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Mittwoch, 13.05.2009

Querfeldein mit Duo Kurzschluss

Von Andreas Körner

Das „kleine“ Kino durchlebt seit einiger Zeit schon eine sehr wohltuende Phase – die der kurzen Filme: „Old Joy“, „Wir sind alle erwachsen“ und „Tage oder Stunden“ bringen es jeweils nicht mal auf die ominösen eineinhalb Stunden. Bouli Lanners scheint da nicht nachstehen zu wollen: 75 Minuten „Eldorado“, und Schluss! Alles gesagt, alles getan, gelacht, vielleicht geheult. Zufrieden.

Yvan (Lanners) wirkt wie eine Promenadenmischung aus Big Lebowski und Bud Spencer. Typgemäß handelt er mit Straßenkreuzern, und das in Belgien! Als er eines Abends den spacken Elie (Fabrice Adde) unter seinem Bett findet, der unbedingt vorhatte, Yvans Kleingeld zu klauen, ist die Störung der Idylle perfekt. Doch Yvans hinter Knurren versteckte Gutmütigkeit dechiffriert ziemlich schnell die Armseligkeit des Junkies. Und als Elie glaubwürdig versichert, er wolle doch nur zu seinen Eltern an die französische Grenze, lässt sich Yvan breiter schlagen als gedacht. Das Duo Kurzschluss macht sich auf die Reise in einem 79er Chevrolet. Welch Zufall, es ist auch Elies „Baujahr“.

Leise, poetisch, sanft, sehr skurril und hintergründig-witzig ist es, den beiden zuzusehen und vor allem zuzuhören, wenn sie nichts sagen. Sind ihre Begegnungen unterwegs noch klassisch schräg, so atmet das Wiedersehen Elies mit seinen Eltern dann Tragik, denn auch Eigenbrötler Yvan fühlt sich plötzlich an Familie erinnert. Ein Roadmovie als Symbol für Einkehr. Grandiose Landschaft! Grandiose Musik! Und die Kerle erst!

„Eldorado“ - Programmkino Ost, DD