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Montag, 22.02.2016

Pegida stellt sich hinter Clausnitz

Am Montagabend hat Pegida erneut in der Dresdner Innenstadt demonstriert. In ihrer Rede solidarisierte sich Frontfrau Tatjana Festerling mit den fremdenfeindlichen Krawallen in Clausnitz.

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Pegida-Anhänger demonstrierten am Montag auf dem Neumarkt in Dresden.
Pegida-Anhänger demonstrierten am Montag auf dem Neumarkt in Dresden.

© dpa

  • Pegida-Anhänger demonstrierten am Montag auf dem Neumarkt in Dresden.
    Pegida-Anhänger demonstrierten am Montag auf dem Neumarkt in Dresden.
  • Trotz Regens kamen schätzungsweise 2500 - 3000 Teilnehmer.
    Trotz Regens kamen schätzungsweise 2 500 - 3 000 Teilnehmer.
  • Wie immer brachten die Demonstranten ihre selbstgebastelten Schilder mit.
    Wie immer brachten die Demonstranten ihre selbstgebastelten Schilder mit.
  • Auch die Vorfälle in Clausnitz wurden thematisiert - wenn auch auf die ganz eigene Weise Pegidas.
    Auch die Vorfälle in Clausnitz wurden thematisiert - wenn auch auf die ganz eigene Weise Pegidas.
  • Medienvertreter und Politiker wurden durch Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling als „Bluthunde“ bezeichnet.
    Medienvertreter und Politiker wurden durch Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling als „Bluthunde“ bezeichnet.

Dresden. Nach der Empörung ihres Frontmanns Lutz Bachmann am Montagvormittag über die heutige Titelseite der Hamburger Morgenpost haben sich am Abend wieder die Pegida-Anhänger zu ihrem „Spaziergang“ getroffen. Nach Angaben der Studentengruppe „Durchgezählt“ kamen zwischen 2 500 und 3 000 Menschen auf den Neumarkt.

Auch die Gegner des Bündnisses machten mobil. Zwischen 300 und 350 Anhänger von Gepida versammelten sich auf dem Theaterplatz und zogen anschließend bis zum Neustädter Markt, wie die Studentengruppe „Durchgezählt“ bei Twitter schrieb.

Die Polizei war bei den Demonstrationen mit insgesamt 295 Beamten im Einsatz.

Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling solidarisierte sich in ihrer Rede mit den fremdenfeindlichen Ereignissen in Clausnitz. „Ich schäme mich nicht für die Clausnitzer und verstehe die Interessen der Bürger“, sagte sie. Festerling gab vielmehr den Flüchtlingen die Schuld an der Eskalation am Donnerstagabend, bei der eine grölende Meute von etwa 100 Menschen einen ankommenden Bus mit Flüchtlingen blockierte und attackierte. Vor einer Woche hatte Festerling bereits mit einem Interview für Aufsehen gesorgt, das sie dem Onlineportal des britischen Boulevardblattes Daily Mail gegeben hatte. (szo)

Hier das Geschehen im Zeitverlauf:

20.33 Uhr: Nach SZ-Informationen soll Pegida-Gründer Lutz Bachmann auf dem Weg der Besserung sein und ab März wieder bei den Demonstrationen auftreten. Das sagte Siegfried Däbritz am Rand der Kundgebung.

20.27 Uhr: Däbritz erklärt die Veranstaltung für beendet.

20:24 Uhr: Festerling ist fertig mit ihrer Hetzrede. „Nirgendwo sehen wir eine gesündere, intaktere und selbstbewusstere Zivilgesellschaft als in Sachsen“, sagt sie zum Abschluss und fordert zwischen den Zeilen einen sächsischen Nationalstaat. Jetzt wird noch mit Ramona die Nationalhymne gesungen.

20:18 Uhr: Festerling kriminalisiert erneut die Muslime, die angeblich alle in den Schulen Handys klauen und in den Schwimmbädern Frauen angrapschen.

20:14 Uhr: „Ich schäme mich nicht für die Clausnitzer und verstehe die Interessen der Bürger“, poltert Festerling. Medienvertreter und Politiker bezeichnet sie als „Bluthunde“, die die angeblich „besorgten Bürger“ in die rechte Ecke schieben.

20:13 Uhr: Nun hetzt Festerling gegen Muslime und greift die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht auf.

20:10 Uhr: „Was bleibt den Menschen anderes übrig?“, fragt sie und legitimiert so insgeheim die fremdenfeindlichen Ausschreitungen der vergangenen Tage in Sachsen.

20:04 Uhr: Festerling spricht von „freier Meinungsäußerung“ der Clausnitzer und gibt den Flüchtlingen die Schuld an der Eskalation. Sie verteidigt zudem die Polizei. „Die Polizei hat vollkommen korrekt gehandelt.“

20:02 Uhr: Festerling stellt sich hinter die Ereignisse in Clausnitz. Sie steht damit im Gegensatz zu den Schlagzeilen der vergangenen Tage. „Lügenpresse“, schreien die Pegida-Anhänger.

20:00 Uhr: Festerling betritt die Bühne. Es gibt Unterstützungsrufe der Masse. Sie geht zunächst auf den Slogan „Wir sind das Volk“ ein, den Pegida zum Beispiel laut des ehemaligen Bundestagspräsidenten und DDR-Bürgerrechtlers Wolfgang Thierse missbraucht.

19:58 Uhr: Ein gewisser Michael vom Pegida-Ableger in Duisburg redet. Er verkündet Durchhalteparolen. Und die Masse schreit mal wieder „Widerstand“.

19:55 Uhr: Ein SZ-Reporter berichtet, dass offensichtliche Pegida-Anhänger mit Regenschirmen in den Sachsen-Farben anscheinend lieber bei McDonald‘s essen, als im Regen zu spazieren.

19:47 Uhr: „Heute sind bei #Pegida in #Dresden schätzungsweise 2500-3000 Teilnehmer. 2640 wurden im Demozug gezählt“, schreibt die Studentengruppe „Durchgezählt“ bei Twitter.

19:45 Uhr: Der Neumarkt füllt sich langsam wieder mit den Pegida-Anhänger.

19:15 Uhr: Die Studentengruppe „Durchgezählt“ meldet bei der Gepida-Demo zwischen 300 und 350 Teilnehmer.

19:13 Uhr: Der sogenannte „Spaziergang“ beginnt. Anschließend soll Tatjana Festerling zu Clausnitz sprechen, wo am Donnerstagabend eine grölende Meute von etwa 100 Menschen einen ankommenden Bus mit Flüchtlingen blockierte und attackierte.

19:12 Uhr: „Die geistigen Brandstifter für die Ausschreitungen sitzen in Berlin“, sagt Hoffmann in Richtung der Bundesregierung.

19:10 Uhr: Hoffmann wettert gegen Flüchtlinge sowie Linke und fordert mehr Polizei. Die Pegida-Anhänger skandieren erneut „Widerstand“.

19.04 Uhr: Lothar Hoffmann, nach eigenen Angaben bis 1997 Chef der Polizeigewerkschaft in Sachsen-Anhalt, übernimmt das Mikrofon. „Machen Sie endlich die Grenzen dicht und schützen sie unser Volk vor Überflutung“, sagt er in Richtung der Bundesregierung.

19:01 Uhr: Nach Däbritz ergreift „Ed der Holländer“ das Wort und fordert, dass die Pegida-Anhänger Schweinemützen kaufen und so „Widerstand“ leisten sollen. Das war‘s dann auch schon von ihm.

18:58 Uhr: Ein SZ-Reporter schätzt, dass auf dem Theaterplatz rund 100 Menschen an der Gegendemo von Gepida teilnehmen. Sie wollen zum Haus der Presse und die Ostra-Allee zum Postplatz laufen.

18:45 Uhr: Nach der Pegida-Hymne verliest Siegfried Däbritz die Auflagen und beginnt gegen die Kanzlerin zu hetzen. Die Anhänger skandieren „Merkel muss weg“.