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Rathaus räumt auf

Die Verwaltung will sich von einigen Gebäuden trennen. Denn Geld kosten diese auch, wenn sie nicht genutzt werden.

08.10.2017
Von Britta Veltzke

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Der Freizeittreff von Leutewitz hat ausgedient. Für Dorffeste sollen nach dem Abriss aber zumindest ein Stromanschluss und die Toiletten übrig bleiben.

© Sebastian Schultz

Riesa. Ein bisschen leid tut es Ulrich Matz schon. Das kann der Ortschaftsrat nicht verbergen, wenn er über den Freizeittreff Leutewitz spricht. Die Stadt will das Gebäude abreißen, zumindest teilweise. Im Grunde findet Matz das auch richtig. „Das Gebäude wird leider nicht mehr genutzt. Wir sollten uns auf das konzentrieren, was noch gebraucht wird. “ Das ist im Falle von Leutewitz die alte Schule. Der Ortschaftsrat trifft sich dort, die Feuerwehr nutzt das Gebäude, in dem sich außerdem noch eine kleine Bibliothek befindet.

Der Freizeittreff am Ortsausgang in Richtung Schänitz hingegen verkommt. „1988 wurde das Gebäude für die 800-Jahr-Feier von Leutewitz gebaut. Danach wurde es als Jugendklub genutzt“, erklärt Ulrich Matz. Doch das sei vorbei. Es gebe zwar noch Jugendliche im Ort, aber die fänden nicht mehr so zueinander wie die Jugend früher. „Die gehen alle auf unterschiedliche Schulen, haben andere Freizeitinteressen, als sich gemeinsam in einem Jugendklub zu versammeln.“ Auch als Familientreff habe der Bau an der Leutewitzer Straße ausgedient. „Das Gebäude entspricht heutigen Standards nicht mehr. Eigentlich war es auch nur für die Nutzung im Sommer gedacht. Es gibt also keine vernünftige Dämmung.“ Es habe sich immer wieder Schimmel gebildet, so Ulrich Matz. Inzwischen hat die Stadt das Gebäude vorübergehend geschlossen.

Bis es abgerissen wird, wird das vermutlich auch so bleiben. Erhalten werden sollen lediglich die Toiletten und der Stromanschluss. Damit auf dem Dorfplatz auch künftig noch Feste gefeiert werden können. Aus Sicht des Leutewitzer Ortschaftsrates eine vernünftige Lösung. Der alte Freizeittreff ist nur eines von neun Gebäuden, die die Stadt loswerden will. Sie stehen auf einer Abrissliste (siehe Anhang), die das Rathaus jetzt veröffentlicht hat. Die Bauten der Priorität eins sollen laut Bauamtsleiterin Ina Nicolai noch in diesem, spätestens aber im nächsten Jahr fallen. Hintergrund ist, dass die verwaisten Gebäude auch dann Geld kosten, wenn sie nicht genutzt werden. Manche Objekte sind derart marode, dass die Stadt sie mit Zäunen sichern muss. Für andere fallen Versicherungskosten an. Freiwerdende Flächen kann die Stadt zudem anderweitig nutzen, in einzelnen Fällen auch verkaufen.

Mit auf der Liste steht auch das Toilettenhäuschen am Rathausplatz. Das wird zwar noch genutzt, entspricht aber ebenfalls nicht mehr heutigen Standards und ist laut Infos der Verwaltung sehr reparaturanfällig. Allein im Jahr 2016 verursachte die Anlage rund 10 000 Euro Kosten. Die Sanierung lohnt sich aus Sicht der Stadt nicht mehr. Ganz verzichten kann die Stadt auf ein „stilles Örtchen“ hier aber nicht. Die Toiletten werden zu den Wochenmärkten und Veranstaltungen wie dem Stadtfest gebraucht. Ein Neubau soll noch vor dem Tag der Sachsen 2019 kommen – vielleicht aber an anderer Stelle.

Stadträte wie Volker Thomas (Linke) halten den Standort direkt neben der Käthe-Kollwitz-Grundschule nicht für optimal. Ein bisschen Bauchschmerzen hat er auch noch bei einem anderen Objekt auf der Abrissliste. Die Rede ist vom Brunnenhaus an der Merzdorfer Straße. „Das Gebäude ist zwar in einem schlechten Zustand, aber es ist nach wie vor zu sehen, dass es eine architektonische Besonderheit ist.“ Es wäre schön, wenn sich noch ein Liebhaber finden würde, der sich dem Brunnenhaus annimmt. Das sieht auch die Stadtverwaltung so. Bevor es endgültig abgerissen wird, soll der Backsteinbau noch mal im Amtsblatt zum Kauf angeboten werden. Fest steht, dass die Sanierung am Ende teurer sein dürfte als der Kaufpreis. Laut Verwaltung hat das Gebäude aktuell noch einen Restbuchwert von zwei Euro.