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Sonntag, 10.08.2008

Polizei löst Jugendlager auf - Hakenkreuze entdeckt

Hohen Sprenz - Der Platz für das Zeltlager der rechtsextremen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) liegt idyllisch. Hohen Sprenz, ein Dorf in der menschenarmen Gegend Mecklenburg- Vorpommerns, 20 Kilometer südlich von Rostock. Umgeben von kleinen Wäldern plätschert ein Bach durch eine Senke. Vorbei an einem verwahrlosten Bauernhof führt ein Betonplattenweg zu dem Gelände. Hier bekamen 39 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren aus ganz Deutschland vermutlich eine Woche lang Lektionen in Nazi-Gedankengut - bis die Polizei dem Treiben ein Ende setzte.

Ein Dutzend Erwachsener war nach Erkenntnissen der Polizei ebenfalls im Zeltlager. Leiter war ein 24-jähriger Mann aus Rottenburg (Baden-Württemberg). „Von außen war nichts erkennbar“, schildert der Sprecher der Polizeidirektion Rostock, Volker Werner, die Umstände des „Sommercamps“. Jetzt ist es von einem Zaun umschlossen. Nach einem Hinweis hatte die Polizei bereits am Donnerstag das Lager mit den 14 weißen Zelten durchsucht. Gefunden wurden Geschirrhandtücher mit Hakenkreuzen, Kassetten, Bücher oder Landkarten. Daraufhin wurde das Lager am Freitag geräumt.

„Die Kinder mussten auf alten Karten einzeichnen, wo das Memelland oder die Nordmark liegen“, sagt Werner. „Sie wurden regelrecht beschult.“ Im Internet bezeichnet sich die HDJ als „volks- und heimattreue Jugendbewegung für alle deutschen Mädel und Jungen im Alter von 7 bis 29 Jahren“. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes lehnt die HDJ jedoch die Verhältnisse in der Bundesrepublik in aggressiver Form ab. Die Gefährlichkeit ergebe sich aus der Jugendarbeit. Der Verein versuche, durch das Erscheinungsbild seiner Gruppen den Eindruck harmloser Pfadfinder zu erwecken.

Die Organisation „Netz gegen Nazis“ meint, die HDJwolle ganze Familien an die rechtsextreme Szene binden. Für die Kinder aus Berlin, Brandenburg, Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern lagen jedenfalls Vollmachten der Eltern vor, dass sie mit dem Aufenthalt einverstanden waren. Pfadfinderromantik wurde durch Lagerfeuer und Geländespiele erzeugt. Viele Kinder trugen kurze graue Hosen und hellblaue Hemden mit HDJ-Emblem.

Geschockt zeigt sich der parteilose Bürgermeister von Hohen Sprenz, Helmut Otte. Das Image des Dorfes habe einen Knacks bekommen. Die Gemeinde sei eigentlich frei von Radikalen, das solle auch so bleiben, sagte er dem Sender Antenne Mecklenburg-Vorpommern. Der Bürgermeister will nun das Gespräch mit der Landesregierung in Schwerin suchen, um solche Camps in Zukunft zu verhindern. (dpa)