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Montag, 27.11.2017

Poetisch, spannend, anrührend

Von Rainer Könen

Die Hexe aus dem russischen Märchen: Baba Jaga lebt in einem Haus, das auf Hühnerbeinen umherstolziert. Sie ist raffgierig, selbstverliebt und eifersüchtig und wird von Ralph Hensel gespielt. Am Sonnabend hatte das Märchen „Die verzauberten Brüder“ im Bautzener Theater Premiere.
Die Hexe aus dem russischen Märchen: Baba Jaga lebt in einem Haus, das auf Hühnerbeinen umherstolziert. Sie ist raffgierig, selbstverliebt und eifersüchtig und wird von Ralph Hensel gespielt. Am Sonnabend hatte das Märchen „Die verzauberten Brüder“ im Bautzener Theater Premiere.

© Uwe Soeder

Laut geht es zu, wenn im Bautzener Theater wieder Märchenstunde angesagt ist. Helle, aufgeregte Stimmen sind im Foyer zu vernehmen, da viele Besucher dem Kita-Alter noch nicht entwachsen sind. Quirligkeit auch auf den Rängen im Saal. Die Erwartungsfreude ist greifbar an diesem Sonnabend im großen Haus des Bautzener Theaters, wo das Schauspielensemble mit dem russischen Märchen „Die verzauberten Brüder“ die diesjährige Weihnachtsmärchensaison eröffnete. Tatort in dem von Jewgeni Schwarz geschriebenen Stück ist natürlich, wie sich das für ein klassisches Weihnachtsmärchen gehört, ein Zauberwald. Diesen erreicht Mutter Wassilissa auf der jahrelangen Suche nach ihren Söhnen Fjodor und Igor, die seinerzeit von der Hexe Baba Jaga in Ahornbäume verwandelt wurden. Der Mutter wird hier, in der Nähe dieser Bäume, eigenartig warm uns Herz. Doch so sehr ihre Söhne rufen und mit Ästen und Blättern wippen, sie erkennt sie nicht.

Baba Jaga, verkörpert von Ralph Hensel, gibt ihr einige schier unlösbare Aufgaben auf, mit der Aussicht, ihre Söhne freizugeben, wenn er sie dafür loben muss. Unterstützung erhält die von Ana Pauline Leitner souverän gespielte Mutter von drei skurril anmutenden Tieren. Und von ihrem jüngsten Sohn Iwanuschka, gespielt von Fiona Piekarek-Jung. Der ebenfalls nach seinen verschollenen Brüdern sucht und als aufgeweckter Zauberkasper die Hexe mächtig in Rage bringt.

Jewgeni Schwarz schrieb dieses Werk 1953. Es ist sein bekanntestes Stück, das eine Hommage an die Mutterliebe ist, die alles Böse besiegt. Es ist aber auch ein Märchen, welches daran erinnert, wonach wir uns doch insgeheim alle sehnen: nach Liebe und Gerechtigkeit in einer zunehmend feindseligen Welt. In „Die verzauberten Brüder“ trifft das personifizierte Gute auf den Inbegriff des Bösen. Dennoch löst die von Ralph Hensel dargestellte Hexe selbst bei den kleinsten Besuchern alles andere als Angstzustände aus. Hensel gibt dieser Figur mit seiner knarzenden Stimme eine rotzfreche Dreistigkeit, die schmunzeln lässt. Die tierischen Helfer, ein gutmütiger, stets müder Bär, ein nobel auftretender Kater sowie ein knurrender Hund bilden die Nebenfiguren des von Oberspielleiter Stefan Wolfram inszenierten Stückes. Erik Dolata (Meister Petz), Istvan Kobjela (Kater Kotofej Murlewitsch) und Marwin George (Hund Scharik) spielen ihre Parts mit sichtlichem Vergnügen. Das stimmungsvoll-illuminierte Bühnenbild von Katharina Lorenz, ein aus kräftig gewachsenen Ahornbäumen bestehender Wald, bringt die nötige Atmosphäre, entfaltet sich vor diesem Hintergrund die Poesie der märchenhaften Inszenierung.

Dass das Stück spannungsarme Phasen hat, gerät immer dann aus dem Blickfeld, wenn Regisseur Stefan Wolfram auf Theaterspektakel setzt. Da verschwinden Darsteller im Erdboden, entschweben in die Lüfte, kracht und knallt es, wenn Baba Jaga schlechte Laune hat. Hingucker ist natürlich sein mobiles, auf Hühnerbeinen laufendes Häuschen. Musikeinlagen lockern die Handlung auf.

Nach rund zwei Stunden ist es dann soweit, Mutter Wassilissa kann ihre Söhne in die Arme schließen, das Gute hat das Böse besiegt. Beim frenetischen Schlussapplaus sieht man auch endlich, wer die ganze Zeit in den Bäumen gesteckt hat (Katharina Pöpel und Katharina Krüger). Nun ja, ein Elevinnenschicksal zur Vorweihnachtszeit.

Weitere Veranstaltungen: https://www.sz-veranstaltungskalender.com/veranstaltungen

Das Weihnachtsmärchen des Theaters Görltiz-Zittau wird hier rezensiert: http://www.sz-online.de/nachrichten/ja-pick-mich-doch-am-buerzel-3830661.html