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Mittwoch, 27.09.2017

Reihenweise Einbrüche

Die Wohngenossenschaft Lößnitz will wieder ein Radebeuler Polizeirevier und berichtet von einem neuen Ganoventrick.

Von Peter Redlich

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Einbruchsspuren von Stemmeisen.
Einbruchsspuren von Stemmeisen.

© Norbert Millauer

  • Einbruchsspuren von Stemmeisen.
    Einbruchsspuren von Stemmeisen.
  • Wie an der Bertolt-Brecht-Straße 1 sieht es an fast allen Haustüren der Radebeuler Wohnungsgenossenschaft Lößnitz aus – Einbruchsspuren von Stemmeisen.
    Wie an der Bertolt-Brecht-Straße 1 sieht es an fast allen Haustüren der Radebeuler Wohnungsgenossenschaft Lößnitz aus – Einbruchsspuren von Stemmeisen.

Radebeul. Thomas Vetter und Michael Zenker haben eine Liste vor sich liegen, auf der stehen Straßen wie Augustusweg 23, Hermann-Ilgen-Straße 1 c, mehrere Hausnummern der Hohen Straße, die Wilhelm-Eichler-Straße, die Freiligrathstraße. Die beiden Vorstände der Radebeuler Wohnungsgenossenschaft Lößnitz notierten hinter den Straßennamen jeweils ein Datum und eine Tagebuchnummer der Polizei.

Die Notizen betreffen Einbrüche der letzten Wochen in Häuser der Genossenschaft. Zumeist sind es Kellereinbrüche. Die Genossenschaftsmitglieder seien zutiefst verunsichert, schreibt Vetter der SZ.

„Mehrere Hundert Einbrüche und Einbruchsversuche hatten wir in den zurückliegenden Jahren in den WGL-Mehrfamilienhäusern zu verzeichnen. An jeder unserer insgesamt über 160 Hauseingangstüren finden sich Einbruchsspuren“, schreibt der WG-Vorstand. Oft würden einzelne Häuser und Wohngebiete mehrfach heimgesucht; beispielhaft seien hier die Hohe Straße, der Augustusweg, das Dichterviertel und der Bereich Freiligrath-/Brecht-/Meißner Straße genannt.

Gestohlen werden Fahrräder, Schuhe, Einweckgläser. Zumeist offenbar Beschaffungskriminalität, die aber die vorwiegend älteren Bewohner in Angst versetzt.

Nur die allerwenigsten dieser Straftaten sind inzwischen aufgeklärt. Vor über zwölf Jahren sind Diebe, die bei der WG Lößnitz an der Meißner Straße aktiv waren, ermittelt worden. Letztes Jahr vermeldete die Polizei ein geschnapptes Einbrecherduo aus Arnsdorf, das in Radebeul stahl. Aber meist komme nur ein maschinell erstelltes und nicht einmal unterzeichnetes Schreiben der Staatsanwaltschaft Dresden, der Fall werde eingestellt, weil der Täter nicht zu ermitteln sei, so Vetter. Viele Bewohner hätten die Erfahrung gemacht, dass die Polizei dann nicht zur Stelle ist oder sein kann, wenn man sie braucht.

Vorstand Vetter: „Ich selbst musste leider auch schon erleben, dass nicht einmal die Notrufnummer der Polizei ständig besetzt ist: Allein bei drei von sieben Anrufen im September 2016 meldete sich eine Telefonansage. Bei den übrigen vier Anrufen hatte ich insgesamt drei verschiedene Polizeibeamte am Telefon, welchen ich jeweils den Fall stets vollständig neu schildern musste.“

Es sei auch keineswegs so, dass die Einbruchswelle vorbei wäre, wie der SPD-Stadtrat Thomas Gey in einem Zeitungsbericht behauptete, so der Vorstand. „Leider nehmen aktuell die Einbrüche im Bestand der Wohnungsgenossenschaft „Lößnitz“ eG wieder zu.“

Der jüngste Trick, welcher die Bewohner in den 1 290 Genossenschaftswohnungen verunsichert, ist wieder einer, bei dem sich Gauner als falsche Polizisten ausgeben. Vetter: „Wie von älteren WGL-Mieterinnen mitgeteilt wurde, erhielten diese einen Anruf mit der Vorwahl 03523 und der Rufnummer 110; der Anrufer meldete sich als „Polizeirevier Coswig“. Er behauptete, man habe zwei rumänische Einbrecher geschnappt und wolle nun abgleichen, welche Wertsachen die Angerufene bei sich zu Hause habe.“ Die Polizei ruft niemals mit der Notrufnummer an, schon gar nicht mit Ortsvorwahl, hieß es mehrfach warnend aus der Polizeidirektion.

Gegen die Einbrüche versucht sich die Wohnungsgenossenschaft, aufwendig zu wappnen. Zuletzt sind schwere brand- und einbruchhemmende Türen eingebaut worden. Rund 400 000 Euro hat die WG Lößnitz dafür aufgewandt.

Vetter und viele Mitglieder der Genossenschaft geben allerdings nicht der Polizei die Schuld. Sie sehen viel eher das Problem der Unterversorgung der Polizei im Kreis Meißen.

Die Region Radebeul/Coswig/Moritzburg solle wieder ein Polizeirevier bekommen. „Diese Forderung der CDU in Radebeul kann ich nur nachdrücklich unterstreichen“, schreibt Vetter. Wir brauchen aus meiner Sicht also dringend mehr Polizei, welche die Bürger wirksam schützt.“ In einer Bürgerversammlung mit Genossenschaftsmitgliedern und Innenminister Thomas de Maizière (CDU) wurde die WG-Leitung in ihren Forderungen von den Anwohnern unterstützt. Den Polizisten im Streifenwagen genauso wie den Kriminalisten auf der Birkenstraße in Radebeul wollen die Genossenschaftler für ihre engagierte Arbeit danken, wenngleich wohl bei ihrer Ausrüstung und Bezahlung noch viel „Luft nach oben“ sein dürfte, so Vetter.

Revierleiter Hanjo Protze hat versprochen, die Streifen der Bürgerpolizisten häufiger an die betroffenen Häuser zu schicken. In dieser Woche treffen sich außerdem die WG-Lößnitz-Leitung und der Revierchef, um die Lage zu besprechen.