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Donnerstag, 30.06.2016

Pilotprojekt in der Kläranlage

Unbehandeltes Abwasser ist ein wertvoller Energieträger. Der soll künftig genutzt werden. Im August beginnt die Testphase.

Von Sylvia Jentzsch

Auf dem Areal der Kläranlage in Westewitz entsteht zurzeit ein Gewächshaus. Hier sollen Wasserlinsen untergebracht werden, die einen Teil des vorgeklärten Wasser reinigen sollen. Dabei handelt es sich um ein Versuchsprojekt.
Auf dem Areal der Kläranlage in Westewitz entsteht zurzeit ein Gewächshaus. Hier sollen Wasserlinsen untergebracht werden, die einen Teil des vorgeklärten Wasser reinigen sollen. Dabei handelt es sich um ein Versuchsprojekt.

© Dietmar Thomas

Großweitzschen. Zurzeit entsteht auf dem Areal der Kläranlage in Westewitz ein Gewächshaus. Bisher steht nur das Gestell. Im Gewächshaus werden künftig Wassserlinsen einziehen. Die sollen einen Teil des vorgereinigten Klärwassers so säubern, dass dieses wieder dem Wasserhaushalt zugeführt werden kann. Wenn die Linsen genügend Platz und Licht haben, können sie Biomasse aufbauen. Die Becken, in denen die Wasserlinsen wachsen, werden übereinander gestapelt. Deshalb ist das Gewächshaus so hoch.

Die Wasserlinsen werden voraussichtlich alle ein bis zwei Tage geerntet und sollen später als Biomasse einem sogenannten Faulturm zugeführt werden. „Es handelt sich um einen Test. Wir wollen untersuchen, unter welchen Bedingungen das Wasser gereinigt wird und welche Wasserqualitäten wir damit erzielen können“, sagte Johan Stüber vom Kompetenzzentrum Wasser in Berlin. Das hat auch das Konzept Carismo entwickelt.

Dabei geht es um Energiegewinnung aus dem Abwasser. Die Bedingungen zur Umsetzung des Konzeptes werden mit dem Bau eines Fundamentes, auf dem künftig zwei Container stehen, und dem Einbau eines Trommelsiebes geschaffen. Zum Vorhaben informierte der Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes „Döbeln-Jahnatal“ Stephan Baillieu die Gemeinderäte von Großweitzschen. Interessierte Bürger waren nicht zur Sitzung gekommen.

Energieverbrauch reduziert

Johan Stüber erklärt das Verfahren so: „Dem Abwasser wird ein Zusatzstoff zugeführt. Dieser bewirkt, dass sich Flocken bilden, die besser gefiltert werden können. Das geschieht mithilfe eines sogenannten Trommelsiebes, das feiner ist als der vorhandene Rechen. Die Flockung und Filtration geschieht in den neu installierten Containern. Mit diesem Verfahren wird ein großer Teil der Schmutzfracht entbunden. Es entsteht Schlamm, welcher im vorhandenen Speicher eingedickt wird. Für die nachfolgende Behandlung des Filtrats muss weniger Sauerstoff für die Belüftung zugeführt werden als bisher. Somit reduziert sich der Energieverbrauch der Anlage.“

Später einmal sollen der Klärschlamm wie die Wasserlinsen in einen Faulturm gebracht werden. Der funktioniert ähnlich einer Biogasanlage. Beim Vergären entsteht Methan, das mithilfe eines Blockheizkraftwerkes in Energie umgewandelt werden kann. Diese Voraussetzung gibt es noch nicht. Das Forschungsprojekt „Powerstep” dauert noch bis Ende Juni 2018. Es wird zu 100 Prozent von der Europäischen Union gefördert. Insgesamt fallen Kosten in Höhe von 730 000 Euro an. Bewährt sich die Anlage, wird sie dem AZV übergeben. Das Gewächshaus soll aber wieder abgebaut werden, so Johan Stüber. „Das Pilotprojekt ist eine gute Sache, wenn es funktioniert“, so Gemeinderat Sven Krawczyk. Bedenken wegen einer Geruchsbelästigung brauchen die Anwohner nicht zu haben, versicherte der Verbandschef.