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Dienstag, 03.10.2017 Perspektiven

Raus aus der Blase!

Erst Pegida, dann AfD-Wahlerfolg. Auf Bürgerwut haben Politiker zu oft mit Gemeinplätzen reagiert, die Konfrontation gemieden. Doch Politik muss da hingehen, wo es wehtut, sagt Dresdens OB Dirk Hilbert.

Von Dirk Hilbert

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Anfang 2017 – Polizisten schützen die Übergabe der Bus-Skulptur auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche.
Anfang 2017 – Polizisten schützen die Übergabe der Bus-Skulptur auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche.

© Robert Michael

Es ist jetzt genau ein Jahr her, dass Sachsen Gastgeber für die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit gewesen ist. Wir erinnern uns: Geplant war ein fröhliches Fest, auf dem sich vor allem die 16 Bundesländer in Dresden glanzvoll präsentieren sollten. Doch als der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin, die Ministerpräsidenten und zahlreiche Staatsgäste sich am Morgen des 3. Oktobers auf den Weg zur Frauenkirche machten, war diese Leichtigkeit des Feierns längst verloren gegangen. Einige Hundert Demonstranten beschimpften lautstark die politische Prominenz. „Volksverräter“ schallte es über den Neumarkt. Die Hasstiraden waren so aggressiv, so bedrohlich, dass sich die Gäste der Staatsregierung regelrecht in die Kirche flüchteten – nicht wenige mit Tränen in den Augen. Diese Bilder gingen um die Welt: Die politische und gesellschaftliche Elite beschimpft und ausgebuht am eigenen Nationalfeiertag in einer der schönsten und wirtschaftlich stärksten deutschen Städte. Ein Jahr später holt die rechtspopulistische AfD in Dresden 22,5 Prozent, in Sachsen wird sie gar stärkste Kraft und entreißt der CDU drei Direktmandate.

Wer nun in der Berliner Republik glaubt, dass Problem einer zunehmenden Radikalisierung und eines erstarkenden Nationalismus auf Sachsen abwälzen zu können, der irrt gewaltig. Es mag für Erklärungsversuche hilfreich sein, wenn Journalisten nun nach Oppach (FAZ), Dorfchemnitz (Hamburger Abendblatt) oder Pirna (ZDF) pilgern, um AfD-Hochburgen zu porträtieren, doch es darf den Blick auf das Gesamtproblem nicht verengen. Statt sich in Wählerbeschimpfungen zu üben, sollten die demokratischen Parteien vor allem ins Grundgesetz, Artikel 20, schauen: „Alle Macht geht vom Volke aus.“ Und das Volk macht manchmal nicht, was wir uns wünschen würden. Der Wähler, der Souverän dieses Staates, ist nicht dumm – auch nicht die Mehrheit der AfD-Wähler.

Wenn ich mit Oberbürgermeistern anderer deutscher Städte zusammentreffe, werde ich längst nicht mehr gefragt: „Was ist denn bei Euch los?“ Vielmehr lautet die Frage: „Wie geht ihr damit um?“ Denn auch meine Kollegen spüren, dass die Spaltung in vielen Teilen der Gesellschaft um sich greift und immer mehr Menschen politische Zuflucht in radikalen Positionen suchen. Diese Entwicklung drückt sich nicht zwangsläufig in Protestbewegungen aus. Zumindest für Dresden kann ich sagen, dass sogar sehr viele Menschen an gesellschaftlichen Debatten teilnehmen. Vielmehr erlebe ich immer wieder eine Suche nach Heimat und Identität. Im Moment geht dies aber einher mit Abgrenzung vor allem Fremden und Angst vor Veränderung. Von dieser wahrnehmbaren Zukunfts- und Abstiegsangst sind gerade in Ostdeutschland auch große Teile einer wirtschaftlich stabilen Mittelschicht betroffen.

Deutschland reiht sich damit nahtlos in eine europäische Entwicklung ein. Ob in den Niederlanden, Frankreich, Polen oder Ungarn: Europa erlebt die erschreckende Renaissance der Populisten, die sich einer Abschottung des Kontinents und dem Wiederaufbau von Grenzen verschrieben haben. Über die Ursachen für diese Entwicklungen wurde und wird viel diskutiert. Es lohnt sich darüber nachzudenken, doch wie so oft bleibt in der Politik keine Zeit für eine Tiefenanalyse. Vielmehr sind wir auf kommunaler Ebene gezwungen verschiedene Wege zu beschreiten und vielleicht erst am Ende dieser Wege werden wir wissen, ob sie erfolgreich waren.

Im Fußball gibt es einen schönen Spruch, der auch für die Politik gelten sollte: Man muss da hingehen, wo es wehtut. Als wir das ,Monument’, die berühmten Busse auf dem Neumarkt, aufstellten, wurde meine Eröffnungsrede gnadenlos niedergebrüllt. Als ich vor einem Jahr erstmals das islamische Neujahr im Rathaus mit den muslimischen Gemeinden gefeiert habe, wurde ich anschließend von wutentbrannten Bürgern umringt. Und jeder, der bei einer der großen Debatten in der Kreuzkirche dabei war, weiß, wie schwer es war, überhaupt in ein sachliches Gespräch einzutreten. Und doch halte ich jede dieser Begegnungen für wichtig. Politikerinnen und Politiker müssen sich, so unangenehm es im Zweifel sein mag, auch der Wut stellen.

Mit dem Siegeszug der sozialen Medien kam die Feststellung, dass immer mehr Menschen sich in kommunikativen Blasen bewegen. Das gilt, mich eingeschlossen, auch für politisch Verantwortliche. Nur wenn wir diese Blasen verlassen, können wir dies auch vom Bürger erwarten. Und ich habe immer wieder festgestellt, dass die größten Schreihälse nach dieser unmittelbaren Konfrontation sagen: „Mit Ihnen kann man ja reden.“ Ich werde meine politischen Positionen, insbesondere die zur Frage von Toleranz und Offenheit in unserer Gesellschaft, nicht verlassen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass ich mich der Konfrontation entziehe.

Aber das alleine wird nicht reichen. Wir müssen uns fragen, welche Themen für die Lebenswelt der Menschen relevant sind und wo wir nur Symbolpolitik betreiben. Ein Beispiel: Die Stadt Dresden unterstützt jedes Jahr den Christopher-Street-Day nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch und inhaltlich. Ich zum Beispiel übernehme gerne und voller innerer Überzeugung die Schirmherrschaft über einzelne Veranstaltungen. Politisch diskutiert wird Jahr für Jahr aber nur die Frage, warum ich die Regenbogenflagge nicht vor dem Rathaus hisse. Man mag mit meinen Gründen übereinstimmen oder nicht. Fakt ist aber, dass die Debatte darum an der Lebenswelt von 90 Prozent der Menschen völlig vorbeigeht. In Sachsen fehlen Tausende Lehrer und Polizisten, das ist, was die Menschen tatsächlich tagtäglich spüren. Um nicht falsch verstanden zu werden, Minderheitenrechte und deren Schutz sind wichtig, dürfen aber nicht das Gemeinwesen zum Erliegen bringen. Ich glaube, und da bin ich auch selbstkritisch was meine eigene Arbeit und die der Verwaltung angeht, wir müssen wieder mehr darauf schauen, welche Relevanz unsere Entscheidungen für die einzelnen Bevölkerungsgruppen haben. Wir verschanzen uns viel zu oft hinter den Verordnungen und Regeln, anstatt konstruktiv Lösungen im Sinne der Bürger zu suchen.

Und ich bin der festen Überzeugung, dass Kultur einer der entscheidenden Faktoren in unserer gesellschaftlichen Entwicklung werden kann. Auf meiner Facebook-Seite hatten wir erst kürzlich eine spannende Debatte über die Zukunft Dresdens. Die Frage eines Users ist mir dabei in Erinnerung geblieben: „Vielleicht ist Dresden zu schön?“ Ich glaube, dass die Schönheit, die dieser Bürger meint, nicht nur aus der Architektur entsteht, sondern auch aus der unglaublichen Präsenz hochrangiger Kultureinrichtungen. Aber: Schönheit will bewahrt sein, dementsprechend groß ist die Zurückhaltung gegenüber Neuem und dementsprechend groß ist auch die Zahl der Bewahrer. Gleichzeitig bietet Schönheit aber auch immer eine faszinierende Bühne. Beides: Bewahrung und Bühne sind das Pfund, mit dem Dresden wuchert. Beides ist aber vielleicht auch unser größtes Problem und führt zu Phänomenen wie Pegida oder dem Streit um das Unesco-Welterbe. Aber die Kultur gibt uns die große Chance, gemeinsam mit der Bürgerschaft einen Prozess zu beginnen, der uns vielleicht wieder über gefühlte Grenzen hinweg zusammenrücken lässt. Das ist meine Hauptmotivation, dass wir uns um den Titel Kulturhauptstadt Europas bewerben. Dabei geht es mir bei Weitem nicht nur um Provokationen. Es geht auch darum, dass wir das Miteinander der Kulturen erlebbar machen, Unterschiede zulassen, Dialoge führen, Debatten auslösen und interdisziplinäre Vernetzung schaffen müssen. Nur aus der Begegnung, für die Kultur der richtige Rahmen ist, kann auch Verständnis erwachsen.

Und um einen gesellschaftlichen Wandel zu bewegen, wird der Wille der Politik alleine nicht ausreichen. Martin Roth hat in seinem großartigen Abschiedswerk „Widerrede“ einen Satz geschrieben, der besonders in mir nachgeklungen hat: „Mir stellt sich deshalb schon seit Langem die Frage, ob wir alle nicht viel zu viel den Politikern überlassen?“ Und als Politiker sage ich: Recht hat er.

Ich lade Sie herzlich ein, sich an der demokratischen Willensbildung und Gestaltung unserer Stadtgesellschaft aktiv einzubringen. Gestalten wir unsere neue Dresdner Stadtidentität.

Der Autor: Dirk Hilbert, geboren 1971 in Dresden, wurde 2015 zum Oberbürgermeister der Landeshauptstadt gewählt. Aus Anlass des Tages der Deutschen Einheit hat er zurzeit Amtskollegen aus Europa zum „International Dresden Dialog“ eingeladen.

Unter dem Titel Perspektiven veröffentlicht die SZ Texte, die Denkanstöße geben und zur Diskussion anregen sollen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 29 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. R.B.

    Man erkläre mir einmal, warum die wirklich ideologisch unbedenkliche aber künstlerisch gelungene Plastik "Traubenessendes Paar" von der Webergasse nicht z.B. etwa auf dem Herbert-Wehner-Platz eine Wiederaufstellung erfuhr, aber ausgesprochener Schrott wie die "Aleppo-Busse" Kunst sein sollte. - So vieles nach der Wende Aufgestellte ung Hochgefurzte, wie das rote Tor auf der Prager Straße, der Blick in die Kanalisation an der Seestraße, der Kußmund auf der Petersburger Straße und der Pavillon am Sachsenplatz sind eigentlich nichts anderes als Müll. - Wenn man Menschen provozieren will und diese sich dann wehren, muß man sich nicht wundern! R.B.

  2. kein Fan

    Danke, Herr Hilbert, sehr guter Beitrag. Nun gilt es aber auch, Demut zu entwickeln und sich bspw. einzugestehen, das die Schulentwicklung in unserer Stadt unter Herrn Schmidtgen gleichfalls katastrophal verläuft. Erst wurden viele Schulen (teils mit Gewalt gegen Besetzer, Schule Niederpoyritz) geschlossen und bei der Wiedereröffnung nach Erkenntnis des Bedarfs nun ewig verzögert (88.GS Platanenweg). Also machen Sie bitte Ihren eigenen Leuten ordentlich Dampf. Nicht alles Unzufriedenheit ist in der Bundes- oder Landesregierung begründet.

  3. bürger

    Lieber Herr Hilbert, auch wenn ich Sie nicht gewählt habe: Respekt. Sie entwickeln sich zum besten OB nach der Wende. Mit solchen Menschen wie "R.B." werden Sie weiterhin leben müssen, aber das wird schon.

  4. Hennig

    Worte alleine reichen nicht, Herr Hilbert! Lassen Sie doch mal Taten sehen. Tun Sie etwas für Dresdener Bürger und nicht nur für Zugereiste!

  5. Elbländer

    2. Absatz: "Statt sich in Wählerbeschimpfungen zu üben, sollten die demokratischen Parteien vor allem ins Grundgesetz, Artikel 20, schauen: ..." Gibt es auch nichtdemokratische Parteien? Worin besteht der Unterschied zwischen beiden? Wer bestimmt die Zuordnung? Oder besser, wer maßt sich an, diese Zuordnung vornehmen zu dürfen?

  6. Karl

    Herr Hilbert empfiehlt als Lektüre "Widerrede" von Martin Roth. Respekt! Das empfehle ich ebenso allen Lesenden Dresdnern. Bitte bringen sie sich alle sinnvoll und konstruktiv ein. Das ist nicht immer einfach.

  7. Silver

    In Ostdeutschland, insbesondere Sachsen, haben sich Parallelgesellschaften von provinziellen, fremdenfeindlichen Dorfstrukturen herausgebildet, die sich in ihrem Weltbild immer mehr von dem realen Zustand der Welt abgekoppelt haben. Diese Menschen bleiben geistig hinter den Werten der Aufklärung von Vernunft, Respekt und Humanismus zurück und fühlen sich durch globale, technologische und gesellschaftliche Entwicklungen bedroht. Die inhaltsleere rassistische Partei, die sie wählen, behauptet stattdessen, die "wahren Probleme" anzusprechen... Ihr Verhältnis zu den Medien erodiert ebenso: Wenn der eigene Horizont an den Grenzen des Kleingartenvereins endet, hält man positiv gelagerte Berichterstattung über Homo-Ehe, Zuwanderung und selbstfahrende E-Autos im Zweifel für Manipulationsversuche der Eliten. Diese Parallelgesellschaften werden auch von Politikern nicht erreicht, auch nicht, wenn diese aus Angst vor Wählerstimmen keine "Wählerbeschimpfung" betreiben wollen.

  8. bürger

    @Elbländer: Auch wenn ich aufgrund Ihrer putzigen Fragen mutmaße, dass Sie ein wütender Pegida-Troll sind, versuche ich Sie ernst zu nehmen: Eigentlich sollten sich diese Fragen einem mündigen Bürger nicht stellen, hier fehlen wohl Grundkenntnisse der politischen Bildung. Auf Ihre Fragen finde Sie Antworten u. a. bei der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb.de)

  9. RU

    Als Pegida entstand haben nicht wenige Leute darauf hingewiesen, dass Pegida nur ein SYMPTOM für eine tiefere "ERKRANKUNG" der Gesellschaft ist, also für gesellschaftliche Fehlentwicklungen. Leider wurde danach nur Pegida bekämpft, weil unsere politische Obrigkeit nicht bereit war, vielleicht auch unfähig oder nicht willens war, die tieferliegende "ERKRANKUNG" in der Gesellschaft zu suchen und zu erkennen. Und noch zur Nutzung des Neumarkts für "Kunst". Für mich ist der Neumarkt etwas Besonderes, so etwa wie ein Heiligtum. Wenn dort etwas aufgestellt werden soll, dann dürfen das nur Objekte mit hoher Ästhetik sein. Aleppo-Schrott-Busse oder auch der aktuelle Metallhaufen "Permanente Erneuerung" haben dort nichts zu suchen, weil sie dort von vielen als Provokation empfunden werden. Für solche Objekte muss ein anderer geeigneter Platz gefunden werden, vielleicht vor oder gegenüber dem Rathaus, im Bereich bis zum Hygienemuseum, am Hauptbahnhof oder noch woanders.

  10. Berg

    Unter den vorherrschenden kapitalistischen (Eigentums-)Verhältnissen ist die Teilung in Klassen und Schichten eines der Gesellschaftsgesetze. Jeder wird irgendwo hineingeboren, kann sich dort entwickeln oder höher oder tiefer steigen oder fallen. Eine "Spaltung" ist es dem Wortsinne nach nicht; denn die Zusammensetzung der Bevölkerungsteile wechselt ständig. Ja, es wird immer welche geben, die mit hrem Platz nicht einverstanden sind. Aber noch mehr gibt es (übrigens in jeder Gesellschaftsordnung), die sich einrichten, anpassen, mitwirken, um an einem positiven Eindruck Lebensfreude und nicht Wut zu empfinden.

  11. RU

    @7. Silver- Sie schreiben unter anderem: "Diese Menschen bleiben geistig hinter den Werten der Aufklärung von Vernunft, Respekt und Humanismus zurück und fühlen sich durch globale, technologische und gesellschaftliche Entwicklungen bedroht." Nehmen wir mal an, Sie haben mit dieser Bewertung recht. Dann ergeben sich doch sofort Fragen nach den Ursachen. Was ist da falsch gelaufen? Was wurde versäumt? Bei wem liegt die Verantwortung dafür?

  12. Zuhörer

    Lieber Herr Hilbert, wenn Sie nicht nach jedem zweiten Satz „Ähmde“ sagen würden, könnte man Sie sich sogar anhören. Das musste als Dresdner Bürger auch mal gesagt werden!

  13. Stefan E.

    Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn weniger in Stereotypen gedacht wird. Das Klischee vom abgehängten und von Ängsten besetzten AfD-Wähler mag die Sicht einfach machen, aber vielleicht trifft es auf größere Teile der fast sechs Millionen AfD-Menschen nicht zu? Unterstellt nicht, dass man diese Menschen nur "aufklären" muss, sondern beschäftigt Euch konkret mit deren Anliegen. Wenn man dies nicht will (weil man daraus sofort reflexartig einen Rechtsruck ableitet), dann wird es natürlich schwierig. Was genau ist an einem Einwanderungsgesetz schlimm, wir brauchen in Deutschland Zuwanderung, dies haben auch viele AfD-Wähler verstanden. Was 2015 ff. war, ist allerdings keine Zuwanderung in diesem Sinne. Und genau diese Differenzierung sollten auch Politiker offen kommunizieren und eingestehen. Ansonsten fühlen sich immer mehr Menschen nicht verstanden und die Politiker reden/schreiben dann nach der Wahl. Hilft niemand und bringt uns 2019 die AfD als Regierungspartei in Sachsen. Wer will das?!

  14. Stefan E.

    @Silver: Vielleicht noch konkret an Sie, mit diesen von Ihnen beschriebenen Klischee-Wähler liegen Sie falsch. Es mag die Betrachtung so viel einfacher (und wohl auch "beruhigender" machen), aber es gibt in DE nicht sechs Millionen Hartz4-Bezieher, die dann mangels Bildung die AfD wählen. Nein, die Wähler kommen auch aus ganz anderen Schichten der Gesellschaft und dies sollte endlich verstanden werden. Da sind viele Menschen, denen sich Fragen stellen, wenn hunderttausende Menschen abgeschoben werden sollen und es in der Realität nur einige wenige zehntausend im Jahr sind. Ja, u.a. solche Themen müssen die Politiker dringend lösen, da helfen keine schön formulierten immer neuen Reden. Die bis heute völlig unzureichende Umsetzung von Abschiebungen führt zu immer neuen AfD-Wählern. Was im August 2015 von der Regierung entschiedenen wurde, können bis heute große Teile der Bevölkerung nicht verstehen und dies sind erheblich mehr als es aktuell AfD-Wähler gibt.

  15. schlussmitlustig

    M. Roth: „Mir stellt sich deshalb schon seit Langem die Frage, ob wir alle nicht viel zu viel den Politikern überlassen?“ - und prompt wird diese Frage durch @4 Hennig beantwortet!: "Tun Sie etwas für Dresdener Bürger und nicht nur für Zugereiste!" - das ist genau die bequeme Haltung, die Martin Roth beklagt. Da steckt noch sehr viel alte Ost-Denke in den Köpfen, dass "der Staat" für alles und bitte pronto zu sorgen hat. Von einer echten Bürgergesellschaft ist man in Sachsen noch meilenweit entfernt. Wundert mich auch nicht, weil offenkundig der "wertkonservative" und überaus bräsige Teil der Bevölkerung es nicht versteht. Da lässt man lieber Nazis in Dresden aufmarschieren und zuckt nur mit den Schultern und man brüllt "die Anderen" bei den aufrichtigen Gesprächsangeboten an, statt zu argumentieren. @Hennig, wann haben Sie sich zuletzt aktiv eingebracht? Es gibt genügend Mitbürger, die Ihre Aufmerksamkeit schätzen werden. Tun Sie selber etwas für Ihr Umfeld! Herr Hilbert, weiter so!

  16. siggi

    Herr Hilpert, Herr Tillich, Die BT-Wahl hätte müssen viel eher stattfinden, wenn ich jetzt Ihre Reaktion darauf so lese. Die Sächs. Bewohner müssen endlich ernst genommen werden und vor allem: sie wollen endlich die Wahrheit erfahren. Nur so kann meine Heimat Dresden, ja ganz Sachsen auch für die Zukunft lebenswert bleiben bzw. wieder werden. Dazu muss die Pegida integriert werden, auch wenn ich ihr Programm nicht vollständig teilen. Herr Hilpert, Sie haben es nun in der Hand, wieder glaubhafte Politik zu machen

  17. gernot

    Gut Herr Hilbert, beginnen können Sie damit im Kleinen, indem Sie das Rathaus mit genügend und vor allem gut bezahltem Personal ausstatten. Wir erleben 28 Jahre nach der Wiedervereinigung den Freistaat Sachsen mit seinen Kommunen und Landkreisen als schlimmsten Kapitalisten von allen. Er zahlt deutlich schlechter als vergleichbar große Firmen, verteilt immer mehr Arbeit auf immer weniger Schultern und gönnt der Amtspitze dabei vergleichsweise unverschämte Gehaltserhöhungen und stattliche Pensions- oder Rentenregelungen. Der Hit hierbei waren die vergangenen Diätenerhöhungen des sächsischen Landtages. Der sächsische Landtag gehört zu den Spitzenverdienern unter deutschen Landesparlamenten aber bezahlt seine Lehrer mit bis zu 1000€ netto weniger pro Monat und Kopf als in anderen Bundesländern. Ich denke, diese Differenz auf ein Arbeitsleben hoch rechnen kann jeder selber. Und dann wundern wir uns über Frust bei der Bevölkerung und fehlende Lehrer?

  18. Silver

    @RU: Ich würde sagen, das ist eine fast schon zwingende Konsequenz des technischen Fortschritts, der Globalisierung und der Vernetzung der Welt, die mit dem Wunsch nach einem überschaubaren und kontrollierbaren Leben im Widerspruch steht. Die Ausfälle von Menschen, die sich in Pöbeleien bis hin zu hemmungslosem Rassismus zeigen, sind meiner Meinung nach Abwehrreaktionen auf diese zunehmende Komplexität der Welt und die damit zusammenhängenden Ängste. Es entwickeln sich damit auch Ressentiments und einfache Welterklärungsmuster. Ich glaube gar nicht, dass man dafür Irgendjemandem konkret die Schuld geben kann, noch weiß ich, wie man diesen Zerreißerscheinungen der Gesellschaft entgegnen kann. Ich wollte nur hervorheben, dass die Suche nach der Schuld bei "denen da oben" bei der falschen Adresse ist... Politiker können die Welt nicht zurückdrehen. Indem man Grenzen schließt, und Migranten zum Teufel jagt, löst man keine Probleme, sondern verlagert sie nur...

  19. Ein Pesterwitzer

    Neue Dresdner Stadtidentität: Was ist das? R.B. spricht mir aus dem Herzen! Mit der Schönheit Dresdens und der massiven "Kultur" können sich sicher sehr viele Dresdner identifizieren. Aber Kultur allein macht es nicht! Nach meiner Meinung ist auch Arbeit - für viele sogar hauptsächlich - ein Idenditätsanker. Wie sieht es damit hier in Dresden aus? Vor Jahren war ROBOTRON ein solcher Anker. Was wird damit gemacht? Platt gemacht - völlig unsensibel. Um Platz zu schaffen für 08-15 Wohnbauten!!! Dem Vernehmen nach sollen sie "schön" werden. Ich bin gespannt!

  20. Oldie (90)

    Sachsenland, Meckerland. Das ist leider weltbekannt.HIerzunieden nie zufrieden, wollen viele immer nur haben, um sich am Reichtum der Nachbarn zu laben. Politiker, das ist eine Rüge, beziehen viel zu hohe Bezüge.Wer weiß schon, was die AfD ist, wenn man auf Märkten heeße Wirschgtl (fr)isst). UNd die jungen Nazi-enkel hau`n sich vor Freude auf die Schenkel und marschieren stolz durch Dresden, als wäre kein Zweiter Weltkrieg gewesen. Und bald gibt es eine Blaue Baddei. " Petry Heil", wer immer dieses auch sei.Und AfD-Wähler tun einem Leid (weil Ihr zu weit weg vom Verstande seid).Und Ostzonenland, ich werd`mir`s ersparen, wird nicht nur von mir nicht mehr angefahren. Nur die alalerdümmsten Kälber (sagte mal einer) wählen ihre Metzger selber.

  21. drops

    @13 Stefan E: ein Einwanderungsgesetz wurde schon vor Jahren von CDU/CSU torpediert, obwohl es von allen anderen Parteien mehr oder weniger gefordert wurde. Frage: welchen besonderen Lösungsansatz finden Sie bei der AfD, der diese Partei von anderen unterscheidet und dabei nicht explizit auf rassische, religiöse oder soziale Abgrenzung setzt? Als AfD-Wähler müssen Sie sich dann zu Recht gefallen lassen, mit Rassisten und Rechten in einen Topf geworfen zu werden.

  22. bürger

    @Ein Pesterwitzer: Arbeit? Sieht super aus in DD, besser als im Ruhrpott oder Bremen. Robotron? OMG, stellen Sie sich mal ein VEB-Handy vor, da assoziiere ich sofort Schubkarre...

  23. Dresdner

    zu 20.: Schön wie Sie mit 90 noch Reimen können. Leider ist ihr Beitrag nun nicht sehr schön, denn es hilft niemandem weiter, eine Region pauschal in eine bestimmte Ecke zu stellen. Obwohl Sie sich wahrscheinlich mächtig schlau vorkommen, kann ich nur vermuten, dass Sie trotz fortgeschrittenem Lebensalter wohl im Leben tatsächlich doch nicht so viel verstanden oder gelernt haben, wie man es von einem 90-Jährigen erwarten würde. Anderenfalls würde man doch auf solchen Unsinn verzichten, jedenfalls wenn ich von mir ausgehe. Schade! Viele Grüße von einem jüngerem Dresdner.

  24. R.B.

    Im Zusammenhang mit den Flüchtlingen wurde oft von Weltoffenheit gesprochen. - Wer verursacht(e) die Flüchtlingskrise? Wie wird hier das Verursacherprinzip bezüglich der Flüchtlingshilfe in Anspruch genommen? Haben wir nicht bei der Einigung Europas (27 Nationen) eine riesige Aufgabe und müssen wir unbedingt die Probleme fremder Länder importieren und bei uns austragen lassen! Flüchtlinge aufnehmen, ja und in gewissen Grenzen! Aber, diese sind hier zuerst Gäste und haben sich als solche zu benehmen. Im Ausland sollten und müssen wir als dortige Gäste dieses nämlich auch! R.B.

  25. Gunter

    Hört, Hört ! Der Wolf hat Kreide gefressen, ich erinnere mich an ganz andere Statement der vergangenen Zeit von Herrn Hilbert. Man stelle sich vor, dieser Artikel wäre einige Wochen früher in dieser Zeitung erschienen, die Medien wären über ihn hergefallen, aber diesen Artikel hätte er damals auch so nicht schreiben lassen. Aber nun, nach diesem blamablen Wahlausgang wird ganz sanft Selbstkritik geübt und da muss schon mal ein Oberbürgermeister ran. Das Kredo der Politik ala Merkel/ Schulz und Co. hieß doch : Alles was wirklich wichtig für die Bevölkerung ist, wird im Hinterzimmer beschlossen und dem staunendem Volke diskussions- und alternativlos präsentiert. und auch ihr, liebe Medien, die ihr mitgespielt habt, seht euch hier durchschaut, die Realität hat euch eingeholt.

  26. J.G.

    Welcher Partei gehört Herr Hilpert an ? Ich weiß es wirklich nicht ? War der aus der FDP nicht raus ? Jetzt wieder drin ? Ich fürchte, manche Politiker von dem Kaliber bald bei Der AfD wiederzufinden.

  27. MoNe

    Nr. 20: 90 - Ist das Ihr Alter odet Ihr IQ? Bleiben Sie ruhig dort, wo Sie jetzt sind. Sie machen sich ja nicht mal die Mühe, das Ganze zu verstehen. Sie reimen doch gern. Da gibt es einen schönen Spruch vom Fuchs und vom Wessi.

  28. M.H.

    Es geht nicht mehr darum, eigene Positionen von oben herab durchsetzen zu wollen mittels Überredungskunst. Die Leute sind mündig, sehen, was mit Wahrheit und Gerechtigkeit passiert und haben somit Gründe für ihr plurales Denken. Ob das dann tatsächlich zu Wahrheit und Gerechtigkeit führt, steht auf einem anderen Blatt. Auszug aus der Süddeutschen von heute, W. Heitmeyer:" Die Solidargemeinschaft, wie es sie in den 1990er Jahren noch gab, erodiert unter dem massiven Druck der Durchsetzungs- und Konkurrenzlogik des Kapitals, dem die herrschende Politik folgt. Wenn dann Teile der Politik gleichzeitig vom gesellschaftlichen "Zusammenhalt" reden, dann ist das bloße Ideologie und Ablenkung." Damit genau diese Einschätzung, die der Beobachtung der Realität folgt, als Kette durchbrochen werden kann, müssen, Herr Hilbert, m.E. Runde Tische etabliert werden, die zu Entscheidungsfindungen auf Augenhöhe führen müssen. Nicht "Runder Tisch gegen rechts" wie in Aachen, sondern reden mit jedem! Pax

  29. Werner Otto

    Viele der Forschungs- und Kultureinrichtungen in Dresden bezahlt der bundesdeutsche Steuerzahler. Das Handelsblatt berichtet: "In Dresden beispielsweise habe das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner Anfang der 2000er Jahre über dem Bundesdurchschnitt gelegen. Aber seit zehn Jahren gehe es relativ zum Bundesdurchschnitt zurück und habe zuletzt sogar wieder daruntergelegen. „Auch Studien aus Großbritannien oder den USA zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und fremdenfeindlichen Einstellungen gibt“, sagt der Ökonom." Wie lange wird die AfD noch zulassen, dass in Dresden Steuergelder verschwendet werden?

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