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Rathaus-Sanierung wird teurer

Die Kosten für den Umbau des historischen Gebäudes erhöhen sich um ein gutes Drittel. Das hat verschiedene Gründe.

07.10.2017
Von Nina Schirmer

anierung wird teurer
Nicht 1,1 Millionen Euro wie geplant, sondern voraussichtlich 1,5 Millionen Euro wird die Sanierung des historischen Rathauses in der Pestalozzistraße kosten. Einen Großteil kann die Stadt durch Fördermittel finanzieren, aber sie muss auch selbst mehr zahlen.

© Norbert Millauer

Radebeul. Grundsteinlegung im August und ein Jahr später im September schon die Einweihung. Vor mehr als 100 Jahren klappte das noch. Es wurde zügig und trotzdem solide gebaut. Das Rathaus in der Pestalozzistraße stand innerhalb von 13 Monaten. Im Jahr 1900 zog die Verwaltung ein. Ein Tempo, von dem viele Bauherren heute träumen können, zumal bei solch einem Großprojekt.

Mit der Sanierung des historischen Rathauses geht es heutzutage nicht ganz so schnell voran und der Umbau wird außerdem teurer, als ursprünglich geplant. Der Finanzausschuss hat kürzlich beschlossen, zusätzliche Mittel für den Umbau bereitzustellen. Für die Kostensteigerung nennt die Stadt verschiedene Gründe.

Wie so oft bei historischen Bauten seien Umplanungen erforderlich gewesen, sagt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). Vieles sei erst sichtbar geworden, als mit dem Bau tatsächlich begonnen wurde. Bei der Kostenplanung zuvor konnte nur das eingerechnet werden, was äußerlich zu sehen war, weil der Verwaltungsbetrieb weiterlief und das Rathaus auch für die Bürger geöffnet hatte.

Wie es um die Statik bestellt war, habe sich erst mit Baubeginn in den jeweiligen Bereichen gezeigt und nachdem die Geschossdecken geöffnet wurden. Dann sei sichtbar geworden, dass unter anderem Leitungen anders gelegt werden müssen und Abschottungen für den Brandschutz erforderlich sind. Der Brandschutzprüfer habe außerdem feuerresistente Durchdringungen in den Decken und für die Medienleitungen verlangt. Teurer wurden auch die Malerarbeiten, weil der Putz schon so marode war.

Zuletzt war das Rathaus Mitte der 1990er-Jahre umfangreich saniert worden. Außerdem musste die Stadt bei den Fliesenlegearbeiten draufzahlen.

Im Mai dieses Jahres ging dann noch ausgerechnet die Firma pleite, die mit den Rohbauarbeiten beauftragt war. Bauverzögerungen waren die Folge.

Nicht zuletzt nennt die Stadt die aktuellen Preise auf dem Markt als Grund für die Kostensteigerung. Ein Problem, mit dem die Verwaltung zuletzt auch schon beim Straßenbau zu kämpfen hatte. Sowohl für den Bau eines neuen Radwegs Am Gottesacker wie auch für die Sanierung der Hermann-Ilgen-Straße musste sie mehr Geld lockermachen, weil die Angebotssummen der Baufirmen so hoch lagen.

2014 waren für die Sanierung des historischen Rathauses rund 1,1 Millionen Euro veranschlagt. Die Sächsische Aufbaubank sagte eine finanzielle Förderung von 85 Prozent zu. Zwei Jahre später stand fest: Die Sanierung wird rund 300 000 Euro teurer, die Fördermittel wurden dementsprechend aufgestockt. Und nun musste die Stadt weitere Mehrkosten in Höhe von rund 93 000 Euro anzeigen. Die Entscheidung zu einem erneuten Fördermittelantrag stehe noch aus.

nsgesamt wird die Rathaussanierung voraussichtlich fast 1,5 Millionen Euro kosten. Die Stadt schichtet dafür auch noch Geld um. 25 000 Euro die für die Sanierung der Wach’schen Villa gedacht waren, fließen jetzt zunächst ins Rathaus. Die Villa sei dann später dran.

Wer im Rathaus Erledigungen zu machen hat, kann sehen, was sich dort alles in den vergangenen Monaten getan hat. Auf allen Etagen gibt es jetzt einen Zugang zum neuen Fahrstuhl. Das historische Rathaus ist damit als letztes Gebäude der Stadtverwaltung barrierearm ausgebaut. Fertig ist auch der Ratssaal. Zwei Stadtratssitzungen fanden im frisch sanierten Raum schon statt, der seinen ursprünglichen Charakter von 1900 zurückbekam und mit moderner Technik ausgestattet wurde.

Die einzelnen Flure sind mit Brandschutztüren aus Glas vom Treppenhaus abgetrennt. Aus Denkmalschutzgründen durfte das Rathaus keinen zweiten Fluchtweg in Form einer Außentreppe bekommen. Durch die Brandschutztüren kann das Treppenhaus im Falle eines Brandes vom übrigen Gebäude abgeschlossen werden, damit kein Rauch eindringt.