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Freitag, 11.03.2011

Pistenunfall kann Tausende Euro kosten

Vor dem Schaden klug sein: Wie sich Wintersportler vor finanziellen Risiken eines Unglücks im Schnee schützen können.

Von Berrit Gräber

Millionen Bundesbürger verbringen ihre Weihnachtsferien im Schnee. In allen Skigebieten locken dieses Jahr beste Schneebedingungen. Ob nur für ein Wochenende oder auf einen längeren Skiurlaub: Wer zum Rodeln, Snowboarden, Abfahrts-, Lang- oder Eislaufen geht, sollte ausreichend Versicherungsschutz dabei haben – vor allem im Ausland. Sonst kann es passieren, dass schon ein kleiner Sturz oder Zusammenstoß auf der Piste zum finanziellen Fiasko wird. Und zwar unabhängig davon, ob der Skifahrer selbst verletzt wird oder ein anderer zu Schaden kommt.

„Die finanziellen Folgen eines Skiunfalls können sich auf sechs- bis siebenstellige Beträge summieren, ganz abgesehen von gesundheitlichen Beeinträchtigungen“, sagt Kay Rodegra, Reiserechtler und Lehrbeauftragter an der Uni Trier. Schon ein Beinbruch könne Tausende Euro kosten, von schlimmen Unglücken – womöglich mit tödlichem Ausgang – ganz zu schweigen. Allein bis zu 60.000 deutsche Ski- und Snowboardfahrer verunglücken Jahr für Jahr auf den Hängen der Wintersportorte, so die traurige Statistik des Deutschen Skiverbands (DSV).

Unverschuldet in den Ruin

Für Wintersportler sind folgende Policen ganz wichtig: eine private Haftpflicht, eine Unfallversicherung und eine extra Auslandskrankenversicherung, falls es zum Skifahren über die Grenze geht, ob nach Österreich oder weit weg nach Kanada. Die eigene Gesundheit gehört immer besser abgesichert als Sachen wie teure Skier oder Schlittschuhe.

Die Privathaftpflicht ist für Eislauf- und Bretterfans sowie ihre Kinder ein absolutes Muss, auch abseits der Pisten, sagt Lilo Blunck, Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten (BdV). Der Schutz greift, wenn ein Bürger bei anderen Schäden verursacht.

Für den Winterurlaub bedeutet das: Ist ein nicht versicherter Skifahrer am Zusammenstoß mit einem anderen Pistenfan Schuld, muss er aus der eigenen Tasche für die Folgen aufkommen, schlimmstenfalls mit seinem ganzen Vermögen. Zu bezahlen sind ärztliche Behandlungen, Schmerzensgeld, Verdienstausfall und Schadenersatz. Bei einem Todesfall wird der Unfallverursacher in der Regel mit hohen Ersatzansprüchen der Hinterbliebenen konfrontiert.

Umgekehrt gilt: Wer von einem Nichtversicherten auf der Piste über den Haufen gefahren wird, braucht einen langen Atem, bis finanzielle Ansprüche an den Verursacher geltend gemacht sind und Geld fließt, wie Rodegra betont. Ist ein nicht ausreichend abgesicherter Selbstständiger betroffen, kann ihn der unverschuldete Skiunfall an den Rand des Ruins führen. Da hilft auch eine Rechtschutzversicherung meist nicht an Geld zu kommen.

Führt ein Unfall auf Schnee oder Eis zur Invalidität, ist eine private Unfall- oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung bares Geld wert. Die Berufsunfähigkeitsversicherung kommt für eine Rente auf, wenn der Wintersportler seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Die Unfallpolice steht für eine Einmalzahlung oder ebenfalls eine Rente gerade. Im Schutz enthalten sind oft auch Bergungskosten bis zu 5.000 Euro. Blunck empfiehlt die Absicherung auch für Kinder.

Gips gibt’s nur gegen Bares

Für Skifahrer, die über die Grenze nach Österreich, Italien, in die Schweiz, USA oder nach Kanada fahren, ist eine extra Auslandsreisekrankenversicherung ein Muss. Das gilt für gesetzlich wie privat Krankenversicherte gleichermaßen. Andernfalls sitzen sie im Notfall schnell auf vielen Hundert Euro Schulden für medizinische Behandlungen und den Rücktransport.

Deutsche Patienten werden bei Skiunfällen nur gegen Bares und Vorkasse behandelt. Wieder zu Hause, erstatten die Kassen lediglich nach Regelsatz. Den Rest muss der Verletzte selbst übernehmen. Neben Behandlungskosten und Krankentransport nach Hause übernimmt die Versicherung häufig auch die Bergungskosten.

Wer unbedingt sein Skigerät versichern will, sollte wissen: Schnappen sich Langfinger die Skiausrüstung, die vor der Tür im Schnee steckt, während der Besitzer drinnen beim Jagertee sitzt, zahlt der Versicherer nichts, so Blunck. Dafür greift die normale Hausratpolice auch im Ausland, falls Diebe ins Hotelzimmer einbrechen und Gepäck mitgehen lassen. (dapd)