklisten überprüft. In der Nachtschicht haben die Mitarbeiter Bereitschaft. Sie können in der Rettungswache Fernsehen schauen, lesen oder etwas ruhen. Aber immer auf dem Sprung. Constanze Knappe

DRK Kreisverband Bautzen e.V. | Rettungsdienst

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03591 673725 oder 501262 | 03591 501262 | 0174 9041548

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