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Mittwoch, 03.01.2018

Plötzliches Aus für die Macher der Kinderstadt

Die Projektschmiede beendet die Arbeit. 15 Mitarbeiter stehen auf der Straße. Auch mit anderen Projekten ist Schluss. Das Ende kam ohne Vorwarnung.

Von Annechristin Bonß

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Im vergangenen Jahr öffnete die Kinderstadt Kitrazza am Rudolph Bergander Ring.
Im vergangenen Jahr öffnete die Kinderstadt Kitrazza am Rudolph Bergander Ring.

© Archiv/Sven Ellger

Sie haben mit Kindern neue Spielplätze erträumt und den kleinen Dresdnern einmal im Jahr die Stadt „Kitrazza“ gebaut. Und waren Organisator im städtischen Handlungsprogramm für ein vielfältiges und weltoffenes Dresden. Jahrelang galt die Projektschmiede als der Initiator für kulturelle, soziale und integrative Projekte. Nun ist Schluss. Zwölf Tage vor Weihnachten hat der Vorstand des Vereins Kulturbüro das Aus der Projektschmiede beschlossen. Das Kulturbüro war erst 2016 alleiniger Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH geworden. Deren Homepage und Facebook-Auftritt sind nun nicht mehr erreichbar.

Den 15 Mitarbeitern wurde gekündigt. In einem offenen Brief haben sie sich nun an Dresdner Vereine und Initiativen gewandt. Darin kritisieren sie die Entscheidung zur Schließung und den Umgang mit den Mitarbeitern. Demnach habe es keine Betriebsversammlung gegeben, Kündigungen seien kurzfristig ausgesprochen worden, nicht mit jedem soll es überhaupt Gespräche gegeben haben. Eine angemessene Zeit um sich auf Jobsuche und Arbeitslosigkeit vorzubereiten, habe es ebenfalls nicht gegeben. Auch von Partnern konnten sich die teils projektbezogen Angestellten nicht angemessen verabschieden.

Florin Schmidt, Noch-Geschäftsführer der Projektschmiede, bedauert die kurzfristige Entscheidung vor Weihnachten. Den Vorwurf fehlender Gespräche weist er zurück. Der Zeitpunkt zum Jahresende sei bewusst gewählt worden, sagt er. So laufen viele Projekte und deren Finanzierung zum Jahresende aus. Bevor sie neu beginnen, sollte ein sauberer Schnitt gemacht werden. Als Grund für das Aus nennt Schmidt betriebswirtschaftliche Gründe. Die Einnahmen der Projektschmiede hätten nicht mehr die Höhe der Ausgaben erreicht. Bereiche des Betriebs, die aus eigenen Mitteln finanziert wurden, wären so nicht mehr gedeckt gewesen. Im offenen Brief weisen die ehemaligen Mitarbeiter diesen Punkt zurück. „Die Projektschmiede steht weder vor Zahlungsunfähigkeit noch vor Überschuldung“, heißt es darin.

„Es geht nun darum, die Projekte zu retten“, sagt Florin Schmidt. Andere Träger sollen diese und die Fördermittel übernehmen. Das Handlungsprogramm ist an die Stadt zurückgegeben worden. Die sucht nun einen neuen Träger. Die Kinderstadt Kitrazza und die Beratungsplattform House of Resources hat das Kulturbüro selbst übernommen. Für das Tanznetz und das Kulturjahr Sucht gibt es noch keinen neuen Träger. Einer Übernahme muss auch der Fördermittelgeber zustimmen. Ob auch die alten Mitarbeiter unter dem neuen Träger arbeiten können, bleibt offen. In den kommenden Tagen will Florin Schmidt eine Stellungnahme veröffentlichen.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. konsequent weiterdenken

    Die Situation ist für die Mitarbeiter nicht schön. Aber es geht ihnen dabei nicht anders, als jedem anderen Angestellten, der seine Kündigung erhält. Die Kündigungsfristen sind gesetzlich oder tarifvertraglich geregelt. Das haben in den letzten 27 Jahren Millionen Menschen auch durchmachen müssen. Momentan ist die Situaion auf dem Arbeitsmarkt aber so, daß die betroffenen (ehemaligen) Mitarbeiter es auch als Chance sehen können. Vielleicht lesen wir ja schon bald einen Beitrag über die neuen Arbeitsaufgaben der Betroffenen.

  2. Plauener

    ...schade, das gerade bei Projekten für die Kinder gespart wird. Hauptsache die Politiker erhalten Ihre selbst erhöhten Diäten... Es ist nicht nachvollziehbar, bürgerfern, lebensfremd...

  3. Albrecht Pallas

    @Plauener: Thema verfehlt. Diese Entscheidung hat der Trägerverein, das Kulturbüro Dresden zu verantworten. Die Abwicklung der Projektschmiede ist ein Verlust für die Dresdner Zivilgesellschaft. Jetzt braucht es schnell Klarheit über die Gründe für diese Entscheidung. Vor allem aber muss die Zukunft der bereits gestarteten Projekte abgesichert werden.

  4. René

    Sehr, sehr schade. Unser Kind war letztes jahr das erste mal bei Kitrazza dabei. Ihr hat ers sehr, sehr gut gefallen und Sie wollte dieses Jahr wieder mit dabei sein. Jetzt werde ich wohl ein weinendes Kind trösten müssen. Vielen Dank an alle die Kitrazza ermöglicht haben!!!!

  5. Claudia

    @ René - Zitat aus dem Artikel: "Die Kinderstadt Kitrazza und die Beratungsplattform House of Resources hat das Kulturbüro selbst übernommen." Ihr Kind kann sich also getrost auf Kitrazza im Sommer freuen, wenn ich das richtig verstehe :)

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