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Dienstag, 15.03.2016

Per Liveschaltung ins Kernforschungszentrum

Schüler durften an der TU Dresden einen Tag auf den Spuren großer Physiker wandeln.

Von Julia Vollmer

Mit Spannung verfolgen die Schüler die Videokonferenz mit der Schweizer Zentrale des Forschungszentrums Cern.
Mit Spannung verfolgen die Schüler die Videokonferenz mit der Schweizer Zentrale des Forschungszentrums Cern.

© Sven Ellger

Hallo hier ist Madrid! Buongiorno aus Genua! Von der großen Videoleinwand im Physikhörsaal der TU Dresden winken Jugendliche in die Kamera. Nach den beiden südeuropäischen Städten folgten Grüße aus Wuppertal, der Schweiz und eben aus Dresden. Alle Jugendlichen eint das Interesse für Teilchenphysik. Einmal in die Fußstapfen von Stephen Hawking treten und sich einen Tag lang als Kernforscher fühlen – das konnten die 90 Nachwuchsphysiker am Montag erleben.

Als Höhepunkt des Tages nahmen die wissbegierigen Jugendlichen an einer Videokonferenz mit Wissenschaftlern am Schweizer Forschungszentrum Cern und Schülergruppen in anderen Ländern teil. Dabei präsentierten sie ihre Messergebnisse und konnten den Physikern am Cern Fragen stellen. „Wie funktioniert das genau?“ Macht das Leben als Forscher Spaß?“ Das bewegte die Teenager. Zu dem Projekttag waren Gymnasiasten aus ganz Sachsen ins Institut für Kern- und Teilchenphysik eingeladen.

Auf dem Stundenplan standen mal nicht Deutsch und Biologie, sondern eine Einführung in die Teilchenphysik. Sie analysierten unter der Anleitung von Wissenschaftlern Daten, die am Forschungsgerät Large Hadron Collider (LHC) am Cern in Genf aufgezeichnet wurden. Das Cern (Europäische Organisation für Kernforschung) ist eine Großforschungseinrichtung bei Meyrin im Kanton Genf in der Schweiz. Hier forschen die Wissenschaftler zu physikalischen Grundlagen. Mit großen Teilchenbeschleunigern wird der Aufbau der Materie untersucht.

Der Projekttag fand im Rahmen des Programms International Masterclasses, das weltweit in 47 Ländern läuft und am Dresdner Physikinstitut geleitet wird, statt. „Wir freuen uns sehr über das große Interesse an Teilchenphysik“, sagt Michael Kobel, Professor an der TU Dresden und Leiter des Programms. „Die Jugendlichen erhalten an diesem Tag einen Eindruck, wie in der modernen Physik geforscht wird.“

In die Schlagzeilen geriet das Cern im Sommer 2012, als hier das Elementarteilchen Higgs-Boson entdeckt wurde. Seitdem ist das öffentliche Interesse an der Teilchenphysik groß. Die Schüler konnten während ihres Projekttages an der Uni genau an dieser Forschung mitmachen und Originaldaten von den Experimenten am Cern auswerten. „Die Teilnehmer können zum Beispiel Spuren des Higgs-Bosons in den Daten finden“, erklärt Michael Kobel. „So erleben sie unmittelbar, wie eine wissenschaftliche Entdeckung zustande kommt.“

Die Jugendlichen konnten selbst untersuchen, was passiert, wenn Protonen in den kilometerlangen unterirdischen Röhren des LHC mit Lichtgeschwindigkeit zusammenstoßen. 210 Universitäten und Forschungsinstitute in 47 Ländern beteiligen sich an den International Masterclasses, die den Erlebnistag veranstaltet. „Neu dabei sind in diesem Jahr Argentinien, Peru, Slowenien und Venezuela“, berichtet Uta Bilow, die das weltweite Programm koordiniert. Diese internationale Zusammenarbeit ist typisch für die Teilchenphysik, wo Tausende von Forschern gemeinsam an einem Experiment arbeiten. International Masterclasses lassen Jugendliche an dieser Forschung teilhaben und stellen ihnen Originaldaten von Experimenten zur Verfügung.

Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit Netzwerk Teilchenwelt, dem bundesweiten Netzwerk zur Vermittlung von Teilchenphysik an Jugendliche und Lehrkräfte, das ebenfalls an der TU Dresden geleitet wird, statt. Veranstalter der International Masterclasses ist die International Particle Physics Outreach Group. Das ist ein eigenständiges Komitee aus Vertretern der am Cern forschenden Länder.