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Mittwoch, 13.09.2017

Regen im Sommer – gute Kartoffeln

Die Agrargenossenschaft Oberes Elbtal arbeitet mit neuer Technik und alten Preisen. Aber auch kostenlos gibt’s etwas.

Von Gunnar Klehm

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Seit vergangener Woche läuft auf den Feldern bei Schöna die Kartoffelernte. Die alte Erntemaschine von Fortschritt wurde durch einen moderneren Roder ersetzt.
Seit vergangener Woche läuft auf den Feldern bei Schöna die Kartoffelernte. Die alte Erntemaschine von Fortschritt wurde durch einen moderneren Roder ersetzt.

© Daniel Schäfer

  • Seit vergangener Woche läuft auf den Feldern bei Schöna die Kartoffelernte. Die alte Erntemaschine von Fortschritt wurde durch einen moderneren Roder ersetzt.
    Seit vergangener Woche läuft auf den Feldern bei Schöna die Kartoffelernte. Die alte Erntemaschine von Fortschritt wurde durch einen moderneren Roder ersetzt.
  • Sortieren gleich auf der Erntemaschine: Jan Baumann, Ausbilderin Sylvia Konrad, Franz Glöckner und Lukas Blende (v.l.) sind hoch konzentriert.
    Sortieren gleich auf der Erntemaschine: Jan Baumann, Ausbilderin Sylvia Konrad, Franz Glöckner und Lukas Blende (v.l.) sind hoch konzentriert.

Sächsische Schweiz. Maschinenschlosser Dietmar Wurm dirigiert den Entladearm über die leeren Metallkisten auf einem Hänger. Nach einem kurzen Klacken stürzen tonnenweise Kartoffeln in die Behälter. Normalerweise sollte das ohne Einweisung gehen. Doch die Maschine ist neu, jedenfalls für die Mitarbeiter der Agrargenossenschaft Oberes Elbtal. „Das ist ein einreihiger Roder, den wir gebraucht gekauft haben“, sagt Geschäftsführer Henryk Schultz. Kritisch begutachtet er die Spuren, die die Reifen auf dem Kartoffelacker bei Schöna hinterlassen. Er ist unzufrieden, weil noch nicht abgeerntete Dämme voller Kartoffeln gequetscht werden. Kurz bespricht er sich mit Dietmar Wurm und Fahrer Robert Zimmermann, dann läuft es besser.

Mit Blick auf das, was die Maschine aus dem Boden holt, entspannen sich seine Gesichtszüge aber wieder. „Das wird ein gutes Kartoffeljahr“, sagt Schultz. Von Wetterkapriolen sei man verschont geblieben. Und der viele Regen, der manchem das Sommervergnügen verdorben hat, habe den Kartoffeln richtig gutgetan. Der Boden sei immer feucht, aber nicht zu nass gewesen.

Bis zum vorigen Jahr war die Genossenschaft noch mit einer alten Maschine von Fortschritt aus DDR-Zeiten bei der Kartoffelernte unterwegs. „Die haben wir zwar lange in Schuss halten können, aber die Technik hat sich in den Jahren erheblich weiterentwickelt, viel weniger Kartoffeln werden beschädigt“, erklärt der Geschäftsführer die Entscheidung zum Wechsel. Werden diese Knollen nicht alle entdeckt, macht das beim Einlagern Probleme.

Die alte Maschine konnte zwar zwei Reihen auf einmal abernten, doch war ein extra Abfahrer nötig, auf dessen Hänger sich die Maschine auf dem Feld entleeren konnte. Der neue „Einreiher“ kann bis zu vier Tonnen Kartoffeln an Bord sammeln und schafft es so immer wieder zurück zum Sammelplatz – ohne überzulaufen.

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Gleich auf dem Roder werden die Kartoffeln vorsortiert und in Handarbeit Erdklumpen, matschige Mutterkartoffeln und Kraut vom Band gesammelt. Die Knollen, die in den Kartoffelbunker wandern, sind groß, aber nicht gerade riesig. „Das ist auch gar nicht unser Ziel“, sagt Schultz. Die Genossenschaft verzichtet bewusst auf die Düngung mit Stickstoff, die das Wachstum beschleunigt. „Unsere Kunden legen mehr Wert auf Geschmack und Haltbarkeit“, sagt Schultz. Seit auf die Düngung mit Stickstoff verzichtet wird, habe man nur positive Reaktionen bekommen. Mit Kali und Phosphor dünge man aber, deshalb seien es keine Bio-Produkte.

Für die Genossenschaft in Reinhardtsdorf sind die Kartoffeln kein großes Geschäft. Elf Hektar werden jedes Jahr angebaut. In zwei Wochen ist man mit der Ernte durch. Verkauft werden die Kartoffeln in Direktvermarktung zum Einkellern oder rund um die Uhr in Fünf-Kilo-Säcken an der Kartoffelklappe am Hof in Reinhardtsdorf. Auch der Hofladen in Cotta bietet Kartoffeln aus Reinhardtsdorf an. „Wir machen das auch, weil wir so direkten Kontakt zum Endverbraucher haben“, sagt Schultz. In Reinhardtsdorf kosten fünf Kilogramm Kartoffeln 3,50 Euro, 12,5 Kilogramm 5,50 Euro und 25 Kilo 10 Euro.

Auch wenn die neue Maschine gute Dienste leistet, bleiben viele kleine Kartoffeln und einige große auf dem Feld liegen. Die ältere Generation wird sich noch erinnern, dass diese früher per Hand nachgelesen wurden. Die Zeiten sind vorbei. Heute bückt sich kaum noch jemand danach.

Hilfreich wäre es aber, damit sie im nächsten Jahr nicht wieder auf dem Feld austreiben, denn dann wird etwas anderes angepflanzt. Passt das Wetter, wird dieses Jahr noch Weizen gesät. „Klappt das erst im nächsten Jahr, wird es wohl Mais werden“, sagt Schultz. Solange niemand anfängt zu buddeln, hat er nichts dagegen, wenn jemand die Reste nach der Ernte absammelt. Man sollte nur kurz vorher in der Agrargenossenschaft Bescheid geben.

Verkauf Einkellerungskartoffeln in Reinhardtsdorf, Schrammsteinblick 67a, ab 21. September zu den Geschäftszeiten sowie am 23.9. und 30.9. von 7 bis 12 Uhr.