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Freitag, 06.10.2017

Protest-Plakat mit Patina

Seit fünf Jahren wird an einer Hauswand für die Ortsumgehung der B 182 geworben. Kritiker monieren, das Banner sei veraltet.

Von Eric Weser

Feiert bald Fünfjähriges: Das Plakat an der engen B182 in Strehla mahnt seit 2012, dass die Kleinstadt eine Umgehung braucht. Aber nicht jeder der adressierten Politiker ist noch im Amt.
Feiert bald Fünfjähriges: Das Plakat an der engen B 182 in Strehla mahnt seit 2012, dass die Kleinstadt eine Umgehung braucht. Aber nicht jeder der adressierten Politiker ist noch im Amt.

© Sebastian Schulz

Strehla. Es war Anfang 2015, als das Boulevard-Blatt Mopo titelte: „Peinlich! Sven Morlok präsentiert sich immer noch als Minister“. Tatsächlich gab sich Sachsens Ex-Wirtschafts- und Verkehrsminister zum damaligen Zeitpunkt auf seiner Internetseite noch als Kabinettsmitglied und Vize-Regierungschef aus, obwohl er genau genommen schon zehn Wochen nicht mehr im Amt war. Er habe noch keine Zeit gehabt, das zu ändern, sagte der FDP-Mann damals.

Gut zweieinhalb Jahre später wird Sven Morlok nun noch immer als Staatsminister geführt. In Strehla nämlich, auf dem großen roten Plakat in der engen B-182-Spitzkurve zwischen Schloss und Rathaus.

Aufgehängt wurde das Banner vor fast genau fünf Jahren, als Protest für eine Strehlaer Ortsumgehung. Und vom heute nicht mehr aktuellen Adressaten Sven Morlok abgesehen ist das Plakat noch immer aktuell. Denn der „gefährliche Schulweg“ besteht noch immer. Denn nach wie vor schiebt sich der Autoverkehr auf der B 182 durch die enge Innenstadt – jede Menge Lkws inklusive. Die „Diagnose: Fehlende Ortsumgehung“ auf dem roten Banner, sie trifft weiterhin nach wie vor zu.

Haussanierung steht bevor

Verändert hat sich in Sachen Umgehung dennoch einiges. Durch den Strehlaer Protest haben sich Politiker und zuständige Behörden wieder mit dem Thema beschäftigt. Inzwischen laufen Planungen für eine Umgehungsstraße. Bis Ende des Jahres will das dafür zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr gar so weit sein, einen Trassenverlauf vorzulegen. Das hatten Mitarbeiter der Behörde den Strehlaern im Mai in Aussicht gestellt – was viele als handfestes Versprechen werteten. Stadträte hatten kürzlich gefordert, die Stadt möge bei der Planungsbehörde auf die Einhaltung der Zusage drängen. Bürgermeister Jörg Jeromin (FWG) signalisierte jedoch, die Planer in Ruhe arbeiten lassen und jetzt keinen Druck aufbauen zu wollen.

Bei dem, was sich in der letzten Zeit in Sachen Ortsumgehung getan hat, erscheint es fast kleinlich, wenn Kritiker die mangelnde Aktualität des Strehlaer Protestplakats monieren. Doch selbst dessen Eigentümer hat schon darüber nachgedacht, Sven Morloks Namen mit dem seines Amtsnachfolgers Martin Dulig (SPD) zu überschreiben. Sagt Hans-Jürgen Grübler vom Verein für ein lebenswertes Strehla. Vom Übermalen sei ihm aber abgeraten worden, weil das nicht halte, so Grübler, der auch für die FWG im Stadtrat sitzt. Genau genommen sollte das Plakat auch schon gar nicht mehr hängen. Denn die Eigentümerin des Hauses, an dem es befestigt ist, wollte das Gebäude sanieren.

Bei der Hauseigentümerin handelt es sich um Marianne Pfeil, ehemalige Strehlaer Apothekerin und seit vorigem Jahr im Ruhestand. Ja, sie wolle das Haus sanieren, unterstreicht Pfeil, die ebenfalls Stadträtin in den Reihen der FWG ist. Die Baugenehmigung für das denkmalgeschützte Gebäude zu bekommen, sei schwierig gewesen. Derzeit würden Fördermittel- und Finanzierungsfragen geklärt. 2018 soll es mit dem Bau losgehen. „Dann kommt das Plakat ab“, sagt Marianne Pfeil, die sich ebenfalls für eine Umgehungsstraße einsetzt.

In Strehla bleibt Sven Morlok also noch ein bisschen Staatsminister.