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Mittwoch, 13.09.2017

Razzia wegen Scheinehen

Die Polizei hat einen Berliner Schleuserring hochgenommen. Auch in Görlitz durchsuchten Beamte eine Wohnung.

Von Andreas Rabenstein und Marion van der Kraats

Die Bundespolizei ging gestern gegen einen Schleuserring vor.
Die Bundespolizei ging gestern gegen einen Schleuserring vor.

© ronaldbonss.com

Die Polizei ist auch in Görlitz gegen Scheinehen vorgehen. Die Razzia war Teil einer bundesweiten Fahndung. Allein in Berlin wurden am Dienstagmorgen 41 Wohnungen und andere Räume durchsucht. 400 Polizisten waren im Einsatz, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte. Im Visier der Ermittler stehen Männer aus Nigeria, die durch Scheinehen mit Frauen aus Portugal Aufenthaltserlaubnisse für die EU erhalten haben sollen. Die Bundespolizei sprach von bislang mindestens 70 bekannten Fällen. Es könnten aber noch mehr werden. Jeweils eine Durchsuchung gab es auch in Potsdam, Frankfurt/Main und Görlitz. In Berlin verhaftete die Polizei vier Frauen im Alter von 46 bis 64 Jahren und einen 50-jährigen Mann. Sie sollen die Köpfe der Schleuserbande sein, die Kontakte nach Portugal hatte und deswegen dort die Frauen anwarb. Für die Scheinehen seien eine Reihe von Urkundenfälschungen begangen worden. Die nigerianischen Männer hätten für die Scheinehe bis zu 13 000 Euro an die Schleuserbande gezahlt. Einen Teil des Geldes hätten die Portugiesinnen erhalten. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelte sei November 2016.

Schwerpunkte der Durchsuchungen in Berlin waren mit 25 Objekten die Bezirke Neukölln, Spandau und Reinickendorf. Aber auch Wohnungen in fast allen anderen Bezirken waren betroffen. Die Bundespolizei, die Berliner Polizei und Europol stellten zahlreiche Beweise sicher.

Die Frauen wurden von der Schleusertruppe in Portugal angeworben, wie der Sprecher sagte. Für einige Tage wurden die Portugiesinnen dann nach Berlin geflogen. Gleichzeitig besorgte die Bande laut Ermittler gefälschte Eheurkunden aus Nigeria. Dann gingen der Nigerianer und die Portugiesin mit der Urkunde zur Berliner Ausländerbehörde, um sich eine Aufenthaltsbescheinigung für die EU ausstellen zu lassen. Die Portugiesinnen reisten dann wieder zurück in die Heimat. Um nicht aufzufliegen, wurden laut Bundespolizei falsche Geschichten ausgedacht und bei den Behörden auf Nachfrage präsentiert.

Immer wieder stoßen Ausländerbehörden und die Polizei auf betrügerische Ehen und andere Verwandtschaftsmodelle, mit denen Männer und Frauen vorrangig aus Afrika und Asien an Aufenthaltserlaubnisse für Deutschland und die EU kommen. Das Bundesinnenministerium schätzte die Zahl der Fälle bundesweit auf eine Größenordnung im mittleren vierstelligen Bereich, also etwa 5000 Fälle pro Jahr. (dpa)