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Donnerstag, 13.08.2015

Raupennest baut Großküche um

Die Küche im Gesundheitszentrum in Altenberg muss dringend umgebaut werden. Der Betrieb kommt deswegen nicht zum Stehen.

Von Mandy Schaks

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Franziska Rehn, Fachkraft für Gastrogewerbe aus Geising, arbeitet in der provisorischen Waschstraße des Raupennests.
Franziska Rehn, Fachkraft für Gastrogewerbe aus Geising, arbeitet in der provisorischen Waschstraße des Raupennests.

© Frank Baldauf

  • Franziska Rehn, Fachkraft für Gastrogewerbe aus Geising, arbeitet in der provisorischen Waschstraße des Raupennests.
    Franziska Rehn, Fachkraft für Gastrogewerbe aus Geising, arbeitet in der provisorischen Waschstraße des Raupennests.
  • Silvio Geisler, Fußbodenleger aus Sandersdorf in Sachsen-Anhalt, arbeitet in der im Bau befindlichen Küche des Raupennestes in Altenberg am Fußboden.
    Silvio Geisler, Fußbodenleger aus Sandersdorf in Sachsen-Anhalt, arbeitet in der im Bau befindlichen Küche des Raupennestes in Altenberg am Fußboden.

Altenberg. Hans-Jürgen Münch öffnet eine Tür zum Raupennest. Dort darf zurzeit niemand hinein. Sei denn, der Klinik-Leiter geht voran. Behutsam wählt er Schritt für Schritt und weist den Weg über Kabel und vorbei an Kübel. Er sagt gerade noch: „Vorsicht!“. Doch ehe er den Satz beenden kann, ist schon zu riechen, was er sagen wollte. Ein äußerst unangenehmer Geruch fährt in die Nase – nicht beißend, nur übel.

Die Bauarbeiter grinsen und beruhigen: Der Gestank sei nicht gesundheitsschädlich, vielmehr müssten ihn viele Leute sogar aus der Medizin kennen. Wenn Zahnärzte einen Abdruck machen, erklären sie, verwenden sie eine Masse auf der Basis desselben Stoffes. Nur kommt der hier nicht in den Mund, sondern auf den Fußboden. Die Kunstbeißer liegen hier sozusagen mitten in der Küche.

Hans-Jürgen Münch streicht mit der Hand über eine Stelle, auf welcher der grau-bräunliche Belag schon fest geworden ist. Er ist zufrieden. „Absolut wasserdicht!“, sagt er. Das war das Grundübel, weshalb sich der Chef vom Gesundheitszentrum entscheiden musste, in diesem Jahr rund 700 000Euro in die Großküche zu investieren. Er verhehlt nicht, dass er das Geld lieber in die Sanierung der Zimmer gesteckt hätte, in Qualität, die der Gast sieht. Doch dann kam die Küche dazwischen.

Alles gleich im Ganzen

Es gab zunehmend Probleme, die keinen Aufschub mehr duldeten. „Der Fußboden war nach 18 Jahren nun mal undicht geworden“, sagt Münch. „Wasser lief irgendwo weg und kam im Keller raus.“ Lag es am Abfluss? Oder an einer Fliesenfuge? Keiner weiß es, die schadhafte Stelle ließ sich einfach nicht finden. Also musste der Fußboden raus und neu gemacht werden. Und weil deshalb ohnehin die gesamte Einrichtung, die auch schon in die Jahre gekommen ist, ausgebaut werden muss, wird gleich die komplette Küche erneuert, vom Fußboden über die Elektroleitungen bis hin zu den Geräten.

Die Küchentechnik wird dabei von Gas auf Elektro umgestellt. Das ist die hygienisch sauberere Lösung. Zudem werden alle Geräte zusammengeschaltet, um den Energieverbrauch zu optimieren. Steigt die Stromabnahme über ein bestimmtes Level, schaltet sich automatisch zum Beispiel die Herdplatte kurz ab. „Der Koch merkt davon gar nichts“, erläutert Münch. Der Klinik-Chef allerdings schon. „Das spart Energiekosten.“

Bessere Arbeitsbedingungen

Vor dem Umbau haben sich Mitarbeiter außerdem noch einmal die Arbeitsabläufe angeschaut, damit sie sich das Leben so leicht wie möglich machen. „Insgesamt verbessern sich zugleich die Arbeitsbedingungen“, resümiert Münch. Doch zuvor heißt es, tapfer sein und die schwierige Situation mit vereinten Kräften zu meistern. Denn der Arbeitsaufwand insbesondere für das Küchen- und Servicepersonal ist seit dem Baubeginn am 6.Juli deutlich höher. Zwar hat die Geschäftsleitung die Belegung gedrosselt, statt maximal 355 Gäste sind jetzt höchstens 240 im Haus. Aber auch die wollen etwas zu essen haben.

Frühstück und Abendbrot werden von den Mitarbeitern selbst in einer Behelfsküche zubereitet. Das Mittagessen kocht das Hotel Lugsteinhof in Zinnwald. „Das klappt sehr gut“, lobt Münch. „Toi, toi, toi – wir haben noch nicht eine Kritik von Patienten am Essen, obwohl wir umgestellt haben.“ Die Gerichte werden im Bistro vom Raupennest angeliefert, deshalb öffnet es derzeit auch erst 13.30 Uhr. Dort ist die Essenausgabe. Das Service-Personal bringt dann die angerichteten Teller zu den Gästen in den Speisesaal.

Danach kommt das Geschirr auf Servierwagen und wird Stück für Stück in den Werkshof transportiert. Dort steht ein Spülanhänger, den das Raupennest für zwei Monate geleast hat. Teil für Teil wandert durch die Waschstraße und wieder ins Haus zurück. Zum Glück spielt das Wetter mit. Und die Mitarbeiter freuen sich, dass alles bald ein Ende hat und sie dann in einer tollen Küche arbeiten dürfen. „Am 31. August soll hier wieder gekocht werden“, kündigt Münch an.