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Mittwoch, 04.10.2017

Retter in Sicht

Das Grillenburger Schlossareal wird bald verkauft. Die Tharandter hoffen nun auf eine Wiederbelebung des Denkmals.

Von Verena Schulenburg

Was wird aus dem Schloss Grillenburg? Noch in diesem Jahr soll eine Entscheidung fallen.
Was wird aus dem Schloss Grillenburg? Noch in diesem Jahr soll eine Entscheidung fallen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Tharandt. Es ist still ums Schloss. Das herrschaftliche Anwesen wartet schon länger inmitten der idyllischen Grillenburger Teichlandschaft auf seinen Retter. Alle Zukunftspläne, die sich bisher um das Denkmal drehten, blieben unerfüllte Träume. Zuletzt auch die Absicht, dass die Landesstiftung für Natur und Umwelt (Lanu) ab Januar 2017 ins Schloss zieht. Noch immer stehen die prominenten Gemäuer leer.

Nun gibt es endlich ernstzunehmende Hoffnung für das verschlafene Schlossareal. Ein Prinz scheint in Sicht zu sein, der sich der alten Dame annimmt. Eine Entscheidung dazu soll noch dieses Jahr bekannt gegeben werden, wie Stephan Gößl vom sächsischen Finanzministerium. Vielleicht auch schon in Bälde.

Der Freistaat besitzt das lange als forstwissenschaftliche Einrichtung der TU Dresden genutzte Jagdschloss samt Nebengebäude. Der Stadt Tharandt gehört das Neue Jägerhaus, die dazugehörige Kegelbahn, das Hundezwingerhaus und das Gärtnerhaus. Um das Gebäudeensemble als Ganzes an den Mann zu bringen, starteten die Forststadt und der Freistaat eine gemeinsame Vermarktungsinitiative. Rund 30 Bewerber sollen den herrschaftlichen Gemäuern seither den Hof gemacht haben. Der Freistaat Sachsen, vertreten durch den Staatsbetrieb Zentrales Flächenmanagement, habe zuletzt auch gemeinsam mit der Stadt Tharandt mehrere Gespräche und Verhandlungen mit einem kleinen Kreis von Kaufinteressenten geführt, so Gößl. Einige Interessenten scheinen vielversprechend zu sein, die Gespräche zielführend. Das geschichtsträchtige Schlossareal soll bald den Besitzer wechseln.

Nur was hat der künftige Schlossherr vor mit seiner neuen Residenz? Fest steht: Bevor überhaupt wieder Leben ins Schloss ziehen kann, müssen die alten Gemäuer saniert werden. Diese wurden in den vergangenen Jahren immer nur notdürftig geflickt. Die Unterhaltung des Schlossareals erwies sich als zu kostspielig – erst recht eine komplette Sanierung.

Viel Geld erforderlich

Ein finanzkräftiger Schlossherr muss also her. Darauf setzen auch Stadt und Freistaat. Für sie „sind vor allem die Nutzungsabsichten, die Investitionsbereitschaft und die Solidität des Käufers sowie die Finanzierungssicherheit des Investitionsvorhabens maßgeblich“, erklärt Stephan Gößl. Was der vielversprechende Retter mit dem Schlossareal plant, könne oder wolle man aber noch nicht sagen. Ob und inwieweit das Areal auch nach dem Verkauf öffentlich zugänglich bleibt, hänge vom Vorhaben des Käufers ab.

Das ist ein Fakt, auf den vor allem die Tharandter Rathausspitze wert legt. Bei der Auswahl des Käufers werde auch darauf geschaut, ob durch die künftige Nutzung die Entwicklung von Grillenburg gefördert werde und ob sich daraus Impulse für die Stadt Tharandt und die Region ergeben, erklärt Bürgermeister Silvio Ziesemer (parteilos). „In diesem Sinne wäre eine öffentliche oder auch teilöffentliche Nutzung natürlich wünschenswert“, sagt er.

Ob das auch erreicht werden kann, wird sich zeigen. Dass das Schlossareal zugänglich bleibt, würden sich sicher auch die Grillenburger wünschen. Mindestens der Durchgang zum Naturbad und zur Schlosswiese müsse ohnehin gewährleistet bleiben, sagt André Kaiser. Der Grillenburger bemüht sich schon seit Jahren im Stadtrat und als Ortsvorsteher um das Schlossareal in seinem Ort. Nach den vielen Enttäuschungen, die es um die Zukunft des beliebten Ausflugszieles gab, ist er nun zuversichtlich, dass sich bald ein neuer Schlossherr den historischen Gemäuern annimmt. „Da bin ich guter Dinge“, sagt er.