sz-online.de | Sachsen im Netz

Retter proben fürs Hochwasser

23 Rettungsschwimmer stürzten sich am Wochenende in die Talsperre Malter. Ihr Ziel: Leben zu retten, wenn es ernst wird.

09.03.2014 Von Verena Weiß

Bild 1 von 3

oben fürs Hochwasser
Trotz der Neoprenanzüge war das Schwimmen in der Talsperre Malter am Sonnabend für die Teilnehmer der Rettungsübung im wahrsten Sinne des Wortes ein Sprung ins kalte Wasser. Da halfen auch die Neoprenanzüge zunächst nicht viel, sondern es galt die Devise: Zähne zusammenbeißen und durch. Foto: Egbert Kamprath

Zweimal holt sie Schwung. „Achtung, Seil“, brüllt Tina Märker ihrem Kollegen zu, dann lässt sie den Wurfretter los. Und hepp – in hohem Bogen fliegt der kleine Stoffsack samt Seil über den Ertrinkenden, der packt zu – gerettet.

Zum Glück war das nur eine Übung, eine ziemlich trockene dazu. Bevor es ins etwa fünf Grad kühle Nass der Malter geht, muss die Wurftechnik stimmen. Und die ist gar nicht so einfach. Denn was am trockenen Ufer noch ganz leicht aussieht, wird im Wasser zur Herausforderung. Vor allem dann, wenn es tatsächlich um Leben oder Tod geht.

„Die Strömung wird unterschätzt“, weiß Martin Zavesky. Er ist Kreisleiter der Wasserwacht Dresden des Deutschen Roten Kreuzes. Zusammen mit ihren Kollegen der DRK-Kreisverbände Aue-Schwarzenberg, Döbeln-Hainichen und der DRK-Wasserwacht der Ortsgruppe Freital üben die Dresdner an diesem Wochenende in dem beliebten Badeparadies den Ernstfall. Die Mission: 23 Rettungsschwimmer aus ganz Sachsen für die Fließwasserrettung auszubilden, hier im Internationalen Ausbildungs- und Trainingszentrum für Wasserrettung in Paulsdorf.

Eine Ausbildung, die es in dieser Form erst seit 2009 gibt, erklärt Martin Zavesky. Hintergrund sind die Erfahrungen des Hochwassers 2002. Solche extremen Wetterbedingungen würden zunehmend den Einsatz spezieller Rettungskräfte erfordern. „Das sind nicht nur für Betroffene, sondern auch für Rettungskräfte absolute Ausnahmesituationen“, sagt Zavesky.

Wie stark Rettungskräfte in solchen Momenten gefragt sind, weiß der Dresdner aus eigener Erfahrung. Erst im Juni vorigen Jahres war er entlang der Elbe im Einsatz. Das Projekt Wasserrettungstrupp der DRK- Wasserwacht, das nun schon zum fünften Mal stattfindet, dient deshalb dazu, sogenannte Fließwasserretter auszubilden, die für den Einsatz in Hochwassergebieten und strömenden Gewässern geschult sind. Die Ausbildung zum Bademeister oder Rettungsschwimmer allein reiche dafür nicht aus. Wer sich zum Fließwasserretter ausbilden lässt, der habe bereits Qualifikationen im Rettungsschwimmen, Sanitätswesen und Funk erworben, erklärt der Kreisleiter.

Allerdings ist es auch eine Ausbildung, die die Rettungsschwimmer nicht nur an ihrem gesamten freien Wochenende auf sich nehmen. Die anstehenden Tests – die samt Neoprenanzug, Auftriebsweste und Helm absolviert werden müssen – verlangen den Männern und Frauen auch einiges ab. „Man muss belastbar sein, nicht nur körperlich“, sagt Martin Zavesky. Denn in Extremsituationen wie Hochwasser zähle nicht nur Fitness, sondern auch Konzentration und Nervenstärke.

Seit kurz nach 8 Uhr sind die angehenden Fließwasserretter an der Malter, werden in die Funktion ihrer Ausrüstung eingewiesen und müssen nach Theorie und Trockenübung schließlich selbst ins Nass. „Jetzt wird es Zeit“, sagt Tina Märker, die bei der DRK-Wasserwacht in Freital aktiv ist. Ihr Ziel, nun noch die Ausbildung zum Fließwasserretter zu schaffen, steht fest, auch wenn sie weiß, dass es „nicht ganz ohne“ ist. „Meine Eltern sind auch Rettungsschwimmer“, erklärt sie ihre Ambitionen für dieses anspruchsvolle Ehrenamt, „da rutscht man halt mit rein.“

Endlich, es geht los. So schnell sie können, laufen alle Teilnehmer in kompletter Ausrüstung in die Malter – kein angenehmes Gefühl, auch nicht im Neoprenanzug. „Wenn das Wasser an den Körper kommt, wird es richtig kalt“, erklärt Martin Zavesky. Erst dann erwärme sich der Anzug durch die Körpertemperatur. Der Anstrengung tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die komplette, rund 700 Euro teure Ausrüstung ist zwar lebensnotwendig, trägt aber auch dazu bei, dass sich die Retter schwerer bewegen können.

Das macht sich bemerkbar. Den 1,5 Kilometer langen Schwimm- und Laufparcours haben die angehenden Fließwasserretter gemeistert, die Schnellsten sogar in elf Minuten. Doch Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht. Anschließend ist ihre Kraft bei Klimmzügen, Liegestützen, Standweitsprung und Sit-ups gefragt. „Ganz schön anstrengend“, resümiert Philipp Bachmann von der Ortsgruppe Freital der DRK-Wasserwacht geschafft, aber zufrieden.

Feierabend ist aber noch lange nicht. Spät abends müssen die angehenden Fließwasserretter noch zu einer nächtlichen Übung. Dann wird in völliger Dunkelheit trainiert, vermisste Personen zu finden und zu retten, auch gegen die Strömung. Wer das alles schafft, erhöht nicht nur das Einsatzpotenzial seiner heimischen Wasserwacht, sondern weiß auch, was er zu tun hat, wenn ein Leben in Gefahr ist.