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Donnerstag, 07.12.2017

Razzia hat Nachspiel

Bei der Razzia am Dienstag war auch das Fanprojekt Dresden im Visier. Nun will der Geschäftsführer juristisch dagegen vorgehen.

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Torsten Rudolph ist nach der Razzia bei Dynamo-Fans ein gefragter Ansprechpartner. Der 38 Jahre alte Sozialpädagoge leitet das staatlich geförderte Fanprojekt.
Torsten Rudolph ist nach der Razzia bei Dynamo-Fans ein gefragter Ansprechpartner. Der 38 Jahre alte Sozialpädagoge leitet das staatlich geförderte Fanprojekt.

© kairospress

Dresden. Das Fanprojekt Dresden wird gegen die Polizei-Razzia am Dienstag juristisch vorgehen. „Wir werden die Rechtmäßigkeit der Durchsuchung unserer Räumlichkeiten selbstverständlich juristisch prüfen lassen“, teilte Geschäftsführer Torsten Rudolph am Donnerstag in einer Presseerklärung mit.

Hintergrund sind Ausschreitungen bei einem Spiel des Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden am 14. Mai beim Karlsruher SC. Damals waren Dynamo-Fans unter dem Motto „Krieg dem DFB“ in Tarnkleidung zum Stadion marschiert. Dabei kam es unter anderem zu Angriffen auf Polizeibeamte und Gewalt gegen Ordner am Stadion.

Bei der Razzia gegen mehr als 20 Tatverdächtige wurden 33 Wohnungen und Geschäftsräume in Dresden und Umgebung durchsucht. Einzelne Kontrollen erfolgten auch in Brandenburg, Baden-Württemberg und der Schweiz. Die Ermittlungen richten sich auf Straftaten wie Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz.

Die Razzia wurde als Vertrauensverlust und einen erneuten Angriff auf die Arbeit des Fanprojekts gewertet. Der Fanprojekt Dresden e.V. erfülle einen öffentlichen Auftrag und stehe für die Entwicklung und Verstetigung einer auf „Fair Play“ basierenden Alltags- und Fankultur, hieß es in der Stellungnahme. „Es ist ebenso Auftrag unserer Einrichtung, jugendliche Fußballfans in schwierigen Phasen zu begleiten und zu unterstützen. Auch den jetzt beschuldigten Fußballfans stehen wir daher vollumfänglich zur Seite.“

Auch Dynamo Dresden sieht die Durchsuchung der Räumlichkeiten des Fanprojekts kritisch. Sie beschädige das gewachsene Vertrauensverhältnis zwischen Sozialpädagogen und jungen Fußballfans und die vor allem präventiv ausgerichtete Arbeit der Fanprojekte nachhaltig. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 17 Kommentare

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  1. Gorsten Mütschow

    Es wird wohl handfeste Gründe geben, die aus Sicht der Polizei und deren Ermittler eine Razzia rechtfertigen. Ach nein, ich vergaß - die Polizei ist ja der verlängerte Arm des DFB.

  2. Biker

    "Auch den jetzt beschuldigten Fußballfans stehen wir daher vollumfänglich zur Seite.“ - also auf gut deutsch: Das Fanprojekt unterstützt die Krawallmacher. Und dann wundert man sich über eine Razzia? Hier muss ganz dringend nachgeforscht werden und ggf. dem Fanprojekt der Geldhahn zugedreht werden!

  3. Karl

    @1. Ja sicher. Und wer sich nichts zu schulden kommen lassen hat, für den ist so eine läppische Hausdurchsuchung sicher kein Problem. Der SZ-Artikel ist aber auch nicht ganz richtig, denn laut PK der Polizei Karlsruhe geht es eben nicht um etwaige Ausschreitungen, sondern um Verstoß gegen das Versammlungsgesetz. Weil die Fans mit einer Uniform angeblich eine politische Meinung ausdrücken wollten. Soso. Abgesehen davon stellen sich eine ganze Reihe von Fragen. Z.B. Wieso darf Staatsanwalt/Polizei BW Hausdurchsuchungen in SN durchführen? Was wollen die bzgl. den o.g. Vorwurfs finden? Parteibücher der Linken/Rechten? Oder doch eher irgendwas, aus dem sich dann wieder irgendwas anderes ableiten lässt? Was genau bezweckt die Staatsanwaltschaft mit dem Durchsuchen der Räume des Fanprojekts? Geht es hier vielleicht nur darum, noch mehr Namen zu bekommen? Apropos Namen, ging es bei der Festsetzung von ca. 200 Fans in Freiburg nicht vielleicht auch nur darum, an Namen zu kommen?

  4. Sören Göhler, Dresden

    "Nachspiel" in der Form, als daß sich jemand für das ggf. rechtswidrige Razzen persönlich, vielleicht gar der Richter, der den Durchsuchungsbeschluß unterschrieben hat, zu verantworten haben soll? Oder geht es nur um ein Papier, auf dem die Rechtswidrigkeit festgestellt wird - freilich ohne Konsequenzen für den oder die Rechtsverletzer, wie das so üblich ist in dem uns umgebenden Rechtsstaat, wenn Behörden bzw. Beamte sich fehl verhalten haben...

  5. Sven Lehmann

    Statt des Fanprojektes hätte man zur Aufklärung der Umstände des Kunstprojektes Fanmarsch in Verkleidung besser woanders nach irgendwas suchen sollen. Beispielsweise im dortigen Grünflächenamt, ihr Park war der Ort der Vorstellung. Oder im nächstbesten Bekleidungshaus, der Mummenschanz ist irgendwo erworben worden. Schließlich bleiben auch noch Tankstellen am Reiseweg des Trabbis zur Razzia übrig. Der Trabbi, der den Zug mit anführte und auch verdächtig ist, kann man nach allen Untersuchungen an ihm in einem Triumphmarsch durch Karlruhe ziehen. Zum Schluß bekommt der Chef der tapfer den Umzug beobachtenden 800 Beamten die Kapitän-Schettino Medaille.

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