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Montag, 26.09.2016

Politikerin im Praxistest

Die Männer des Technischen Hilfswerks (THW) üben den Einsatz von verschiedenen Werkzeugen. SPD-Abgeordnete Simone Raatz packt mit an.

Von Markus Möller

Einen Praxistag nutzt SPD-Bundestagsabgeordnete Simone Raatz (links), um sich über die Arbeit des THW in Döbeln zu informieren. Dabei sichert sie gemeinsam mit Gruppenführer Christian Winkler einen Container.
Einen Praxistag nutzt SPD-Bundestagsabgeordnete Simone Raatz (links), um sich über die Arbeit des THW in Döbeln zu informieren. Dabei sichert sie gemeinsam mit Gruppenführer Christian Winkler einen Container.

© Dietmar Thomas

Döbeln. Ein früher Sonnabendmorgen in Döbeln – ein Großteil der Stadt schläft sicher noch. Aber beim THW Döbeln sind bereits alle hellwach. Die Technik und die Männer stehen bereit. Schließlich steht heute Besuch aus dem Bundestag an. SPD-Abgeordnete Simone Raatz ist zu Gast. In voller THW-Einsatzmontur steht sie neben Gruppenführer Christian Winkler – davor ordentlich aufgereiht stellt sich das für die heutige Übung achtköpfige Team vor.

Den Förmlichkeiten folgen zwei Übungen, bei denen Simone Raatz tatkräftig mit anpacken soll. Die erste Simulation besteht darin, einen gut zwei Tonnen schweren Container anzuheben, um Holzbalken unter ihm zu platzieren. Danach wird mit Schnittwerkzeug noch etwas Metall zerkleinert. „Wir wollten das heute mit sinnvollen Arbeiten verbinden. Die Aufgabe, Holzbalken unter den Container zu schieben, stand ohnehin an“, sagt Christian Winkler, Ortsbeauftragter des THW Döbeln. Vor allem aber ist es eine wertvolle Übung im Umgang mit bestimmten technischen Instrumenten – in diesem Fall Hebekissen und der hydraulische Heber, den man hier liebevoll als „Büffelwinde“ bezeichnet. Zunächst geht es an die Hebekissen. Die Männer des THW bringen schnurstracks das Equipment zum Container und schließen die Kissen an ein Bedienelement mit zwei Hebeln und ein großes Luftpumpgerät an. Simone Raatz ist quasi als Lehrling dabei. Ihre Fragen werden fachkundig beantwortet und sie wird in ihre Aufgaben eingewiesen. Die vielleicht schwierigste davon ist es, die beiden Hebel für die Luftkissen ganz gleichmäßig zu betätigen, damit der schwere Container nicht auf die Seite rutscht. Ein solches Hebekissen kann bis zu 40 Tonnen Last heben und sich auf fast einen halben Meter ausdehnen. Die Politikerin löst ihre Aufgabe erfolgreich und der erste Holzbalken kann unter den Container geschoben werden. Dasselbe wird auf der anderen Seite mittels eines hydraulischen Hebers geschehen. Im Ernstfall wäre der Einsatz von Hebekissen und „Büffelwinde“ beispielsweise bei einem umgekippten Laster nötig, unter dem eine Person eingeklemmt ist. Ähnliches kann bei übereinander eingestürzten Betonplatten der Fall sein.

Hintergrund des Besuchs von Simone Raatz ist die derzeitige Arbeit an einem neuen, bundesweiten Zivilschutzkonzept. Anlässlich des Praxistages fragte sie deshalb beim THW Döbeln an: „Wo könnte ich besser Informationen und Eindrücke bekommen, als vor Ort beim THW?“ Das THW Döbeln sei zudem einer der aktivsten THW-Standorte. „Man merkt hier schnell, wie regelmäßig das geübt werden muss und dass die Teamarbeit zählt“, sagt Simone Raatz. Außerdem setzt sich die Politikerin für bessere Aufklärung bezüglich des Katastrophenschutzes ein. Dass das Thema zu kurz kommt, sehe man daran, dass die genaue Bedeutung von Notfall- und Alarmsignalen kaum jemandem geläufig sei.

Die THW-Kameraden pflichten dieser Einschätzung bei. In ihren Gesprächen mit Simone Raatz geht es allerdings auch um andere Fragen. „Bundesweit gesehen hat die Ausstattung der THW-Gruppen Nachholbedarf“, sagt Christian Winkler. Man müsse deshalb versuchen, in gemeinsamer Abstimmung ein mittelfristiges und nachhaltiges Konzept zu erarbeiten. Auch wenn es nicht immer einfach ist, herrscht beim THW Zuversicht. Denn das sie an ihren Aufgaben wachsen, bewiesen die Kameraden unter anderem während der Hochwasser 2002 und 2013. Diejenigen, die dabei waren, erinnern sich noch gut an die damaligen Umstände. „Niemand war wirklich darauf vorbereitet. Wir mussten improvisieren und haben es dennoch gemeinsam geschafft.“ Beim Hochwasser 2013 sei man dann nach der entsprechenden Flutmeldung innerhalb einer Stunde perfekt auf das Hochwasser eingestellt gewesen – dank der Erfahrungen von 2002. Das Credo: Die richtigen Schlüsse aus Geschehenem ziehen, um für zukünftige Fälle gerüstet zu sein.

Doch ebenso entscheidend für die Zukunft ist der Nachwuchs. Nach Wegfall der Wehrpflicht gibt es auch beim THW weniger Zulauf. „Allerdings“, sagt Christian Winkler, „bleiben die Leute die kommen nun auch eher – weil es komplett auf Freiwilligkeit beruht.“ Insgesamt ist Winkler zuversichtlich, was die Jugendarbeit angeht. Derzeit habe man „eine gute Mischung aus Jung und Alt“ im 28-köpfigen Team. Momentan sucht das THW Döbeln aber noch einen Jugendbetreuer.