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Dienstag, 24.03.2015

Pegida-Möhrchen für die „Angsthasen“

Beim 20. Pegida-Aufmarsch bestätigt Bachmann, dass er einen OB-Kandidaten habe, nannte aber keinen Namen. Ist es eine Ex-AfD-Frau?

Von Thomas Schade

Der Demo-Montag in Dresden

Viele Gegendemonstranten kamen im Hasen-Outfit.
Viele Gegendemonstranten kamen im Hasen-Outfit.

© Kairospress

Am Montag feierte Pegida nicht nur so etwas wie ein Jubiläum – seit mehr als 20 Wochen sind Anhänger der islamkritischen Bewegung nun auf der Straße, um das christlich-jüdische Abendland zu retten, wie es in diversen Äußerungen hieß. Am Montag war auch Möhrchentag.

Der Demo-Montag in Dresden

Doch den Gag ihres Frontmannes Lutz Bachmann hatten die wenigsten Sympathisanten verstanden. Nach Polizeiangaben setzten sich rund 5 500 Spaziergänger und damit weniger als vor einer Woche vom Dresdner Altmarkt aus in Bewegung. Nur ein paar Hände voll Karotten blieben zurück – viel zu wenige für die „Angsthasen“, die sich derweil auf dem Postplatz versammelten. Pegida-Gegner vom Bündnis „Dresden für alle“ hatten nämlich zu einer „Prozession der Angsthasen“ aufgerufen. Man wolle damit auf die Ängste der Menschen hinweisen, die selten im Blickfeld der Öffentlichkeit stehen: Migranten, Muslime, Geflüchtete, hieß es im Bündnis.

Stunden vor dem allmontäglichen Abendspaziergang hatten Bachmann und Siegfried Däbritz deshalb ihren Anhang via Facebook animiert, Möhren mitzubringen. Bachmann hatte dazu aufgefordert, mit den Möhren „den hässlichen Antifa-Häschen das Mäulchen“ zu stopfen. Die müssten schließlich gefüttert werden, „für sich selbst können sie ja nicht sorgen“.

Die eigentliche Pegida-Botschaft dieses Montags machte zuerst in Chemnitz die Runde. Während sich in Dresden mit Enrico und Alex zwei weniger begnadete Redner versuchten, wurde in Chemnitz die frühere Hamburger AfD-Politikerin Tatjana Festerling von den Organisatoren als OB-Kandidatin für Dresden vorgestellt. Das meldete die Freie Presse, als man in der Landeshauptstadt gemächlich über den Pirnaischen Platz spazierte. Festerling war zuvor auch schon in Dresden mehrmals als Rednerin aufgetreten und im Januar in den Pegida-Verein aufgenommen worden. Eine offizielle Bestätigung für die Nominierung war am Abend nicht zu bekommen. Pegida-Gründer Bachmann antwortete auf eine entsprechende SZ-Nachfrage nur mit dem Satz: „Keine Ahnung, was in Chemnitz abgeht.“ Nach dem Spaziergang erklärte er vor den Demonstranten lediglich: „Unser Kandidat für die OB-Wahl steht fest“, nannte aber keinen Namen. Bachmann bestätigte nochmals, dass der Chef der niederländischen PVV, Geert Wilders, am 13. April nach Dresden kommen und auf der Pegida-Kundgebung eine Rede halten wird.

Vor dem Spaziergang hatte sich Pegida vor allem selbst gefeiert und sich mit Politikerschelte vor allem an der SPD abreagiert. Auf die rhetorische Frage, warum Tausende nun schon das 20. Mal auf die Straße gehen, sagte Bachmann, dass Pegida in den etablierten Parteien für erheblichen Wirbel gesorgt habe. Der 42-Jährige griff insbesondere SPD-Chef Gabriel an, der gegen den Willen seiner Parteibasis für das Freihandelsabkommen TTIP werbe.

Besonders hart fühlt sich der Pegida-Gründer offenbar vom Vorstoß des sächsischen SPD-Wirtschaftsministers Martin Dulig getroffen, der die Unternehmen des Freistaates aufgerufen hatte, sich gegen Pegida zu engagieren.