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Pretzschendorfs Glocken brauchen noch Zeit

Das neue Bronzegeläut ist fertig gegossen. Warum es mit dem Einbau in diesem Jahr nicht mehr klappt.

06.10.2017
Von Anja Ehrhartsmann

ndorfs Glocken brauchen noch Zeit
Seit 1948 leisten die große, die kleine und die mittlere Glocke ihren Dienst in der Pretzschendorfer Kirche. Zwischenzeitlich sind sie in die Jahre gekommen und werden im Frühjahr ersetzt.

© Egbert Kamprath

Pretzschendorf. Es geht voran mit den neuen Glocken für die Kirche in Pretzschendorf. Die jetzigen aus grauem Stahlguss sollen durch ein Bronzegeläut ersetzt werden. „Die neuen Glocken sind nun bei der Abnahme durchgekommen“, freut sich Steffen Bellmann, Vorstand der Kirchgemeinde Pretzschendorf-Hartmannsdorf. Ein Sachverständiger des Landeskirchenamts hat das Ergebnis kürzlich bei der Gießerei in Augenschein genommen und für gut befunden. Beim ersten Guss war die mittlere der drei Glocken missglückt, erklärt Bellmann die Verzögerung.

Die Kirchengemeinde hatte ursprünglich gehofft, dass die neuen Glocken bereits in diesem Jahr erklingen. „Die Glockenweihe ist voraussichtlich an Pfingsten.“ Bis dahin wird das Bronzegeläut erst einmal zwischengelagert. Denn vor allem der Ausbau der alten Glocken wird etwas aufwendiger und kann deshalb nicht in den Wintermonaten vonstatten gehen. „Die Sandsteingewände am Balkon des Glockenturms müssen dafür kurzzeitig herausgenommen werden, damit die Große durchpasst.“ Die neuen Glocken fallen etwas kleiner aus und passen dann durch die vorhandene Öffnung.

Neuer Glockenstuhl ist eingelagert

Doch nicht nur die alten Glocken, auch ihr Tragwerk muss weichen. „Wenn der alte Glockenstuhl weg ist, kommt ein neuer Fußbodenbelag rein und zum Teil neue Tragbalken.“ Einen neuen Glockenstuhl gibt es schon. Siegfried Funke, Vorsitzender des Glockenausschusses in der Kirchengemeinde, hat das Holz dafür bereitgestellt, ein Zimmermann fertigte die Konstruktion an, die wiederum eine Statikerin entworfen hat. Die Einzelteile des Glockenstuhls sind eingelagert und bereit für den großen Tag. Erst wenn die Glocken an ihrem vorgesehenen Platz stehen, wird die Holzkonstruktion aufgebaut, an der das Geläut dann aufgehängt wird.

Die Gesamtkosten liegen zwischen 130 000 und 150 000 Euro. 20 Prozent steuert die Landeskirche an Fördermitteln bei. Den Rest übernimmt die Kirchengemeinde selbst, die dafür unter anderem Spenden gesammelt hat und auf Eigenmittel zurückgreift. Siegfried Funke hat seinen Kontakt zu der Familie genutzt, deren Vorfahren der Kirche einst Buntglasfenster stifteten. Die Nachfahren leben heute in Stuttgart und wollen die Kosten für eine der Glocken übernehmen.

Seit 1948 leisten die große, die kleine und die mittlere Glocke ihren Dienst in der Pretzschendorfer Kirche. Die mittlere läutet zur Mittagsstunde, die große bei Begräbnissen und die kleine bei Gottesdiensten. 2012 wurde bei einer Überprüfung im Joch der mittleren Glocke, die täglich im Einsatz ist, ein Riss entdeckt. Danach fiel die Entscheidung, dass die Kirche neue Glocken bekommen soll, solche aus Bronze. Auch die Vorgänger der heutigen Glocken waren aus dieser Metalllegierung. 1942 wurden sie abgenommen, das Material für Kriegszwecke verwendet. Nur die bronzene Taufglocke in der Turmzwiebel hat dieses Kapitel überstanden. Gegossen wurde diese Glocke 1627 in der Werkstatt der berühmten Freiberger Glockengießerfamilie Hilliger.

Bevor die neuen Glocken in Auftrag gegeben werden konnten, musste ein Schwingungsgutachten erstellt werden. Dabei wurde die Situation des Glockengeläutes simuliert, um herauszufinden, welchen Einfluss es auf die Statik des Kirchturmes hat, erklärt Steffen Bellmann. Das Regionalkirchenamt erteilte dann Anfang 2015 die Baufreigabe.