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Mittwoch, 25.08.2010

Prozess gegen „Sturm 34“ beendet

Dreieinhalb Jahre nach dem Überfall auf das Café Courage ist nur einer der drei Angeklagten verurteilt worden.

Von Peggy Zill

Döbeln. Keinen freien Platz mehr gab es am Dienstag im Saal 203 des Döbelner Amtsgerichts, als die Verhandlung gegen die mutmaßlichen „Sturm 34“-Mitglieder fortgesetzt wurde. Sie sollen am Überfall auf das Café Courage im Februar 2007 beteiligt gewesen sein. Die Anklage lautete gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung. Am Ende wurde überraschenderweise das Verfahren gegen den 22-jährigen Pierre N. eingestellt. Der 28-jährige Rainer S. wurde freigesprochen und der 26-jährige Carsten J. erhielt eine achtmonatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung.

Nachdem der Prozess am Dienstag vor einer Woche unterbrochen wurde, weil der Kronzeuge nicht erschienen war, konnten gestern die letzten Zeugen vernommen werden. Licht ins Dunkel, wer mit in Döbeln war und wer Tischbeine geworfen hat, sollte der Aussteiger Paul B.* bringen. Der 22-Jährige erntete böse Blicke von der Anklagebank, als der den Saal betrat. Wegen seiner Aussage vor drei Jahren ist es überhaupt erst zur Anklage gegen die drei Männer aus der Nähe von Rochlitz gekommen.

Plan war, Angst zu machen

Bei der Verhandlung konnte er sich jedoch nur noch in Bruchteilen an den besagten Abend erinnern. „Zwei Tage vorher wurde festgelegt, wo es hingeht. Der Plan war, denen Angst zu machen.“ Dann seien die zehn bis 20 Leute mit mehreren Autos von Mittweida nach Döbeln gefahren, hätten sich auf einem Parkplatz versammelt und seien geschlossen zum Café gegangen. Dass die Angeklagten N. und J. dabei waren, da sei er sich sicher. Ob S. beteiligt war, könne er nicht erinnern. Schließlich sei das Ganze schon dreieinhalb Jahre her. Er selbst sei an der Haustür stehen geblieben und könne so auch keine Aussage treffen, wer im Café mit den Stuhlbeinen geworfen habe.

Seine richterliche Vernehmung vom Juni 2007 lag als Beweisstück vor. Damals konnte er sich noch genauer an das Geschehen erinnern. „Das Kommando hatten Carsten und Tom“, las Richterin Weik aus dem Protokoll vor. Drei bis vier Leute seien dann in den Veranstaltungsraum reingegangen. Im Nachhinein haben laut Protokoll Tom W. und Carsten J. erzählt, dass sie Boxen umgeworfen und Leute getroffen haben. Ob diese Aussagen zutreffen, konnte Paul B.* nicht 100-prozentig bestätigen. „Wenn das da so drin steht, dann wird es so gewesen sein“, lautete seine Antwort auf die Nachfragen der Richterin und Anwälte. Am Ende stand die Frage im Raum, ob gegen den Zeugen überhaupt ermittelt wird. Schließlich war er auch mit in Döbeln. Das konnte selbst B. nicht beantworten. „Ich habe alles eingestanden, was ich verbockt habe“, so der 22-Jährige. Einen Überblick über alle Verfahren habe er allerdings nicht. Selbst die damals ermittelnde Staatsanwältin, die als Zeugin geladen war, weil sie bei der protokollierten richterlichen Vernehmung dabei war, konnte nicht sagen, was aus dem Verfahren geworden ist.

Anführer verweigert Aussage

Tom W., mutmaßlicher Rädelsführer der Kameradschaft „Sturm 34“, verweigerte die Aussage vor Richterin Weik, weil gegen ihn noch ein Verfahren wegen Bildung einer krimineller Vereinigung läuft. Daran beteiligt ist übrigens auch der Angeklagte Rainer S.

Noch bevor es zur Urteilsverkündung kam, stellte die Staatsanwaltschaft den Antrag, das Verfahren gegen den Angeklagte Pierre N. einzustellen. Er wurde bereits vor dem Chemnitzer Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Das geschah zwar wegen anderer Straftaten, allerdings nach dem Überfall aufs Café Courage. Im Amtsdeutsch heißt das „Nachträgliche Bildung der Gesamtstrafe“.

Für Rainer S. forderte die Staatsanwaltschaft sieben Monate Freiheitsentzug, ausgesetzt auf Bewährung, da er in wirtschaftlich und persönlich gefestigten Verhältnissen lebt. Sein Anwalt plädierte klar für einen Freispruch, weil die Zeugenaussagen alle unterschiedlich waren, aber niemand S. beschrieben habe. Richterin Weik stimmte dem am Ende zu. „Im Zweifel immer für den Angeklagten.“

Auch Carsten J. beantragte für sich Freispruch. Für das Gericht war jedoch erwiesen, dass er mit im Café war. „Wir müssen nicht nachweisen, ob sie etwas geworfen haben. Es reicht die körperliche Anwesenheit“, so Weik in der Urteilsbegründung. (*Namen geändert)