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Montag, 07.09.2015

Pegida spaziert wieder jeden Montag

Am Montagabend treffen sich die Anhänger des nationalistischen Bündnisses auf dem Neumarkt. Bei ihrem Spaziergang behalten sie die bekannte Route bei, damit sich niemand verläuft. Zum Finale verkündet Lutz Bachmann die Rückkehr zur wöchentlichen Routine.

Anhänger von Pegida nach der Hälfte der Strecke.
Anhänger von Pegida nach der Hälfte der Strecke.

© szo

Dresden. In Dresden hat sich am Montagabend das nationalistische Bündnis Pegida wieder zu einem „großen Abendspaziergang“ versammelt. Manche Mitläufer müssen sich warm anziehen, denn es herrschen frühherbstliche Temperaturen auf dem Neumarkt, wo sich die Anhänger des Bündnisses um Lutz Bachmann zur obligatorischen Kundgebung treffen. Wie gewohnt, spricht der Initiator als Erster. Er fordert die Rücktritte von Markus Ulbig und Angela Merkel, lobt die Positionen von Ungarn, Polen und Tschechien, die die Aufnahme weiterer Flüchtlinge ablehnen und lädt anschließend zur ersten Pegida-Geburtstagsfeier.

Pegida-Parolen sind meist von Pappe

Für den 19. Oktober erhofft sich Bachmann für sein Publikum eine Schar politischer Gäste aus dem rechten europäischen Lager: Auf seiner Wunschliste stehen Marine Le Pen aus Frankreich, Viktor Orban aus Ungarn sowie der Österreicher Heinz-Christian Strache. Den Rechtspopulisten wolle er in Wien bei der Wahl zum Bürgermeister unterstützen. Die fahnenschwenkenden Anhänger quittieren die Aussagen mit den bekannten Sprechchören. Diese reichen von den beliebten „Widerstand“-Rufen über „Lügenpresse“ bis zu „Volksverräter“.

Uneinigkeit herrscht dagegen temporär zwischen dem Klassiker „Wir sind das Volk“ in Konkurrenz zu der jüngsten Neuschöpfung „Wir sind das Pack“. Der Ausweg aus dem Dilemma lautet schließlich „Wir sind das Volk und ihr seid das Pack“.

Nach Lutz Bachmann spricht ein Redner namens Winfried Wenzel, der sich als Kriegsvertriebener aus dem ehemaligen Königsberg vorstellt. Der Sprecher verliest einen Brief, ärgert sich darin über Bundespräsident Joachim Gauck, der die gegenwärtigen Flüchtlinge mit den einst Vertriebenen gleichsetzt, und möchte im Anschluss daran die zweite Strophe der deutschen Nationalhymne zitieren. Bachmann hindert den Mann allerdings daran mit dem Verweis auf geltendes Recht.

Anschließend ergreift ein gewisser Steffen aus Chemnitz das Mikro. Er scheint den Zuhörern durchaus vertraut zu sein. Nach seinem Schwall von Parolen macht sich die Menge langsam auf den Weg zum Landtag: mit müde flatternden Fahnen, liebevoll gebastelten Pappschildern, selbst gestrickten Mützen im deutschnationalen Design und die üblichen Gesänge und Schmährufe skandierend.

Nach Angaben der Studentengruppe „durchgezählt“ nehmen zwischen 4 000 bis 4 500 Menschen an der Demo teil. Lutz Bachmann bedankt sich allerdings bei über 10 000 Menschen für ihr Kommen und beruft sich dabei auf eine Schätzung der Polizei. Die Behörde hatte allerdings vor zwei Monaten verkündet, sich wichtigeren Dingen zu widmen als dem Zählen von Spaziergängern. Die Zahl ist demnach nicht offiziell bestätigt. Da selbst aus den Reihen der Pegida-Anhänger rund 4 800 Teilnehmer kolportiert werden, ist Bachmanns Zahl zu bezweifeln.

Zum Finale verkündet der Initiator noch die Rückkehr zur ursprünglichen Routine: Pegida werde ab jetzt wieder jeden Montag in Dresden eine Runde drehen. (szo)