Freitag, 07.12.2012

Radfahrer trotzen dem Winterwetter

Bei Kälte und Schnee rollen bis zu 3.000 Radler pro Tag über die Albertbrücke. Und es könnten noch mehr sein, findet die Radlobby.

Von Tobias Winzer

Anna Dippe nutzt das Rad täglich für den Weg zur Arbeit - auch bei Schneefall. Als Dankeschön gab es dafür gestern einen Schokoweihnachtsmann vom ADFC. Foto: Sven Ellger
Anna Dippe nutzt das Rad täglich für den Weg zur Arbeit - auch bei Schneefall. Als Dankeschön gab es dafür gestern einen Schokoweihnachtsmann vom ADFC. Foto: Sven Ellger

Dresden. Anna Dippe quälte sich gestern früh bei dichtem Schneetreiben über die rutschige Behelfsbrücke neben der Albertbrücke. „Wenn es irgendwie geht, nehme ich das Rad“, sagt sie. Damit sei sie einfach am schnellsten.

Bei ihr und anderen unerschrockenen Radfahrern hat sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) gestern mit einem Schokoweihnachtsmann bedankt. „Kälte und Schnee sind kein Hindernis fürs Radfahren“, sagt der Vorsitzende des ADFC in Sachsen, Olaf Matthies. „Eigentlich müsste die Stadt aber an unserer Stelle stehen, weil durch die Radfahrer Busse, Straßenbahnen und Straßen entlastet werden.“ Die Stadt tue aber zu wenig dafür.

Um das anschaulich zu demonstrieren, wurde als Ort der Aktion die Kleine Albertbrücke gewählt. Bei gutem Wetter rollen durchschnittlich 9.000 Radfahrer über die Elbquerung. Im Winter, so schätzt der ADFC, sind es immerhin noch etwa 2.000. Nirgendwo sonst in Dresden sind so viele Radfahrer unterwegs. Das enspräche zehn vollbesetzten Straßenbahnen oder 1.600 Pkw-Fahrten, sagt Matthies.

Nachdem es nach der Eröffnung im vergangenen Jahr auf der Kleinen Albertbrücke etliche Stürze wegen Glätte gegeben hatte, lässt die Stadt in diesem Winter zumindest regelmäßig streuen. Dreimal täglich werde sie kontrolliert, sagt der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes, Reinhard Koettnitz. „Zufrieden sind wir damit aber noch nicht“, entgegnet Matthies. „Die Brücke ist einfach falsch gebaut.“

Er macht sich dafür stark, dass die Stadt mehr Radwege räumt statt nur zu streuen. „Wir haben bei der Stadt nachgefragt. Das würde zehn Cent pro Quadratmeter kosten.“ Um die wichtige Verbindung für Radfahrer von der Äußeren Neustadt entlang der Güntz- und Lennéstraße bis zur Technisschen Universität freizuräumen, wären 400 bis 450 Euro pro Wintertag zusätzlich nötig. „Autofahrern wird das Fahren im Winter ermöglicht. Warum nicht auch den Radfahrern?“, sagt Matthies.

Allen Radlern, die auch im Winter unterwegs sind, empfiehlt er, generell vorsichtiger zu fahren. Der Sattel sollte ein bisschen nach unten gestellt werden, um im Notfall mit den Füßen schneller den Boden zu erreichen. Weniger Luft auf den Reifen erhöhe außerdem den Halt bei Glätte. Im Handel gebe es auch spezielle Winterreifen für Fahrräder mit Spikes.