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Donnerstag, 27.04.2017

Rechtsextremer Angriff auf Studenten

Eine 19-Jährige soll in der Neustadt eine Studentin massiv geschlagen haben. Es gibt Kritik an den Ermittlungen.

Von Alexander Schneider

© Symbolfoto: dpa

Nachdem erst Anfang April am Amtsgericht Dresden ein Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung gegen einen rechtsextremen Intensivtäter wegen mangelhafter Ermittlungen geplatzt ist, steht nun wieder ein Verfahren auf der Kippe. Es geht um einen nächtlichen Angriff von Rechtsextremen in der Neustadt. Möglicherweise wurde sogar ein falscher Mann angeklagt, er könnte verwechselt worden sein. Jugendrichter Markus Vogel kritisierte am Mittwoch in der Hauptverhandlung gegen ein Pärchen die Aktenführung der Polizei. Zudem sagten zwei Beamte des Reviers Nord dem verdutzten Richter, sie könnten sich trotz Vorbereitung an nichts erinnern.

Am 3. September 2015 soll die 19-jährige Angeklagte eine Frau massiv verletzt haben. Laut Anklage stieß sie ihr Opfer vor dem „Hebedas“ zu Boden und schleifte es an den Haaren über die Straße. „Jetzt bist du tot“, habe sie gesagt, „Hure!“, „Schlampe!“. Schließlich habe die 19-Jährige die Studentin wieder an den Haaren gepackt und ihren Kopf mehrfach auf Steinstufen geschlagen. Der Mitangeklagte (30) soll dann einen Mann niedergeschlagen haben, der der Studentin half und die 19-Jährige von ihr weggezogen habe. Dass die Angeklagten und ihre Bekannten über Stunden die Studentin und ihre vier Begleiter verfolgt haben sollen, steht nicht in der Anklage. Das berichtete die 21-jährige Studentin als Zeugin.

Nach ihrem Dienst in einer Bar habe sie ab 1.30 Uhr mit Freunden ein Bier trinken wollen. An der Kreuzung Louisen-/Rothenburger Straße sei sie dann mit einer Freundin eingeschritten, als zwei Männer einen dritten verfolgt hatten. Offenbar war das der Grund, warum wenig später die Gruppe – sechs Männer, zwei Frauen, darunter die Angeklagte – gekommen und Streit gesucht habe. Die Studentin berichtete von gezielten Provokationen. Es ging um Asylbewerber und Heidenau, wo es eineinhalb Wochen zuvor vor einer Asylunterkunft zu Ausschreitungen gekommen war. Auch „Heil Hitler“ und andere rechte Parolen seien gerufen worden. Als sie tätlich angegangen wurden, seien sie ins „Hebedas“ geflüchtet, so die Studentin. Die Polizei wurde alarmiert. Die Beamten nahmen die Personalien der Störer auf, gingen wieder. Als die Studentin mit ihrer Gruppe das „Hebedas“ verließ, wurden sie angegriffen.

Die Studentin kritisierte, dass die Polizei nicht mehr unternommen habe. Als sie den Beamten sagte, es könne nicht sein, in der Neustadt von Nazis verfolgt zu werden, hätten sie entgegnet, bei den ganzen Tunesiern im Viertel brauche man sich nicht zu wundern. „Die Täter wurden nicht verfolgt, aber dann solche Sprüche“, sagte die Studentin. Der Prozess wird im Mai mit einer Reihe Zeugen fortgesetzt.