sz-online.de | Sachsen im Netz

„Rechnung ohne Wirt“ am Pirnaischen

Die Vorschläge eines Vereins zum zentralen Platz werden nun in der Politik diskutiert, der Kaiserpalast aber abgelehnt.

06.10.2017
Von Andreas Weller

 ohne Wirt“ am Pirnaischen
Die schwarz gehaltenen Gebäude stehen bereits am Pirnaischen Platz, die gelben Bauten könnten laut Stadtbild Dresden dazukommen.

© Visualisierung: Bryan Ludwig

Keine reine Verkehrskreuzung mehr, sondern ein gestalteter Platz als Übergang zwischen Pirnaischer Vorstadt und Altstadt: Mit vielen neuen, modernen Gebäuden, ohne Hochhaus und mit dem rekonstruierten Kaiserpalast – so stellt sich der Verein Stadtbild Dresden den Pirnaischen Platz vor. Robert Berger vom Verein fordert eine Debatte dazu, der Platz könnte in zehn bis 20 Jahren wieder zu einem zentralen Ort in Dresden werden.

Es habe bereits zu Beginn der 1990er-Jahre umfangreiche Planungsüberlegungen dazu gegeben, sagt nun Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) gegenüber der SZ. „Diese mündeten in Aufstellungsbeschlüssen zu Bebauungsplänen, die sich aufgrund der gegebenen baulichen Strukturen und Eigentumsverhältnisse nicht umsetzen ließen.“ Zudem könne das Hochhaus an dem Platz nicht einfach abgerissen werden, wie es der Verein fordere. Berger hatte als Kompromiss vorgeschlagen, es deutlich niedriger zu bauen. „Wie soll das gehen?“, fragt der Bürgermeister. „Stadtbild Dresden macht die Rechnung ohne den Wirt: Der Eigentümer des Hochhauses will sein Gebäude gar nicht abreißen.“ Die Verwaltung setze sich gerade mit diesen wegen der dringend notwendigen Gebäudesanierung auseinander.

Die konzeptionellen Ideen des Vereins könnten nur umgesetzt werden, wenn umfangreiche Strukturveränderungen im Gebiet vorgenommen würden. „Dazu müssten teilweise die infrastrukturellen Einrichtungen und bisherigen Baustrukturen aufgegeben oder neu errichtet werden“, erklärt Schmidt-Lamontain. Dazu müssten alle Grundstückseigentümer ein belastbares Interesse daran haben. „Das ist nicht der Fall.“ Aufgabe von Stadtplanung sei es, mit einer vorhandenen Bebauung kreativ umzugehen, verschiedene Interessen auszuloten und auszugleichen. „Eine Planung am Reißbrett, die von einer weißen unbebauten Fläche ausgeht, führt hier nicht weiter“, meint der Bürgermeister, nimmt die Anregungen aber als „einen Beitrag in einer Debatte um Stadtplanung“ entgegen.

Es sei ein interessanter Anstoß, meint Grünen-Fraktionschef Thomas Löser. Es sei immer richtig und wichtig, wenn Bürger sich in die Stadtplanung einbringen. „Genau das probieren wir ja gerade am Neustädter Markt.“ Das Hochhaus sei aber ein „Zeitzeuge“ und solle keinesfalls abgerissen, sondern saniert werden. Den Kaiserpalast nachzubauen, hält Löser ebenfalls für keine gute Idee. Der „Protzbau“ passe nicht mehr in die heutige Zeit. Stattdessen seien hochwertige und moderne Gebäude am Pirnaischen Platz sinnvoll.

„Wenn man lange draufschaut, kriegt man ein Gefühl, als wenn man zu viel Marzipan gegessen hätte“, so Linken-Stadtrat Tilo Wirtz zum Kaiserpalast. „Der Name ist auch alles andere als zeitgemäß. Bei allem Respekt für die Bauwerke des Historismus war dieses Bauwerk beim besten Willen zu überladen.“ Eine Verdichtung der Stadt wäre aber begrüßenswert. „Allerdings kriegen wir das Hochhaus nicht weg. Wir können keinen Abriss verfügen, wenn der Besitzer den nicht will.“ Und es gebe Probleme mit der Verkehrsführung, da die St. Petersburger Straße nicht verlegt werden könne. Der Kaiserpalast oder ein anderes Gebäude an der Stelle würde inmitten einer Verkehrsschneise stehen. Wirtz ist ebenfalls für moderne Bauten. Baukunst nur noch rückwärts zu denken und nur zu rekonstruieren, sei keine Lösung.

Die CDU hält es für sinnvoll, eine grundsätzliche Debatte zu den Plätzen zu führen, sagt Stadtrat Gunter Thiele. Die konkreten Pläne muss man sich anschauen. Eine Generalplanung für alle zentralen Plätze sei aber kaum machbar, sagt Löser. So etwas dauere sehr lange.