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Montag, 11.02.2013

Prozess gegen Pfarrer Lothar König

Rauschebart und Jesus-Latschen: Pfarrer Lothar König scheint in kein System zu passen. Zu DDR-Zeiten war die Stasi hinter ihm her. Nun soll er sich für mutmaßliche Straftaten beim Protest gegen Neonazis vor Gericht verantworten.

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Das Dresdner Amtsgericht verhandelt ab dem 19. März gegen den Jenaer Jugendpfarrer Lothar König. Ihm werde vorgeworfen, am 19. Februar 2011 bei Protesten gegen einen Neonazi-Aufmarsch beteiligt gewesen zu sein. 
Das Dresdner Amtsgericht verhandelt ab dem 19. März gegen den Jenaer Jugendpfarrer Lothar König. Ihm werde vorgeworfen, am 19. Februar 2011 bei Protesten gegen einen Neonazi-Aufmarsch beteiligt gewesen zu sein. 

© dpa

Dresden. Dem Jenaer Jugendpfarrer Lothar König wird ab 19. März in Dresden wegen seiner Beteiligung an Protesten gegen Neonazis der Prozess gemacht. Der 58-Jährige ist wegen besonders schweren Landfriedensbruchs, versuchter Strafvereitelung und Beihilfe zum Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt, teilte eine Sprecherin des Dresdner Amtsgerichtes am Montag mit.

König wird vorgeworfen, vor zwei Jahren beim Widerstand gegen den jährlichen Neonazi-Aufmarsch zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zeiten Weltkrieg per Lautsprecher zu Gewalt gegen Polizisten aufgerufen zu haben. Er bestreitet das. Am 19. Februar 2011 war es in Dresden zu Gewaltexzessen gekommen. Rechts- und Linksextreme griffen Polizisten an, mehr als 100 Beamte wurden verletzt.

Die Ermittlungen gegen König lösten seinerzeit Kritik aus. Am 10. August 2011 hatten Polizisten aus Dresden seine Dienstwohnung in Jena durchsucht und unter anderem einen Computer und Schriftstücke beschlagnahmt. Die Razzia sorgte auch in Kirchenkreisen für Unmut. König warf den Behörden in Sachsen später vor, Demonstranten gegen Neonazi-Aufmärsche zu «diffamieren, isolieren und kriminalisieren». Er fühlte sich an die Vorgehensweise der Stasi erinnert.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft Dresden gegen König auch wegen «Bildung einer kriminellen Vereinigung» ermittelt. Dieses Verfahren wurde später aber eingestellt. Im Prozess gegen einen der Steinewerfer vom 19. Februar 2011 hatte der Angeklagte im Dezember 2012 ausgesagt, aus dem von König gesteuerten Lautsprecherwagen sei «ständig gegen die Polizeibeamten gehetzt worden».

Das Amtsgericht hat im Fall König bis Mai sechs Verhandlungstage terminiert. Der Pfarrer kündigte an, auch in diesem Jahr wieder an den Protesten gegen den Neonazi-Aufzug am 13. Februar in Dresden auf die Straße zu gehen. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 16 Kommentare

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  1. roba

    Seriosität sieht nicht nur anders aus; aber Proleten gibt´s auch in Kreisen von Akademikern.

  2. Linna

    Und wie jedes Jahr wird kurz vorm 13. Februar durch die SZ und Co. Angst und Panik verbreitet, dass ja keiner auf die Idee kommt mehr gegen Nazis zu machen, als Händchen zu halten. Was ist mit den Rechten die dort Polizisten angriffen? Wird da einer verurteilt, wird das in den Medien breit getreten? Der Angriff auf die "Praxis" wo die Polizei daneben stand und zugesehen hat? Und jedes Jahr zum "Gedenktag" muss man sich schämen aus Dresden zu kommen. Denn hier werden die Steuergelder verbraten, die woanders fehlen.

  3. Amira Copperfield

    Wie man sieht hat sich im neuen Deutschland nicht so viel geändert. Wer dem alten Regime nicht grün war ist dem neuen ebensowenig grün. Demonstranten gegen Rechts sind hier nicht gerngesehen. Rechts darfst du sein, nur nicht Links.

  4. Gernot

    Alle Dresdner (gerade aus der Südvorstand) sind herzlich eingeladen, um diesen öffentlichen Prozeß beizuwohnen. Denn bei einer Verurteilung kann man diesem feinen Pfaffen die Kosten für entstandene Schäden an Privateigentum zivilrechtlich in Rechnung stellen.

  5. Klaus

    Nicht jeder, der denkt er sei Seriös, ist kein Arschloch.

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