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Freitag, 12.02.2016

Proteste gegen Neonazi-Marsch in Dresden

Erneut missbrauchen Neonazis das Gedenken an die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg. Mit Fackeln ziehen sie durch den Südosten der Stadt. Es gab auch Gegenprotest.

Hinter einer Reihe von Polizisten protestieren Demonstranten auf der Dohnaer Straße gegen den Neonazi-Marsch.
Hinter einer Reihe von Polizisten protestieren Demonstranten auf der Dohnaer Straße gegen den Neonazi-Marsch.

© dpa

In Dresden haben mehrere hundert Menschen am Vorabend des Jahrestages der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg gegen einen Aufmarsch von Neonazis protestiert. Begleitet von einem starken Polizeiaufgebot kamen die gut 300 Teilnehmer im Stadtteil Prohlis aber nicht weit, da die Polizei den Zug nach wenigen Hundert Metern stoppte. Grund war eine nicht genehmigte Route.

Zu dem Protest aufgerufen hatte unter anderem das Bündnis Dresden Nazifrei. Schätzungsweise 600 Rechtsradikale liefen schließlich in Sicht- und Hörweite an den Gegnern vorbei. Die Polizei hielt beide Lager auseinander. Größere Zwischenfälle gab es nicht.

So berichtete sz-online während der Demos:

21.25 Uhr: Aktuell laufen die Teilnehmer der rechten Demo aus Nickern zurück zum Haltepunkt Dobritz. Dort werden sie von Beamten der Bundespolizei in Empfang genommen und in Züge geleitet.

21.05 Uhr: Laut Aussage der Polizei vor Ort haben sich 640 Menschen an der jetzt beendeten rechtsextremen Demonstration beteiligt, etwa 80 davon seien aus Pirna angereist. Bei der linken Gegenveranstaltung waren nach Schätzung eines SZ-Reporters maximal halb so viele Menschen auf den Beinen.

21.02 Uhr: Augenscheinlich versuchen die wenigen linken Demonstranten, die nach Nickern gelangt waren, eine spontane Demonstration anzumelden, um für ihren Nachhauseweg Polizeischutz zu bekommen.

21.00 Uhr: Auch die rechte Demonstration am Gedenkstein in Nickern löst sich offenbar auf. Vorher wurde noch das „Lied der Deutschen“ abgesungen - inklusive erster Strophe.

Bilder von den Demonstrationen

20.56 Uhr: Der Verkehr auf der Dohnaer Straße rollt wieder ungehindert.

20.45 Uhr: Offenbar hat ein großer Teil der Demonstranten von Dresden Nazifrei Prohlis mit der Straßenbahn verlassen - eskortiert von Polizeiautos.

20.30 Uhr: Die linke Demonstration löst sich offenbar auf, man bewegt sich jetzt über die Dohnaer Straße in den Langen Weg. Es wird via „Lauti“ vermeldet, dass sich einige wenige Linke zur rechten Kundgebung am Gedenkstein durchgeschlagen und dort Parolen skandiert haben - was der SZ-Reporter vor Ort bestätigt. Die Anwesenden zeigen sich erfreut.

20.15 Uhr: Die Neonazi-Demo hat das den Gedenkstein in Nickern erreicht. Hier findet eine Abschlusskundgebung statt.

20.14 Uhr: Die Dohnaer Straße ist auf Höhe des Kaufparks Nickern noch immer gesperrt. In Kürze wird die linke Demo voraussichtlich von hier aus in Richtung Prohliser Gleisschleife geleitet.

20.08 Uhr: Die rechte Demonstration hat die Dohnaer Straße in Richtung Nickern passiert.

20.01 Uhr: Keine Sperrungen mehr rund um den HP Dobritz, kaum noch Polizei dort vor Ort. Busse und Bahnen fahren wieder regulär.

19.45 Uhr: Der rechte Demonstrationszug bewegt sich ohne Zwischenfälle weiter durch Prohlis.

19:33 Uhr: Die Dohnaer Straße ist weiterhin dicht. Gegendemonstranten bleiben nun auch hier, um in Sicht- und Hörweite zu protestieren.

19:31 Uhr: Vom Jugendhaus aus sind die Rechtsextremen bereits zu sehen - es beginnt das große Pfeiffen. Auch die Musik wird hier aufgedreht.

19.28 Uhr: „Ganz schön viel Polizei inzwischen am Jugendhaus ... Hier ist alles dicht“, meldet der SZ-Reporter aus Prohlis.

19.19 Uhr: Jetzt postieren sich einige Polizei-Mannschaftswagen am Jugendhaus Prohlis. Zitat SZ-Reporter vor Ort: „Endlich geht hier auch Musik an ... Ich glaube, Reggae ...“

19.14 Uhr: Der SZ-Reporter meldet von der Dohnaer Straße: „Linke Demo hat sich offenbar selbständig gemacht“. Die Masse der Demonstranten will jetzt offenbar nicht mehr zum Albert-Wolf-Platz, sondern die „Naziroute“ blockieren. Man berät sich weiter.

19.12 Uhr: Rund 450 Rechtsextreme sind jetzt am HP Dobritz versammelt. Die Kundgebung ist noch immer stationär.

19.08 Uhr: SZ-Reporter meldet aus Prohlis: „Nichts los am Jugendhaus, keine 50 Leute, alles ruhig ...“

19.03 Uhr: SZ-Reporter vor Ort meldet von der linken Demonstration: „Demoplenum jetzt auf Grünstreifen der Bundesstraße“. Zweck unklar.

19.02 Uhr: Die rechte Kundgebung startet. Es gibt Redebeiträge. Die umliegenden Straßen werden abgesperrt.

18.56 Uhr: Die Linke Demo stoppt vor dem Mercedes-Benz-Autohaus an der Fritz-Meinhardt-Straße. Die Polizeio sperrt die Dohnaer Straße.

18.48 Uhr: Der linke Demo-Zug bewegt sich jetzt in Richtung Albert-Wolf-Platz in Prohlis. Gerade ist ein Lautsprecherwagen eingetroffen.

18.42 Uhr: Am Treffpunkt der Rechten am HP Dobritz sind dem SZ-Reporter zufolge etwas mehr als 200 Demonstranten versammelt. Noch hat sich der Zug nicht in Bewegung gesetzt.

18.40 Uhr: Etwa 200 linke Demonstranten haben sich am Treffpunkt des Bündnisses Dresden Nazifrei am Langen Weg versammelt. Man will von hier aus zum Jugendhaus Prohlis marschieren.

Unsere Berichterstattung bis 18.30 Uhr:

Am Freitagabend werden in Dresden zwei von Rechtsextremen angemeldete Veranstaltungen stattfinden. In Prohlis wird es eine stationäre Kundgebung geben und von Leuben aus werden Demonstranten nach Prohlis bzw. Altnickern laufen. Die Teilnehmer der rechten Demonstration treffen sich um 18.30 Uhr am Bahn-Haltepunkt Dobritz. Die Polizei ist mit zahlreichen Beamten vor Ort, auch am Zielpunkt des Marsches sind bereits Polizisten präsent. Der Demonstrationszug ist für 200 Teilnehmer angemeldet.

Die AG 13. Februar, in der auch die Stadt vertreten ist, rief zu einer Gegenkundgebung in Prohlis auf. Das Bündnis Dresden Nazifrei appellierte, sich den Neonazis entgegenzustellen. Das Bündnis hat dazu aufgerufen, sich ab 18 Uhr auf dem Parkplatz an der Gleisschleife Langer Weg/Ecke Dohnaer Straße zu versammeln. Man wolle „flexibel auf mögliche Demo-Verläufe der Nazis reagieren“. Gegen 18.10 Uhr waren hier schon zahlreiche Gegendemonstranten anwesend. Auch hier ist viel Polizei zugegen.

Eine zunächst ebenfalls vom Studentenrat der TU Dresden angemeldete Demonstration wurde kurzfristig abgesagt. Als Grund seien die beiden anderen Aufrufe zum Gegenprotest genannt worden, teilte die Stadt am Freitagnachmittag mit.

„Wird der 13. Februar missbraucht, zeigen wir Gesicht. Was im Ortsamtsbereich Prohlis angekündigt ist, kann von uns nicht unkommentiert stehen bleiben“, sagte der Moderator der AG 13. Februar, Joachim Klose. Dresden Nazifrei hatte schon im Vorfeld angekündigt, Aufmärsche von Rechtsradikalen blockieren zu wollen. „Wir rufen alle Menschen auf, sich mit uns den Nazis und ihrer geschichtsrevisionistischen Agenda in den Weg zu stellen“, teilte das Bündnis am Freitag mit.

Die Polizei will rund um den 13. Februar mit neun Hundertschaften im Einsatz sein. Die sächsischen Beamten werden dabei von Kollegen aus Brandenburg und Thüringen unterstützt. (szo)