Freitag, 14.12.2012
Postbeamter prellt Bundestag um 780.000 Euro
Seinen Job in der Poststelle des Deutschen Bundestages nutzte ein Beamter schamlos aus. Mit fingierten Nachnahmesendungen schusterte sich der Berliner tausende Euro zu. Jetzt sitzt der 43-Jährige auf der Anklagebank.
Die Poststelle im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Deutschen Bundestages in Berlin. Mit erfundenen Nachnahmesendungen hat ein Mitarbeiter knapp 780.000 Euro in seine Tasche gewirtschaftet. Foto: dpa
Berlin. Ein Mitarbeiter der Poststelle des Deutschen Bundestages hat die Veruntreuung von knapp 780.000 Euro gestanden. Vor dem Berliner Landgericht räumte der 43-jährige Beamte am Freitag ein, jahrelang mit erfundenen Nachnahmesendungen tausende Euro in seine eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Ein Postbote, der den in der Poststelle des Deutschen Bundestags beschäftigten Beamten mit Blankobelegen für die Nachnahmen versorgt hatte, ist mitangeklagt. Der Zusteller bekam knapp die Hälfte des erschwindelten Geldes.
„Ich hatte Skrupel, Angst und habe schlecht geschlafen", sagte der Beamte, der seinen Job mit zur Hälfte gekürzten Bezügen bisher nicht verloren hat. Anfangs hatte sich der Beamte selbst Pakete geschickt, zum Beispiel mit leeren Flaschen oder Papier. Der Postbote kam ihm auf die Schliche. „Das können wir besser machen", habe der Mitangeklagte die Masche mit den fingierten Sendungen vorgeschlagen.
Die Belege für die vermeintlichen Pakete hatte der Oberamtsmeister selbst ausgefüllt. Der Chef habe alles unterschrieben, erklärte der 43-Jährige zum Prozessauftakt. „Es war so einfach, die wollten es offenbar nicht merken", vermutete der Bundesbeamte. Selbst eine Kassenprüfung der Belege durch den Bundesrechnungshof sei unbeanstandet zurückgekommen.
Knapp 6.900 Euro hatte sich der Beamte im Zeitraum von März 2007 bis zum Januar dieses Jahres monatlich zugeschustert. Das Geld ist verbraucht. Für den Lebensunterhalt und das Hobby Fotografie mit Workshops auf den Inseln Mallorca und Lanzarote. 1.200 Euro kostete ein Privattrainer pro Monat.
Der Postbote hingegen war sparsam. 298.000 von seinem Anteil von rund 371.000 Euro sind zurückgeflossen. „Ich hatte ein schlechtes Gewissen, das Geld auf den Kopf zu hauen", sagte der gelernte Kraftfahrer im Prozess. (dpa)
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