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Dienstag, 12.01.2016

Rechte prügeln israelische Studenten

Die Täter scheinen ihre Opfer vor einem Markt für orientalische Spezialitäten erwartet zu haben. Dort geht nun die Angst um. Die Polizei räumt Fehler ein.

Von Alexander Schneider

Das demolierte Schaufenster des orientalischen Spezialitätenmarktes am Rundkino zeugt von dem Überfall: Bis zu acht Täter haben dort am Montag zwei Studenten angegriffen.
Das demolierte Schaufenster des orientalischen Spezialitätenmarktes am Rundkino zeugt von dem Überfall: Bis zu acht Täter haben dort am Montag zwei Studenten angegriffen.

© Alexander Schneider

Dresden. Machen Neonazis nun in der Innenstadt gezielt Jagd auf „Araber“? Zwei 24 und 26 Jahre alten Studenten, die am Montagabend vor dem orientalischen Spezialitätenmarkt hinter dem Rundkino angegriffen wurden, sind davon überzeugt. Die Polizei geht nicht so weit, ist aber von einem politischen Motiv der bis zu acht Täter überzeugt. Nun ermittelt der Staatsschutz.

Die Studenten decken sich in dem Markt mit libanesischem Brot, orientalischer Wurst und Frischkäse ein. Ein bisschen Genuss, der sie an ihre Heimat erinnert. Doch als sie den Laden verlassen, werden sie von zwei Männern aggressiv angesprochen: „Was habt ihr hier verloren?“ – „Ihr Scheiß Araber, verpisst euch aus unserem Land!“ Die Studenten werden unvermittelt mit Laserpointern geblendet. „Ich konnte nichts mehr sehen“, sagt der 24-Jährige. Auf einmal umringen sie sechs bis acht dunkel gekleidete Täter. „Einer schlägt mir in den Nacken“, sagt der 26-Jährige. Er wird leicht verletzt. Die Studenten flüchten zurück in den Markt und halten die Tür zu. Die Angreifer verfolgen sie, schlagen eine Schaufensterscheibe ein. Die Studenten und Verkäuferin Sarra Lemouddaa rufen sofort den Polizeinotruf 110. Erst dann entfernen sich die Täter. „Sie gingen normal, als wäre nichts geschehen“, sagt die 23-jährige Markt-Mitarbeiterin. Wie die Studenten glaubt sie, einer der Täter habe eine Pistole gehabt. Vielleicht wurde damit die Scheibe eingeschlagen, vermuten sie.

„Es war, wie eine geplante Aktion“, berichten die Studenten am Tag danach. Als hätten die Täter sie vor dem Laden erwartet, um sie als „Scheiß Araber“ beleidigen und angreifen zu können. Die Studenten kommen aus dem Norden Israels. Sie leben schon seit mehreren Jahren in Dresden, studieren an der TU Dresden Medizin. „Seit Pegida demonstriert, gehen wir montags nicht mehr in die Innenstadt“, sagen die Israelis. „Es ist zu gefährlich.“ Nur weil die Demo in Leipzig stattfand, hätten sie sich überhaupt abends in die Stadt gewagt.

Karte

Der Überfall fand gegen 19.40 Uhr statt. Es habe jedoch bis 21.15 Uhr gedauert, ehe der erste Polizeiwagen vor dem Geschäft am Rundkino eintraf. Viel zu lange. „Der Versicherungsvertreter für die Glasscheibe war eher da“, sagt Sarra Lemouddaa. Sie habe die Nacht nicht geschlafen. „Ich habe Angst.“ Es sei nicht der erste Angriff an diesem Geschäft, das erst im Mai eröffnet wurde. Es gab Schmierereien. Ende Oktober habe ein unbekannter Mann ein Regal umgeworfen und mehrere Zehntausend Euro Schaden verursacht. Nun der Angriff am Montag. Auch andere Kunden seien von den dunklen Gestalten geschlagen und geschubst worden. Sie hätten aber nicht so lange auf die Polizei warten wollen.

Thomas Geithner muss einräumen, dass den Beamten ein großer Fehler passiert sei: „Da gibt es nichts schönzureden.“ Dem ersten Anruf sei am Notruf-Telefon nicht die nötige Dringlichkeit zugeordnet worden, so Geithner. Die Abfrage des Kollegen sei unzureichend gewesen. Die Sache sei dann dem Revier Mitte übergeben worden. Das erste Auto nach dem Schichtwechsel sei zum Tatort gefahren. „Wir hätten sofort andere Kräfte losschicken müssen“, sagt Geithner. Dieser Fehler werde nun intern ausgewertet.

Die Ermittler bitten Zeugen um Hilfe: Wer hat den Angriff hinter dem Rundkino beobachtet? Wem ist eine größere Gruppe dunkel gekleideter Männer in der Innenstadt aufgefallen? Hinweise an die Polizei unter 4832233.