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Montag, 06.02.2012

Post aus dem All

Ein Gruppenfoto vom Sächsischen Teleskoptreffen 2009 war mehrere Monate an Bord der Raumstation ISS. Jetzt ist es zurück.

Exakt 163 Tage, fünf Stunden, 32 Minuten war Riesa im Weltall unterwegs. Genau 105,5 Millionen Kilometer und 2574 Erdumkreisungen absolvierte die Stadt. Beziehungsweise das, was Stefan Schwager von der Sternwarte Riesa den Raumfahrern der Expedition 22/23 als „Fracht“ mit auf den Weg ins All gab.

Zwei Fotos waren es, die am 20. Dezember 2009 an Bord des Raumschiffes Sojus TMA 17 die Reise zur Internationalen Raumstation ISS antraten. Das eine zeigt die per Hand vom Riesaer Boden aus fotografierte Annäherung des Space Shuttle Atlantis an die ISS. Auf dem anderen sind Teilnehmer des Sächsischen Teleskoptreffens 2009 abgelichtet. Versehen sind die Fotos unter anderem mit dem Riesaer Stadtwappen und dem Vereinslogo der Sternwarte.

Blick aus der Raumstation

Und der „Ideengeber“ Stefan Schwager ist mächtig stolz darauf, dass sie heute die Unterschriften der ISS-Besatzung von damals sowie einen Stationspoststempel vom 12. April 2010 tragen. Zusätzlich zum Fundus und damit der endgültige Beweis für die Reise ist ein großformatiges Bild aus der Raumstation. Es erlaubt einen Blick aus dem Fenster, vorbei an ISS-Modulen, zur Erde – und die beiden Riesaer Bilder sind ebenfalls gut zu sehen.

„Die Karten sind dort oben abgestempelt – da haben Briefmarkensammler schon neidisch und mit Tränen in den Augen draufgeguckt“, sagt Stefan Schwager. Mit der fiktiven Riesaer Reise ins All hat er sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Einfach sei es natürlich nicht gewesen, etwas ganz Spezielles mit an Bord eines Raumschiffes zu geben. „Aber wir haben viele Freunde in der Raumfahrt“, spielt Schwager auf die Verbindungen der Sternenfreunde in die ganze Welt an. Irgendwie hat es dann geklappt, „aber das war natürlich nicht ganz kostenlos“, sprudelt es aus ihm heraus. „Mehrere hundert Euro“ alles privat finanziert, sei ihm die Sache letztlich aber Wert gewesen.

Ein richtiger Glücksmoment

Als das Sojus-Raumschiff im Dezember 2009 in Kasachstan startete, nahm der russische Kosmonaut Oleg Kotow die Riesaer Fotos mit. Dann hörten Stefan Schwager und seine Mitstreiter zwar immer wieder die neuesten Nachrichten von der ISS-Expedition.

Doch was aus ihren Bildern geworden ist – dazu gab es zunächst keine Nachrichten. „Irgendwann kam dann über einen Mittelsmann eine E-Mail mit den Fotos zu uns, veranlasst von Oleg Kotow“, beschreibt Stefan Schwager den Glücksmoment. Immer und immer wieder schaut er auf den fotografischen Beweis aus dem All, kann sich am Blick aus der ISS auf die Erde gar nicht satt sehen. „Auch die Astronauten schwärmen immer wieder von einem solchen Moment“, weiß er.

Für den eingefleischten Hobby-Astronomen, der seit vielen Jahren die Riesaer Sternwarte und deren Fans „am Leben“ hält, der schon viele Raumfahrtabenteuer bis hin zu Reisen nach Cape Canaveral „miterlebt“ hat, ist dies zweifelsohne das Highlight seiner bisherigen Arbeit. „Das sind Momente, die einfach phänomenal sind“, sagt Stefan Schwager. Ganz besonders stolz ist er auf das Datum, das der Poststempel aus dem All trägt: 12. April. Es ist jener Tag, an dem mit Juri Gagarin 1961 erstmals ein Mensch ins Weltall flog. In Russland wird er noch heute wie ein Feiertag begangen. Auch das erste Space Shuttle Columbia flog an diesem Datum 20 Jahre später erstmals ins All.

Bis vor wenigen Tagen haben die wertvollen Dokumente aus der ISS noch in einem Safe gelegen. Dass es sich bei einem der Fotos um ein Gruppenbild vom Sächsischen Teleskoptreffen handelt, sei übrigens kein Zufall. „Was wir hier machen, ist doch eine Teamleistung. Und da sollten möglichst viele mit in den Orbit fliegen“, sagt Schwager.

Natürlich hat er schon die nächsten Ziele im (Sternen-)Blick. Wichtigster Termin der Sternenfreunde ist in diesem Jahr der 6. Juni. „Da schiebt sich für sechs Stunden die Venus vor die Sonne“, schwärmt Stefan Schwager schon jetzt. „Zu diesem Spektakel, das danach erst wieder in 118 Jahren zu sehen sein wird, werden wir an verschiedenen Orten Riesas Beobachtungen anbieten.“

Und einen großen Wunsch hat Schwager noch längst nicht zu den Akten gelegt. „Ich möchte Oleg Kotow nach Riesa einladen“, sagt er. Einen richtigen Raumfahrer, und dann auch noch Kotow, in die Stadt zu holen – „das wäre doch was“.

Weitere Infos zur Sternwarte Riesa gibt's im Internet: www.sternwarte-riesa.de