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Postkartenidylle mit Zukunft

Kreba-Neudorf heißt der Sieger beim Dorfwettbewerb. Aber eigentlich haben alle fünf Bewerber gewonnen.

06.10.2017
Von Thomas Staudt

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nidylle mit Zukunft
Strahlende Gewinner: Peter Spinde, Antje Wierick und Ulla Hoffmann nahmen den ersten Preis für die Gemeinde Kreba-Neudorf entgegen.

© Joachim Rehle

Während die Wolken draußen ganz locker alles fallen ließen, was sie in sich aufgesogen hatten, stieg gestern Nachmittag im Saal des Sorbischen Kulturzentrums Schleife die Spannung. Welche der fünf Bewerbergemeinden würde das Rennen machen und als das Dorf der Zukunft den Sieg auf Kreisebene holen? Holger Freymann vom Amt für Kreisentwicklung machte die Entscheidung spannend, zeigte vorher eine Fotopräsentation aller Bewerber, gab dann das Wort an Landrat Bernd Lange, an Roland Höhne, Bürgermeister von Rosenbach und Juryvorsitzender, und schließlich an die Laudatoren. Aber auch sie redeten alles andere als Tacheles und nannten die Preisträger erst nach wohlgewählten Worten. Eigentlich fehlte nur der von den Oscar-Verleihungen bekannte Satz: „And the winner is…“. Er fiel nicht, der Name des Siegers natürlich schon: Kreba-Neudorf.

Tatsächlich fiel der achtköpfigen Jury die Wahl nicht leicht. Aber nicht nur deshalb habe jeder der fünf Bewerber gewonnen, wie Bernd Lange betonte. Jede Gemeinde bestimme mit der Teilnahme seine Position neu, und was noch wichtiger sei, wachse durch den Wettbewerb zusammen. Wie zum Beispiel Gablenz. Mit der guten Versorgung bei Breitband, LTE und analogen Medien ist die Gemeinde so gut aufgestellt, dass es zu einem zweiten Preis reichte. Oder Rohne mit seinem intakten Miteinander von Jung und Alt, dem Dorftheater, dem Jugendclub und einer Vision, wie ein Arzt für das Dorf gewonnen werden kann. So viel Zukunft war der Jury einen dritten Platz wert. Daubitz – einem Dorf, um dessen Zukunft man sich allein wegen des starken Zusammenhalts keine Sorgen machen müsse, wie Laudatorin und Landschaftsplanerin Beate Mücke betonte – und Klein Priebus – ein Dorf mit 95 Einwohnern, von denen 63 in Vereinen die zahlreichen Feste mitorganisieren – legten einen ähnlich starken Auftritt hin.

Und was ist so besonders an der knapp 900-Seelen-Gemeinde Kreba-Neudorf? Ausschlaggebend für den Wettbewerb waren Marksteine wie Ideen und innovative Projekte zur Gestaltung eines attraktiven Dorflebens, strukturelle Entwicklungen und der Zusammenhalt innerhalb der Dorfgemeinschaft. All dies bewertete die achtköpfige Jury auf den mindestens dreistündigen Rundgängen durch die fünf Bewerberge-meinden. In Kreba-Neudorf fanden sie ein intaktes Schloss, das wichtige Funktionen des Dorfes in sich vereinigt und eine junge Generation, die bei den Dorffesten eifrig mitmacht. Eine gute Arbeitsplatzsituation und eine ausgewogene Mischung aus Gewerbe und Tourismus. Eine beachtliche Versorgung mit Bäcker, Fleischer und Hofladen. Und nicht zuletzt eine Vernetzung der einzelnen aktiven Gruppen und Vereine. „All das zeige, wie den Herausforderungen des ländlichen Raumes begegnet werden kann“, fasste Roland Höhne für die Jury zusammen. Peter Spinde, Antje Wierick und Ulla Hoffmann fielen aus allen Wolken. „Wir hatten uns nach der Diaschau schon überlegt, wie wir unser Abschneiden morgen Bürgermeister Dirk Naumburger erklären, wenn er von seiner Dienstreise zurück ist“, sagte Antje Wierick strahlend.

Im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ kämpft Kreba-Neudorf 2018 um den Sieg im Landeswettbewerb und hat 2019 zudem die Chance auf den bundesdeutschen Gesamtsieg.

Sonderpreise der Jury gingen an: Feuerwehr Rohne mit den First-Respondern, Johannes Rackel (Gablenz), Sportgemeinschaft Kreba, Erich Schulze (Daubitz) und Stefan Hofmann (Klein Priebus).