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Dienstag, 06.02.2018

Protokoll einer Kindheit

Um zu überleben, entwickeln zwei Jungen eigene Moralbegriffe

Von Anika Böhme

Die zwei Brüder spielen nach ihren ganz eigenen Regeln. Foto: PR / Sebastian Hoppe
Die zwei Brüder spielen nach ihren ganz eigenen Regeln. Foto: PR / Sebastian Hoppe

Irgendwo in Ungarn. Es ist Krieg und die großen Städte werden bombardiert. In ihrer Verzweiflung bringt eine Mutter ihre neunjährigen Zwillinge zu ihrer Großmutter aufs Land. Begeistert ist die Alte nicht. Von ihr als Hurensöhne bezeichnet, sollen die Kinder die Lektionen lernen, die das Überleben sichern.

Keine Hoffnung, niemals „Wir spielen nie“, sagen die Jungen. Stattdessen lernen sie, verinnerlichen die Sprache des Krieges und erziehen sich die Empfindsamkeit und das Mit- gefühl ab. Sie werden sehen, wie ihre Mutter stirbt, von einer Bombe zerrissen. Werden Gewalt, Zerstörung, Vergewaltigung erleben. Werden eine Katze quälen, ihre Großmutter auf deren eigenen Wunsch töten und zuletzt ihren Vater mit kaltem Kalkül opfern.

Zur autodidaktischen Bildung der Zwillinge gehört auch das Schreiben kurzer Aufsätze. Wenn sie einen für gelungen halten, weil er wahr ist und nur Beobachtbares enthält, übertragen sie ihn in ihr großes Heft.

Die Brüder als herz- oder gar seelenlos zu bezeichnen, greift indes zu kurz. Sie zeigen sehr wohl Mitgefühl, setzen sich beschützend für Hasenscharte, das Mädchen vom Nachbarshof, ein. Solange das eigene Überleben gesichert ist, sind Menschlichkeit und Empathie erlaubt.

Service

Was: „Das große Heft“

Wann: 11.2., 19 Uhr

Wo: Staatsschauspiel Dresden

Tickets: 15 bis 27 Euro

Hotline: 0351 4913555

Internet: www.staatsschauspiel-dresden.de

Verlosung

Wir vergeben einmal zwei Freikarten für die Premiere am 11. Februar, 19 Uhr – über verlosung@augusto-magazin.de, mit Angabe von Name & Stichwort. Die Gewinner werden am Freitag ab 12 Uhr per E-Mail benachrichtigt.