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Samstag, 30.01.2016 Semperopernball 2016

Promis, Kleider, gute Laune

Tausende schunkeln vor der Oper zum Walzertakt. Doch es bleibt auch Platz für politische Zwischentöne.

Bunt illuminierte Semperoper.
Bunt illuminierte Semperoper.

© dpa

Wenn der Kaiser zum Tanz bittet, lassen sich die Dresdner nicht lang bitten. Die Arme ineinander verhakt, beginnt die Masse auf dem Dresdner Theaterplatz bei fast frühlingshaften Temperaturen zu schunkeln. So demonstrativ gemeinschaftlich, wie es sonst nur die Dynamo-Fans im heimischen K-Block tun. „Dresden jubelt“, schallt das Musikstück Roland Kaisers aus den Boxen – und die Besucher folgen. Es ist das erste Mal, dass es auf dem gut gefüllten Theaterplatz so richtig laut wird. Von über 15 000 Besuchern wird das Moderatorenduo später sprechen.

Prominenz auf dem roten Teppich

Königinnen der Nacht und ihre Kleider

Verleihung der St. Georgs-Orden

Das Feuerwerk zum Semperopernball

Der Semper-OpenAirBall auf dem Theaterplatz

Warm Up zum 11. Semperopernball

Gegen 18 Uhr, als das Freiluftfest noch am Anfang steht, strömen die ersten Besucher vor die Bühne. Heinz Heidenreich, Choreograph aus Wien, will sie gleich zum Bewegen animieren. Schließlich soll sich das Publikum später mit der Quadrille zum Weltrekord tänzeln. „Wenn das heute klappt, werd ich dem Ballchef vorschlagen, die Eröffnung nächstes Jahr hier draußen zu feiern“, witzelt Heidenreich im Wiener Dialekt. Nach Tanzen sehen die ersten Versuche aber noch nicht aus.

Mit ein paar Metern Abstand schauen sich Sung Woo Kim und Il Moon Son sichtlich amüsiert die Stolpereien vor der Bühne an. Die beiden Südkoreaner reisen gerade durch Europa, haben einen Tag in Dresden eingeplant. „Da haben wir wohl Glück, dass wir ausgerechnet heute hier sind“, sagt der 29-jährige Sung. Einen Luftballon hat er sich schon geholt, doch mit den übrigen Feierlichkeiten kann er nicht viel anfangen. „Die Musik, die Kleidung und das Tanzen sind für uns ungewöhnlich“, lacht er. Aber gerade um Neues zu sehen, sei er schließlich hier.

Das Neue, Unbekannte willkommen zu heißen, auch darum geht es beim diesjährigen Ball. Gerade der Theaterplatz, der zuletzt vor allem durch Demonstrationen für negative Presse sorgte, zeigt sich nun in einem anderen, bunten Licht. Die Dresdner feiern den Abend gemeinsam mit Touristen – und auch Flüchtlingen. Etwa den Pakistanern Ashok Mann und Tariq Masih, die vor drei Monaten nach Dresden gelangten. Etwas verschüchtert beobachten sie die Walzerschritte der Dresdner. „Wir schauen lieber zu“, sagt Masih amüsiert, der in einer Asylunterkunft in der Friedrichstadt wohnt.

Auch Dresdens Stadtoberhaupt Dirk Hilbert (FDP), der auf der Bühne spricht, betont den politischen Aspekt des Balls. Er wünsche sich ein friedliches, gewaltfreies Jahr, sagt der Oberbürgermeister. Applaus schallt über den Platz. Ein Wunsch, den wohl die meisten Gäste teilen. Auchs Sachsens Landesvater Stanislaw Tillich (CDU) plädiert für mehr Mitmenschlichkeit. Wo, wenn nicht beim Semperopernball, zeigt sich, wie harmonisch Gemeinschaft doch sein kann? „Wenn man miteinander tanzt, ist der kürzeste Weg zwischen Mensch und Mensch ein Lächeln.“

Für fröhliche Gesichter unter den Besuchern sorgen nicht zuletzt die Späße des Moderatorenduos. Völlig ernst meint es Marco Schreyl aber damit, dass die Deutsche Luftsicherung ein wachsames Auge auf den Theaterplatz wirft. Hunderte Luftballons lassen die Besucher nach einem Countdown in den Himmel schweben, was freilich mit den Behörden abgestimmt sein muss. Unzählige Kameras und Smartphones werden gezückt. Genauso wie beim fulminanten Feuerwerk um 21 Uhr, das den Himmel über der Semperoper erleuchtet und zugleich die Feierlichkeiten im Inneren des Hauses eröffnet. Endlich mal wieder schöne Bilder vom Theaterplatz, mag da mancher denken.

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. RK

    Haben die Moderatoren die Studenten von "Durchgezählt" engagiert ???? Wenn das 15000 waren sind sonst Montags mindestens 50000 auf dem Platz

  2. Matze58

    Richtig RK. Die Zahlen von der Gruppe "Durchgezählt" sind jetzt entlarvt. Wenn das 15.000 und der Platz war halb leer, dann stimmen die Zahlen von den Montagdemos nie und nimmer!

  3. Gerd Lippert

    @1,2 Leute.Stand das jemals in Zweifel.Ihr wurdet ganz einfach belogen. Die Veranstaltung erinnerte an die Musik auf der Titanic bis zum Untergang.

  4. Mal ne Anmerkung

    Gab es wirklich Menschen die die Zahlen der Studenten geglaubt haben?Ich nicht! Als Propaganda werden natürlich auch "Teilnehmerzahlen" entweder nach oben oder nach unter "korrigiert"!Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Und "Auch Sachsens Landesvater Stanislaw Tillich CDU plätierte für mehr Mitmenschlichkeit"!Ja Herr Tillich in Sachsen gibt es nicht nur "Flüchtlinge" sondern auch "reichlich" Menschen /Kinder die unverschuldet in Armut leben und deren Aufstiegschancen fast null sind ,tausende "leben" von den Dresdner Tafeln usw.!Was ist mit den Menschen?

  5. Bergs Anmerkung

    Kurz an die Pegida-Fans: warum zählt Ihr Euch nicht selber durch, wenn Euch so viel daran liegt, eine "genaue" Teilnehmerzahl zu erhalten? - 1,8 Mio Budget, alleine aus den Eintrittskarten beglichen - gut, dass mal erklärt wurde, wer das Geld bekommt: Blumenbinder/innen, Schneider/innen, Köche, Kellner, Techniker, Beleuchter, Catering, Musikanten uvm. Insgesamt mehr als Gäste im Hause! Da werden wohl etliche mit ansonsten kleinem Einkommen dabei sein, die sich mal eine Stange dazuverdienen konnten. Es ist wichtig und richtig, wohlhabenden Leuten Gelegenheit zu geben, ihr Geld hier auszugeben.

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