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Nossen/Döbeln Freitag, 28.12.2012

Regionalbahn nach Nossen vor dem Aus

Der Verkehrsverbund Oberelbe rückt von seinem Bekenntnis zum Erhalt dieser Strecke ab. Grund sind die wenigen Fahrgäste.

Von Dieter Hanke

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Die Regionalbahn auf der Strecke Meißen–Nossen kurz vor dem Bahnübergang in Miltitz. Die Landschaft im Triebischtal ist sehr reizvoll. Doch die Zahl der Fahrgäste in der Woche geht zurück. Der Erhalt dieser Bahnstrecke ist stark gefährdet. Foto: Claudia Hübschmann
Die Regionalbahn auf der Strecke Meißen–Nossen kurz vor dem Bahnübergang in Miltitz. Die Landschaft im Triebischtal ist sehr reizvoll. Doch die Zahl der Fahrgäste in der Woche geht zurück. Der Erhalt dieser Bahnstrecke ist stark gefährdet. Foto: Claudia Hübschmann
  • Die Regionalbahn auf der Strecke Meißen–Nossen kurz vor dem Bahnübergang in Miltitz. Die Landschaft im Triebischtal ist sehr reizvoll. Doch die Zahl der Fahrgäste in der Woche geht zurück. Der Erhalt dieser Bahnstrecke ist stark gefährdet. Foto: Claudia Hübschmann
    Die Regionalbahn auf der Strecke Meißen–Nossen kurz vor dem Bahnübergang in Miltitz. Die Landschaft im Triebischtal ist sehr reizvoll. Doch die Zahl der Fahrgäste in der Woche geht zurück. Der Erhalt dieser Bahnstrecke ist stark gefährdet. Foto: Claudia Hübschmann
  • Gefährdete Bahnlinien. Grafik: SZ/Sylvia Tietze
    Gefährdete Bahnlinien. Grafik: SZ/Sylvia Tietze
  • „Die Zahl der Passagiere fällt ins Gewicht bei der Entscheidung, ob der Zugverkehr wirtschaftlich aufrechterhalten werden kann – und nicht 15 000 Unterschriften, die für den Erhalt gesammelt wurden.“ Arndt Steinbach, Landrat Meißen
    „Die Zahl der Passagiere fällt ins Gewicht bei der Entscheidung, ob der Zugverkehr wirtschaftlich aufrechterhalten werden kann – und nicht 15 000 Unterschriften, die für den Erhalt gesammelt wurden.“ Arndt Steinbach, Landrat Meißen

Ob in einem Jahr zum gleichen Zeitpunkt die Regionalbahn Meißen – Nossen – Döbeln noch fährt, ist fraglich. Denn die Linie ist stark gefährdet, steht wohl schon vor dem Aus. Der Grund sind die wenigen Fahrgäste auf dieser Strecke, die dadurch sehr unrentabel ist. Wochentags sind es im ersten Halbjahr 2012 durchschnittlich 200 Fahrgäste gewesen. Das sind zwölf Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr. An den Wochenenden waren es mit 230 Fahrgästen etwas mehr. Diese Zahlen nannte Pressesprecher Christian Schlemper vom Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). Dieser bestellt die Verkehrsleistungen für die Regionalbahn im Abschnitt bis Nossen bei der Deutschen Bahn.

Abbestellung im Gespräch

Noch vor gut einem Jahr hatte sich der Verkehrsverbund zum Erhalt dieser Bahnstrecke für den öffentlichen Nahverkehr bekannt. Mittlerweile rückt der VVO davon ab. Eine Abbestellung dieser Bahnverbindung ist im Gespräch. VVO-Geschäftsführer Burkhard Ehlen hatte in einer kürzlichen öffentlichen Anhörung des Sächsischen Landtages eine Weiterführung der Bahnstrecke von Meißen nach Nossen in Frage gestellt. Er sagte dort: „Meinetwegen können wir auch sagen, wir fahren einen Zug mit sechs Fahrgästen im Durchschnitt von Meißen Triebischtal nach Döbeln über Roßwein, weil das Daseinsvorsorge ist. Da ist keiner mehr, für den wir etwas vorsorgen.“ Der VVO könne auf Dauer nicht solche Eisenbahnstecken rechtfertigen, „völlig unabhängig von der Frage, wie viel Geld der Bund oder der Freistaat oder sonst irgendwer zur Verfügung stellt, sondern weil es einfach sachlich und fachlich nicht zu rechtfertigen ist.“

Der Meißner Landrat Arndt Steinbach, Chef des Verkehrsverbundes, ist ebenfalls der Ansicht, dass es auf die tatsächliche Nutzung dieser Strecke ankommt. In den Zügen der Regionalbahnlinie110 Meißen-Nossen seien bei den letzten Zählungen durchschnittlich 13 Passagiere je Zug ermittelt wurden. Diese Zahl, so Steinbach, falle ins Gewicht bei der Entscheidung, ob der Zugverkehr auf dieser Strecke wirtschaftliche aufrechterhalten werden kann – und nicht 15.000 Unterschriften, die für den Erhalt dieser Strecke gesammelt wurden.

Der Landrat spielte damit auf die Unterschriftenaktion im Dezember 2010 im Klosterbezirk Altzella zum Erhalt dieser Bahnlinie an. Initiator der Aktion war damals der Grünen-Stadtrat Peter Wunderwald gewesen. Dieser sagt heute: „Ich habe ein ungutes Gefühl, traue dem Frieden nicht. Der Eisenbahnverkehr soll hier wohl auf Bus umgestellt werden. Das wäre ein großer Rückschlag für die Region.“

Eva Jähnigen, verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, verwies darauf, dass der Ausbau der S-Bahn-Strecke in Meißen auch neue Fahrgastpotenziale für die bedrohte Bahnstrecke Meißen – Nossen – Döbeln – Leipzig erschließen würde. „Es wäre absurd, die Linie in dieser Situation stillzulegen.“ Denn die am Wochenende gestiegenen Fahrgastzahlen würden die großen touristischen Potenziale zeigen. Jähnigen: „Um noch mehr Fahrgäste zu gewinnen, brauchen wir eine Beschleunigung auf der Strecke, die Vermeidung konkurrierender Angebote zwischen Bahn und Bus und einen einheitlichen Übergangstarif statt der verschiedenen Tarife der Zweckverbände.“ Hier sei auch der Freistaat in der Pflicht. „Die CDU/FDP-Koalition finanziert den ÖPNV nicht ausreichend und tut nichts für die Beendigung des Tarifdschungels im Nahverkehr“, so die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen.

Es ist allerdings abzusehen, dass durch die Vollsperrung der Bahnstrecke zwischen Meißen und Meißen Triebischtal durch den S-Bahn-Ausbau bis mindestens Ende nächsten Jahres die Fahrgastzahlen bei dieser Regionalbahn noch weiter sinken werden. Das wird die Situation weiter verschärfen. Ein Ersatz der Bahnstrecke durch Busse wäre sicher für die Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) ein interessanter Auftrag.