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Dienstag, 01.03.2016

Radfahrbüro soll Dresdner Sicherheitsprobleme lösen

Radfahren ist kein Schwerpunkt in der Stadtverwaltung. Der ADFC fordert deshalb, Experten für Radverkehr im Rathaus zu etablieren.

Von Tobias Wolf

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Gefahrenstellen wie an der Kreuzung Bautzner/Rothenburger Straße gibt es immer noch zuhauf in der Stadt. Ein Radverkehrsbüro in der Verwaltung könne Abhilfe schaffen, sagt der ADFC.
Gefahrenstellen wie an der Kreuzung Bautzner/Rothenburger Straße gibt es immer noch zuhauf in der Stadt. Ein Radverkehrsbüro in der Verwaltung könne Abhilfe schaffen, sagt der ADFC.

© Sven Ellger

Dresden. Viele sind in den vergangenen Jahren auf das Fahrrad umgestiegen. Laut Rathaus lag der Radanteil am Dresdner Verkehr 2014 bei 17 Prozent – etwa dreimal so hoch wie noch Anfang der 1990er-Jahre. Die passende Verkehrsinfrastruktur dazu gibt es nicht. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) fordert deshalb, im Rathaus ein Büro mit bis zu fünf Mitarbeitern zu installieren, das sich nur um den Radverkehr kümmert, sagt Vorstand Nils Larsen.

Andere deutsche Großstädte seien wesentlich weiter. Die Experten der dortigen Büros sind bei allen Planungen beteiligt und berücksichtigen so die Interessen von Radfahrern bei Straßenneubauten oder Sanierungen. Beispiel Frankfurt/Main: Dort sind ein Service-Netzwerk sowie neue Radverkehrsanlagen und Abstellmöglichkeiten entstanden. Beim Straßenausbau reden die Planer des Frankfurter Büros ebenso mit. Das erklärte Ziel: Die Mainmetropole will den Radverkehr noch attraktiver machen. Über eine Internetseite können dort auch Schäden an Radwegen, hohe Bordsteinkanten, verwirrende Schilder oder fehlende Markierungen gemeldet werden.

Großstädte wie Köln haben ebenfalls solche Strukturen geschaffen und damit gute Erfahrungen gemacht. Der ADFC beklagt, dass es in Dresden zu viele Gefahrenstellen für Radler gibt und manche Stadtteile nur über schlechte Wege zu erreichen sind. Erst am 8. Februar war eine junge Frau auf der Bautzner Straße nach einem Zusammenstoß mit einem Lkw gestorben.

Angesichts des sechsten tödlichen Unfalls innerhalb des letzten Dreivierteljahres sei die erste Rückmeldung der Verwaltung, dass man an der Bautzner Straße kurzfristig nichts unternehmen will, inakzeptabel, sagt ADFC-Vorstand Larsen. Lange sei der Klub davon ausgegangen, dass Geldmangel eine gute Rad-Infrastruktur verhindere. „Seit letztem Jahr wissen wir, dass das Geld für Radverkehrsanlagen seit Jahren nur zu einem Bruchteil ausgegeben wird.“

Mindestens eineinhalb Millionen Euro schlummern ungenutzt im Stadtsäckel, die längst verbaut sein sollten. Aus dem Straßenbauamt heißt es, es gebe nicht genug Planer. Hier setzt der ADFC an. Mehrere Experten seien besser als die derzeitige Variante mit einer Fahrradbeauftragten, die eine rein repräsentative Rolle spiele, keine Verantwortung, kein Vetorecht bei der Straßenbauplanung und auch keine Mitarbeiter habe.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 28 Kommentare

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  1. Horst aus'm Horst

    [Kommentar eines 365 Tage/ Jahr Radfahrers] Die Schaffung einer entsprechenden Stelle hätte aus meiner Sicht den Vorteil, dass vor allem sinnvolle Vorschläge und Anmerkungen bei den Planern eingehen könnten. Ich kann natürlich nur für mich selber sprechen, aber bspw. sehe ich die o.g. Bürgerstaße weder als so drastisch an, noch glaube ich, dass sich die Situation dort signifikant entschärfen lässt, da dies aus meiner Sicht baulich nicht möglich ist (Radweg) und ich an dieser Stelle auch ein "Radfahrer frei" auf den Fußwegen für unsinnig erachte. Sinnvoller wäre bspw. wenn man sich Gedanken machen würde wie man die Situation Stadtauswärts auf der Leipziger Straße in den Griff bekommt. Insbesondere auf dem gesamten Teilstück zwischen Haltestelle Mickten und Geblerstraße kommt es (für mich) immerwieder zu unschönen Situationen mit PkW. Den Fußweg zu befahren ergibt, trotz Freigabe, aus baulicher Sicht meist wenig Sinn. Nur so....

  2. HUGO

    ... und wann bekommen wir Fußgänger eine Expertenvertretung im Rathaus? Und was heißt EXPERTE? Ist das schon ein Radfahrer, der weiß, dass man nicht auf dem Fußweg zu fahren hat??? Das arrogante Gehabe der Radler geht mir auf den Zünder. Wer schafft endlich begehbare Bürgersteige in z.B. Striesen und beleuchtet diese auch ordentlich? Dafür reicht das Geld nicht. Ist ja auch nur für Fußlatscher. Aber Radwege zu Rennwegen ausbauen, dafür wird gekämpft. Prost.

  3. Hufi

    Wenn die 5 Mitarbeiter dann ständig unterwegs sind, um Verkehrsteilnehmern die Verhaltensregeln im Straßenverkehr zu erläutern, können Sie vielleicht einen Beitrag zu Beseitigung von Sicherheitsproblemen leisten ...

  4. Michael H.

    Mit noch mehr Bürokratie wird das Problem fehlender gegenseitiger Rücksichtnahme im Straßenverkehr nicht gelöst. Aber man kann so für Nahestehende Pöstchen schaffen und Geld verbraten.

  5. sächsischer Schweizer

    ...der ADFC fordert....(gähn) Angesichts der Verrohung der Siten im Straßenverkehr fordere ich als Verkehrsteilnehmer erst einmal härteres Vorgehen gegen Rüpelradler!

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