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Mittwoch, 28.11.2012

Ratgeber für geistig behinderte Eltern bekommt Preis

Sie sind meist ganz liebevolle Eltern, müssen aber Defizite in der eigenen Entwicklung ausgleichen. Geistig behinderte Eltern brauchen Unterstützung. Ein solches Angebot liegt jetzt in Buchform vor.

Dresden/Berlin. Der Verein Lebenshilfe Dresden hat einen Ratgeber für geistig behinderte Eltern erstellt und bekommt dafür den mit 4.000 Euro dotierten Hermine-Albers-Preis. Die Auszeichnung werde als Deutscher Kinder- und Jugendhilfepreis an diesem Donnerstag in Berlin verliehen, teilte die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe am Mittwoch mit. Der Band gibt Tipps für die Betreuung der Kinder von der Geburt bis zum ersten Geburtstag.

Eltern können sich an Piktogrammen in unterschiedlichen Farben gut orientieren. Wiederholungen in der Gestaltung sind für den Lerneffekt gedacht. Achtungszeichen weisen auf Besonderheiten im Tagesablauf hin, auch auf besondere Gefahrenquellen und Bedürfnisse des Kindes. Alle benötigten Gegenstände für die Pflege sind auf Bildern dargestellt.

Bei der Lebenshilfe in Dresden war das Team „Hilfen zur Erziehung“ für den Ratgeber zuständig. Es begleitet 15 Familien mit geistig behinderten Eltern in ihrem Alltag. Auch diese Eltern hätten den Wunsch, ihre Kinder im eigenen Wohnraum selbst zu versorgen und aufzuziehen, hieß es. Bei ihrer Arbeit stellten die Familienhelfer fest, dass ein Ratgeber in leicht verständlicher Sprache hilfreich wäre.

„Menschen, die kaum lesen und schreiben, können sich so besser an Bildern und einfacher Formulierung Anleitung und Rat für die Versorgung ihres Babys holen“, sagte eine Mitarbeiterin auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Unterstützt wurde das Vorhaben mit Geld aus dem Europäischen Sozialfonds.

Der Hermine-Albers-Preis wird von der Arbeitsgemeinschaft der obersten Landesjugendbehörden gestiftet und alle zwei Jahre vergeben. Die Dresdner bekommen ihn in der Kategorie Praxis. Den ebenfalls mit 4.000 Euro dotierten Medienpreis 2012 erhält der Autor Eric Breitinger für sein Buch „Vertraute Fremdheit. Adoptierte erzählen“. Der Theorie- und Praxispreis wird an Birgit Jagusch für ihre Dissertation zu Vereinen für Jugendliche mit ausländischen Wurzeln verliehen. Hermine Albers (1894-1955) setzte als Sozialpädagogin Maßstäbe für die Kinder- und Jugendarbeit. (dpa)