erweiterte Suche
Montag, 13.11.2017 Gerichtsbericht

Quad-Crash ohne Versicherung und Führerschein

Ein Freitaler rammt in voller Fahrt den VW einer Glashütterin in Dippoldiswalde. Er hätte nicht fahren dürfen – mal wieder.

Von Stephan Klingbeil

© Symbolbild/dpa

Freital. Aus dem Augenwinkel sah die VW-Fahrerin das Vehikel noch auf sich zuschießen. Die 38-Jährige aus Glashütte war gerade auf der Alten Dresdner Straße in Dippoldiswalde unterwegs – da rammte ein Quad sie mit voller Wucht. Das Gefährt kam von einem Feld. „Ich dachte, der bremst, der muss doch bremsen – warum bremst der denn nicht?“, erinnert sich die 38-Jährige als Zeugin am Amtsgericht Dippoldiswalde.

Dort wurde vor Kurzem dem 26-jährigen Quadfahrer der Prozess gemacht. Der arbeitslose Freitaler war an jenem 27. Mai dieses Jahres mit dem Quad auf dem Feld unterwegs –  ohne Haftpflichtversicherungsschutz und auch ohne Führerschein. Denn dieser war dem Mann wegen ähnlicher Vergehen und nach zwei vorherigen Gerichtsprozessen abgenommen worden.

Wie es zu dem Unfall kam, wisse der Angeklagte nicht mehr. „Ich weiß von dem kompletten Tag nichts mehr“, erklärt er vor Gericht. Bei dem Zusammenprall mit dem VW war er verletzt worden und musste ins Krankenhaus. „Aber es kann schon sein, dass alles so stimmt, wie es in der Anklage steht.“ Bei dem Unfall entstand allein an dem VW ein Sachschaden von 10 600 Euro. Da das Quad nicht versichert war und der Freitaler laut Gericht bisher nicht auf Zahlungsaufforderungen reagiert hatte, ist unklar, ob die Frau aus Glashütte die Reparatur der Schäden erstattet bekommt.

„Ich könnte 8 000 Euro auftreiben, den Schaden vielleicht in Form von Ratenzahlung wiedergutmachen“, schlägt der Angeklagte vor, den die Frau eindeutig als den Quad-Fahrer wiedererkannt hat. Der Staatsanwalt wundert sich, wie der arbeitslose Mann so viel Geld auftreiben will.

Die Staatsanwaltschaft hält dann eine achtmonatige Bewährungsstrafe für angemessen. Das Gericht blieb etwas unter der Forderung. Es verurteilte den 26-Jährigen zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Zudem darf dem Angeklagten nach rechtskräftigem Urteil anderthalb Jahre lang keine Fahrerlaubnis erteilt werden. „Geldstrafen haben sie bisher offenbar nicht beeindruckt, und sie stehen nun schon das dritte Mal binnen drei Jahren vor Gericht“, so Strafrichter Christian Mansch. „Da muss es jetzt eine Freiheitsstrafe sein.“ Diese könne man aber noch zur Bewährung aussetzen. Die Frau, deren VW erhebliche Schäden davontrug, bleibe indes womöglich auf ihren Kosten sitzen.