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Freitag, 06.10.2017

Redebedarf wegen Schaumaplast

Der Beschluss zur Erweiterung des Betriebs wird wiederholt. Vorher soll es zum „Runden Tisch“ aller Beteiligten kommen.

Von Marcus Herrmann

Sorgt die Verarbeitung von Polystyrol in den Hallen von Schaumaplast nicht nur für gelegentliche üble Gerüche, sondern auch für gefährliche Emissionen? Darüber wurde im Stadtrat erneut unter regem Interesse diskutiert.
Sorgt die Verarbeitung von Polystyrol in den Hallen von Schaumaplast nicht nur für gelegentliche üble Gerüche, sondern auch für gefährliche Emissionen? Darüber wurde im Stadtrat erneut unter regem Interesse diskutiert.

© Claudia Hübschmann

Nossen. Die Bilder ähneln sich. Wenn auch nicht ganz so viele Bürger im Ratssaal des Nossener Rathauses Platz nehmen, wie noch bei der August-Sitzung des Stadtrates in der Pestalozzischule, so sind es doch wieder mehr als ein Dutzend. Das Gros der Zuhörer will an jenem Donnerstagabend im September wissen: Wie beabsichtigt die Stadt wegen der Vergrößerungs-Bestrebungen von Schaumaplast, sowie der eventuell gesundheitsschädigenden Auswirkungen der Verarbeitungsprozesse von Styropor weiter zu verfahren? Unter den Bürgern ist auch der Nossener Kreisrat und Ex-Stadtrat Peter Wunderwald (Grüne). Er weist darauf hin, dass er zwischen 2011 und 2013 mehrfach auf die Probleme der Bürger in Augustusberg hingewiesen habe und zu jener Zeit sogar Protokolle zur Geruchsbelästigung angefertigt worden seien.

Dass einige Stadträte sich in der August-Sitzung überrascht über das Aufbegehren vieler Nossener wegen der Zustimmung des Rates zur Erweiterung von Schaumaplast gezeigt hatten, könne er deshalb nicht nachvollziehen. Gegenüber der SZ kritisiert Wunderwald einmal mehr, dass nicht wenigstens Filteranlagen für Schaumaplast angeordnet werden, wo doch in den Produktionsstätten Polystyrol-Recycling stattfinde, dabei schädliche Dämpfe an die Luft gelangten.

Im Interview mit der SZ vom 7. September hatte Schaumaplast-Geschäftsführer Bernhard Hauck jegliche Gesundheitsgefährdung durch seinen Betrieb ausgeschlossen und sich offen für weitere Gespräche mit der Stadtverwaltung, dem Umweltamt des Landkreises und vor allem den Nossener Bürgern gezeigt. Auch Messungen des Umweltamtes auf dem Gelände im Gewerbegebiet Augustusberg seien kein Problem, so Hauck. Seitens der Stadt, erklärte Bürgermeister Uwe Anke (parteilos), habe es inzwischen Rücksprache mit der Rechtsaufsicht gegeben. Man habe dargelegt, mit welcher Begründung man im Juli den Erweiterungs-Beschluss für Schaumaplast als Tischvorlage im Eiltempo durchgeführt habe. „Diese Begründung reicht nach aktuellem Stand aber laut Rechtsaufsicht nicht aus, deshalb muss der Beschluss wiederholt werden“, so Anke.

Bevor es aber soweit ist, werden zunächst weitere Gespräche mit der Firma Schaumaplast und den Umweltbehörden folgen. „Wir müssen jetzt gucken, welche technischen Verbesserungen möglich sind, damit Zweifel hinsichtlich der Umweltverträglichkeit beseitigt werden können“, so Anke. Bevor es keine konkreten Ergebnisse gebe, wolle er sich mit Urteilen zurückhalten. Er und viele Stadträte seien keine Chemiker.

Die Frage, ob denn nun Bürgern zu glauben sei, die sich im Internet belesen haben oder der Geschäftsführung von Schaumaplast, stelle sich momentan nicht. Anke rechne nicht damit, dass ein neuer Beschluss noch vor der November-Sitzung des Stadtrates auf die Tagesordnung kommen werde. Auf Anraten mehrerer Stadträte sollen bis dahin Möglichkeiten geprüft werden, ob Umweltmessungen durchgeführt werden können, die mehr Klarheit bringen. Letztlich, so die einhellige Meinung nach der vergangenen Ratssitzung, drehen sich alle Diskussionen im Kreis, solange nicht alle Interessensvertreter an einem Tisch diskutierten und Argumente umgehend durch Experten bewertet werden können. Aufgabe der Verwaltung wird es nun sein, einen oder mehrere solcher Experten zu finden und so schnell wie möglich Ort und Zeit des dringend nötigen Gespräches zu benennen.