erweiterte Suche
Freitag, 08.12.2017

Restaurant am Neumarkt muss Insolvenz anmelden

Das Piazza Nova hat Probleme, muss aber nicht schließen. Der Hauptgrund ist fehlendes Personal.

Von Julia Vollmer

26

Das Piazza Nova am Neumarkt muss nicht schließen, sucht aber nach einem neuen Betreiber.
Das Piazza Nova am Neumarkt muss nicht schließen, sucht aber nach einem neuen Betreiber.

© Rene Meinig

Uns fehlen Kellner und Köche. Mit dieser Botschaft machten in diesem Jahr schon viele Dresdner Gastronomen auf ihr derzeit größtes Problem aufmerksam– eklatanter Fachkräftemangel. Jetzt trifft das Problem das nächste Restaurant: das Piazza Nova am Neumarkt. Das italienische Restaurant von Geschäftsführer Klaus-Karsten Heidsiek musste Ende November Insolvenz anmelden, bestätigt Martin Dietrich, der vorläufige Verwalter. Heidsiek ist neben Sebastian Roelke auch Geschäftsführer der Villa Marie am Blauen Wunder. Dieser Laden sei aber von der Insolvenz nicht betroffen. „Die Gerüchte, die über eine Schließung im Umlauf sind, stimmen nicht. Unser Betrieb geht ganz normal weiter.“

Da das Restaurant nicht genug Fachkräfte findet, muss es vermehrt Mitarbeiter einkaufen. Die explodierenden Kosten für die Leiharbeiter seien ein Grund für die finanzielle Schieflage. „Es mussten regelmäßig Leihköche und Kellner eingekauft werden, diese kosten schon mal 30 bis 40 Euro die Stunde“, so der Verwalter. Gäste kämen reichlich, das sei kein Grund für die Sorgen. Ein weiterer Grund sei der starke Wettbewerb am Neumarkt. Dort gibt es viele weitere Restaurants.

Die Sorgen rund um die fehlenden Fachkräfte kennt unter anderem auch Sternekoch Stefan Herrmann. Herrmann musste im Frühling ebenfalls Insolvenz anmelden, hier sind aber saisonale Schwankungen im Umsatz der Hauptgrund. Hermann schließt seine Restaurants mittlerweile auch an zwei Tagen pro Woche, um sein vorhandenes Personal zu schonen. Die Restaurants des Schloss Hotels Pillnitz, des Dorinth-Hotels und des Ringhotels Residenz Alt Dresden haben ebenfalls einen Schließtag pro Woche.

Der Mangel an ausgebildeten Köchen und Restaurantfachleuten entsteht am Anfang: bei der kleiner werdenden Zahl an Azubis. Während 2007 noch 629 Azubis in Dresden ihre Lehre zum Koch begonnen haben, waren es 2016 nur noch 189, so Lars Fiehler, Sprecher der Industrie- und Handelskammer. Das weiß auch Siri Leistner, Schulleiterin am Berufsschulzentrum für Gastgewerbe. Während 2011 noch 192 junge Leute ihre Ausbildung zum Restaurantfachmann oder zur -frau und 404 Koch-Azubis anfingen, waren es im Schuljahr 2016/17 noch 106 Kellner und 266 Köche.

Die Belegschaft vom Piazza Nova müsse sich keine Sorgen um ihre Jobs machen, betont Verwalter Dietrich. Es werde ein neuer Betreiber gesucht, der für alle eine Stelle im Unternehmen findet.

Leser-Kommentare

Seite 1 von 6

Insgesamt 26 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Hundling

    Finde ich gut, dass die pleite sind: Lag eher daran, dass die Bedienung schlecht war und die Gäste das gemerkt haben.

  2. Jürgen

    Was in dem Artikel leider fehlt, ist eine Info, was so eine ausgebildete Köchin oder Kellnerin denn normal verdient, wenn sie nicht ausgeliehen wird. Vielleicht ist genau dort die Ursache für das Desinteresse an diesen Berufen zu finden??

  3. Berg

    Immer, wenn ich dort vorbeiging, war es leer - innen und außen. Ein "Nobelresataurant"? Dazu war es eingerichtet wie eine Bahnhofsgaststätte, viel zu viele Plätze auf engstem Raum. Wären diese vollbesetzt und alle würden etwas bestellen..... Also: von vornherein zu groß projektiert. Mein Rat: Abtrennen eines intimen Restaurantbereiches mit höherem Niveau vom Rest mit einfachem Ambiente und kleineren Preisen. "Nobel" weg!

  4. B.

    Tja, wenn man die Leihsklaven zu drei Vierteln des Preises fest anstellen würde... Aber lieber noch etwas über den Mindestlohn und die Bürokratie schimpfen, und dass die Politik was gegen den Fachkräftemangel tun muss.

  5. Henrik

    Von den 30 bis 40 Euro für Leihköchinnen und -köche kommen bei denen doch nur 15 bis 20 Euro an! Man kann nicht einen auf Nobel machen und teuer Essen im Stil eines Schnellimbisses zubereiten. Den Mitarbeitern ist kein Vorwurf zu machen, welche sich für ein paar Kröten abschuften. Normalerweise sollte jeder, der eine fundierte Fachausbildung von 3 und mehr Jahren hat nicht unter 15 bis 20 Euro arbeiten. Man hat schließlich mehrere Jahre einen Beruf erlernt und wird dann abgespeist mit Mindestlohn. Sinnlos - wenn man dann noch mehrere Jobs machen muss und sich nicht auf einen Job sowie Familie konzentrieren kann. Ist aber sicherlich auch so gewollt!?

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 6

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein