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Mittwoch, 14.02.2018

Praxisberaterin fördert Stärken

Marlen Junghanns berät die Siebt- und Achtklässler bei der Berufsorientierung. Doch das ist nicht ihre einzige Aufgabe.

Von Sylvia Jentzsch

Marlen Junghanns ist seit Anfang des Jahres Praxisberaterin an der Harthaer Oberschule. Sie sucht nach den Stärken der Schüler und überlegt, wie sie weiterentwickelt werden können. Dafür sind persönliche Gespräche wie hier mit Lucy (14) notwendig.
Marlen Junghanns ist seit Anfang des Jahres Praxisberaterin an der Harthaer Oberschule. Sie sucht nach den Stärken der Schüler und überlegt, wie sie weiterentwickelt werden können. Dafür sind persönliche Gespräche wie hier mit Lucy (14) notwendig.

© Dietmar Thomas

Hartha. Sie ist erst seit Kurzem an der Schule, hat aber schon einen sehr guten Draht zu den Schülern und Lehrern. Marlen Junghanns (33) heißt die neue Praxisberaterin für die Schüler der 7. und 8. Klasse der Pestalozzi-Oberschule in Hartha. Sie will gemeinsam mit den Schülern deren Stärken herausfinden und weiterentwickeln. Dadurch sollen auch die Berufsfelder gefunden werden, die den Jugendlichen liegen und ihnen Spaß machen könnten. Voraussetzung für die Arbeit der Praxisberaterin ist die sogenannte Potenzialanalyse bei den Schülern der siebten Klasse. Bei dieser Analyse werden die Stärken und Schwächen der Schüler festgestellt. Es geht dabei nicht um fachliches Wissen, sondern um soziale Kompetenzen. Dazu gehören unter anderem, die Fähigkeit zu kommunizieren, zu kritisieren und im Team arbeiten zu können. Marlen Junghanns findet heraus, ob die Schüler Durchhaltevermögen haben, selbstständig sind und Verantwortung übernehmen können. Es geht um das Arbeitstempo, die Genauigkeit und Ordnung. Das Ergebnis wird dann mit den Schülern sowie Eltern besprochen und Maßnahmen zur Förderung der Stärken festgelegt.

Ein Entwicklungsplan wird aufgestellt und immer wieder kontrolliert, was erreicht wurde. Marlen Junghanns sucht die geeigneten Maßnahmen, die zur Förderung von bestimmten Stärken dienen. Das können Neigungskurse, Ganztagsangebote aber auch außerschulische Angebote sein. Ab der achten Klasse bietet die Praxisberaterin inhaltliche Module an. Dazu gehören Betriebsbesuche, die Mitarbeit bei einer Schülerfirma oder freiwillige Ferienpraktika, bei denen die Schüler über den Bildungsträger abgesichert sind.

Marlen Junghanns (33) hat nach ihrem Realschulabschluss in München die Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert. Dann arbeitete sie ab 2004 als Angestellte bei der Allianz-Agentur, die sie in der Zeit von 2011 bis 2017 als selbstständige Agenturleiterin übernahm. In dieser Zeit legte sie auch den Ausbilderschein bei der IHK ab und holte die Ausbildung als Versicherungsfachfrau nach. „Mir hat die Arbeit bei der Allianz Spaß gemacht, aber ich habe mit Anfang 30 noch einmal eine neue berufliche Herausforderung gesucht“, so die Praxisberaterin. Davon habe der Harthaer Lehrer Roland Taffel erfahren. „Herrn Taffel kenne ich schon seit 27 Jahren. Er war mein Keyboardlehrer. Und wir sind immer in Verbindung geblieben. Nun spielen wir gemeinsam in der Band Schlagerfeuer“, so Marlen Junghanns. Taffel habe sie überzeugt, dass sie als Praxisberaterin geeignet wäre.

Hohe Beratungskompetenz

Und damit hatte er recht. Wichtig war der jungen Frau, dass sie weiterhin mit Menschen zusammenarbeiten und ihre beruflichen Erfahrungen einsetzen kann. „Frau Junghanns bringt eine hohe Beratungskompetenz mit“, sagt Schulleiterin Kerstin Wilde. Sie hat sich durch ihre Beratertätigkeit und mit ihrer Weiterbildung zum Ausbilder für diese Arbeit qualifiziert.

„Ich fühle mich in der Schule gut aufgenommen. Ich komme mit den Schülern klar. Sie erkennen mich an, bringen mir Respekt und Vertrauen entgegen“, sagt die Praxisberaterin. Eingestellt ist sie beim Bildungswerk für Sächsische Wirtschaft gGmbH.

Die Praxisberatung ist ein weiteres Modul der umfangreichen Berufsorientierung an der Pestalozzi-Oberschule. Sie beginnt in der 7. Klasse mit der Potenzialanalyse im Haus. „Nach der Auswertung gibt es Schülergespräche. Die laufen zurzeit“, so Marlen Junghanns. Im Ergebnis entsteht ein Entwicklungsplan, in dem die Stärken herausgearbeitet werden und überlegt wird, wie sie weiter vertieft werden. „Ich bin erstaunt, wie gut sich die Schüler selbst einschätzen können. Ihr Ergebnis stimmt weitestgehend mit der Fremdeinschätzung überein. Die sozialen Kompetenzen sind die absoluten Stärken der Schüler“, so Marlen Junghanns. Die Schüler wüssten, was sie wollen. Für einige stehe jetzt schon fest, dass sie weiterführende Schulen besuchen.

Die Praxisberaterin lobt die gute Zusammenarbeit mit den Lehrern und der Sozialarbeiterin. „Sonst würde das Projekt nicht funktionieren. Das Miteinander ist wichtig. Wir sind ein Team“, so die Praxisberaterin.

Marlen Junghanns wird auch beim Nachmittag und Abend der offenen Tür am 28. Februar Ansprechpartner sein und Fragen beantworten. An diesem Nachmittag erfahren Eltern und Schüler, wie an der Pestalozzi-Oberschule gelernt wird, was in Sachen Bildung und Erziehung wichtig ist, wie die Zusammenarbeit mit den Eltern läuft, mit welchen Partnern sie kooperiert und wie sich Schule in den nächsten Jahren gestalten wird. Die Fachkabinette sind geöffnet, Lehrer und Elternvertreter stehen den Interessierten Rede und Antwort und die künftigen Fünftklässler können angemeldet werden.

28. Februar von 16 bis 19 Uhr: Nachmittag und Abend der offenen Tür an der Pestalozzi-Oberschule Hartha.